Die Tracks sind durchweg stressfrei, schön flächig, meistens angenehm relaxed und, wenn man sie nicht zuhause bei einer selbstgedrehten Zigarette geniesst, auch eher für Bars und Cafés als für Clubs geeignet (kleine Ausnahmen gibts, die passen dann auch in ein Club-Set). Aber im Ganzen doch eher Musik zum hinhören, und, ganz wichtig: zum einhören. Wer noch nie mit "echten" Houseproduktionen konfrontiert wurde und diese liebt und schätzt, wird wohl zuerst nicht viel mit der Platte anfangen können. Und damit meine ich nicht die Radio Edits von Phatts & Small oder Tracks wie "Lady", sondern Sound mit Ecken und Kanten, der nicht vor der 500.000er-Pressung industriell glattgeschliffen wurde. Überhaupt spürt man, daß Lars B. nicht als Produzent eingestiegen ist, sondern der Platte eine längere DJ-Karriere vorausging - selbst die Reihenfolge der Tracks bildet eine angenehme Spannungskurve, die bei verspielten, melodischen Tracks anfängt, verschiedene Deephouse-Interpretationen durchspielt, und über Beats, die von Aphex Twin kommen könnten, schliesslich bei Hip Hop landet. Deepem Hip Hop allerdings - der Rapper "S-Mode" bringt als Schlusslicht des 15-Track Albums in unglaublicher Qualität bizarre Reime zum besten, die, zusammen mit dem sphärischen aber harten Sound von L.B. in meinem Kopf die skurrilsten, abgedrehtesten und intensivsten Bilder erzeugt haben. Jede Silbe ein Stich ins Herz. Der Track heisst übrigens "Iokaste", eine Figur aus der griechischen Mythologie... und die Beziehungskiste, die im Text mit strassentauglichem Vokabular geschildert wird, scheint nicht von ungefähr zu kommen!