Auf der Suche nach einer anderen CD stolperte ich in meinem hervorragend sortierten Musikladen um die Ecke (ja es gibt sie durchaus noch, die kleinen Krämer, wo man (fast) alles findet, zudem gut beraten wird und man höre und staune, diese CD unter 10 EUR bekommt), über "Boccherini zum Bücherlesen".
Nun hatte ich auf meiner kürzlich rezensieren "Klassik(ver)führer"-CD diesen italienischen Komponisten bereits einmal gehört und war nicht ganz abgeneigt. (Die Gefahr, dass mich Klassikkenner für diese triviale Beurteilung eines bedeutenden Komponisten steinigen möchten, ist zwar groß, doch sei hiermit kundgetan, dass ich lernfähig und der klassischen Musik durchaus zugeneigt, jedoch von tiefgreifender Kenntnis dieses Genres weit entfernt bin).
Zweiter Kaufüberlegungsgrund war meine zugegeben weitaus exzessiver gefrönte Leidenschaft - das Lesen.
Warum immer so still und einsam dahergesessen und vor sich hingelesen, dachte ich mir.
Auch erinnerte ich mich an eine CD-Besprechung "Barock zum Lesen" meiner geschätzten Mitrezensentin Helga König.
Nun ist der Barock, oder sagen wir dessen Musik, nicht gerade mein Wunschklang. Cembalo und Co. haben meine Gehörgänge noch nicht zu liebkosen vermocht. Ab Mozart aber verzaubern mich Geigen-, Klavier- und Cellotöne sehr.
Doch Beethoven und Wagner sind zum Bücherlesen nicht geeignet, zu sehr lasse ich mich von deren "voluminöser" Musik ablenken.
Also - Spontankauf Boccherini.
Und gleich bei wikipedia nachgeschlagen, man möchte sich ja nicht völlig unbedarft der Musik ausetzen: "Luigi Boccherini, ein unverdient vernachlässigter Komponist und Virtuose der vorklassischen und klassischen Epoche (1760-1820) der Kammermusik, gilt als der Erfinder des Streichquintetts mit zwei Celli und war der größte italienische Kammermusikkomponist seiner Generation."
Ergebnis: Boccherini passt!
Sein Cellokonzert D-Dur G 476, Oktett (Notturno) G-Dur G 470, das Flötenquintett Nr.1 F-Dur, die Cellosonate F-Dur G 9 und das Streichquintett F-Dur G 315 eignen sich wunderbar als nicht zu dominante Hintergrundmusik. Der weiche und vielfältige Klang des Violoncello oder der warme Ton der Flöte in den auf der CD enthaltenen Werken stören an keiner Stelle den Lesefluss.
Ich habe meinen Spontankauf nicht bereut, obwohl ich mir auch die Kammermusik noch endgültig erschließen muss. So ganz haben mich der volltönende Beethoven und der schwere Wagner immer noch nicht losgelassen. Vielleicht empfiehlt man mir noch weitere harmonische Buchmusik, vielleicht sogar zum Bücherrezensieren ;-)
Fazit:
Auch wenn "Barock zum Bücherlesen", "Larghetto zum Lesen" oder eben "Boccherini zum Bücherlesen" sicher nur clevere Verkaufsideen sind, eignet sich diese CD als harmonische Hintergrundmusik beim Lesen.
Und vielleicht gibt es dergleichen auch bald von einem meiner Lieblingskomponisten: zum Beispiel "Beethoven zum Bücherentstauben" ;-)