Es geht zu allererst nicht um Bobos oder Boboville, sondern um Dusl selbst. Und genau da beginnt das Problem. Dusl ist 47 also 11 Jahre älter als ich und damit betreffen mich ihre Kindheitserinnerungen - darum geht's zu einem guten Teil im Buch - kaum. Bonbongeschäfte, Klavierunterricht, Nougatleberknödel, rohrstaberlschwingende Klosterschwestern etc. das alles kenne ich nicht. Das wäre noch nicht so schlimm, wenn es denn interessant geschrieben wäre.Ich kenne ja schließlich auch die Welt Thomas Bernhards kaum und trotzdem finde ich seine Literatur fesselnd. Apropos Thomas Bernhard, Dusl selbst beschreibt ihren Stil als eine Mischung zwischen Thomas Bernhard und Pippi Langstrumpf, ich konnte dabei sehr viel von Pippi und wenig von Thomas finden. Durchs ganze Buch zieht sich kindlicher Kurzsatzstil - wobei Dusl ein besonders großer Fan des Partizip Präsens sein dürfte - mit durchaus phantasievollen Wortschöfpungen wie Masupilamischwanz, Zitronengrasschmalz oder Schlechtehaartagfrisur, der aber letztlich genau einen Absatz lang nicht nervt. Im Buch kommt natürlich die ganze Bobo-Prominenz vor: Kehlmann, Glavinitsch, Supermutti Knecht und die ganze Falter-Redaktion, Phreak2.0, Platzgummer und was weiß ich noch wer. Es bleibt aber beim intensiven, öden Namedropping.
Ich hab mich trotzdem durchgebissen in der Hoffnung ein paar Schmankerl zu ergattern und die gibt es auch zum Beispiel wenn Dusl über SMS und das reaktionäre Element im T9-System schreibt oder die Problematik mit dem Gutmenschensein messerscharf analysiert. Letztlich gehen diese aber nie über kolumnenlänge hinaus und werden nahtlos in Langeweile übergeführt. Ich hatte die ganze Zeit den Eindruck, das Buch wäre noch nicht fertig, es erscheint zu überhudelt, zu kindlich, zu platt.