Während zur Zeit eine Menge Promis glauben Bücher schreiben zu müssen, spricht in diesem Buch ein Mann, der wirklich etwas zu sagen hat.
Gerd Brederlow erzählt die Geschichte seines Bruders und gleichzeitig auch seine eigene mit. Rolf Brederlow, den alle nach seinem ersten Fernsehengagement nur Bobby nennen, kam mit Trisomie 21 auf die Welt. Diese Behinderung wird nach ihrem Entdecker auch Down-Syndrom genannt, früher sprach man von Mongolismus.
Nach dem Tode der Eltern kam Bobby zuerst zu Gerds Bruder, der ihn aber in ein Heim abschieben wollte. Gerd und sein Lebensgefährte Uwe verhinderten dies und nahmen Bobby bei sich auf. Dies erreichten sie in einem Rechtsstreit, der im Buch aber bis auf wenige Informationen ausgespart bleibt.
Vielmehr erzählt Gerd episodenhaft Anekdoten aus dem Leben seines Bruders, die mal lustig, mal traurig sind, aber einen immer zu Herzen rühren.
Die Geschichten über Bobby eröffnen einem einen Zugang zu Menschen mit Trisomie 21. Da viele von uns niemanden mit dieser Behinderung kennen, kommt es häufig zu einem Fehlverhalten gesunder Menschen gegenüber Behinderten. Bobby ist zwar anders aber nicht unintelligent. Er kennt zum Beispiel das Fernsehprogramm einer ganzen Woche auswendig. Allerdings hat er Probleme, Realitiät und Fiktion zu unterscheiden und muss immer alles pedantisch ordentlich halten.
Gerd versuchte immer seinen Bruder zu fördern. Bobby malt, lernt Englisch und schauspielert. Neben dem Bambi bekam er für diese Leidenschaft auch eine goldene Kamera. Er filmte unter anderem mit Senta Berger, Friedrich von Thun und Markus Knüfken.
Gerd Brederlow zeigt in seinem Buch aber auch, dass eine schwule Beziehung minestens genauso viel Liebe spenden kann wie eine Hetero-Verbindung.
"Bobby, Herr Bredi und Mister Herr Bendel" ist ein Buch, das für Toleranz wirbt und einem das Leben behinderter Menschen näher bringt. Ich habe die 210 Seiten an einem Tag regelrecht verschlungen.