Nur wenige Nebenfiguren in einem Film haben jemals einen solchen Hype ausgelöst wie BOBA FETT: Obwohl er in den ersten drei Star Wars-Filmen kaum ein Wort sagt und meist nur in stiller Bedrohlichkeit in einer Ecke steht, während sein angeblicher Tod in "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" zudem noch recht unspektakulär präsentiert wurde, erfreut sich der mysteriöse Kopfgeldjäger mit der mandalorianischen Rüstung doch einer gewaltigen Fan-Gemeinde - so gewaltig, dass Boba Fetts Tod im Erweiterten Star Wars Universum schließlich revidiert wurde, um weitere Geschichten um ihn erzählen zu können. Ein reges Wachstum an Geschichten über Mandalorianer sowie George Lucas (in vielen Augen recht fragwürdige) Entscheidung, einen jungen Boba Fett in "Angriff der Klonkrieger" auftreten zu lassen, sind ebenso Folgen dieser großen Beliebtheit. Und wen verwundert es da noch, dass Boba Fett in einer gewaltigen Anzahl Romane, Computerspielen und eben Comics zu finden ist.
Eine Sammlung all jener Comics, die Boba Fett als Hauptfigur haben, liegt in diesem Omnibus-Band vor, sowohl die komplette Boba Fett-Reihe als auch einzelne Ausgaben der Empire-Reihe. Aufgrund meiner eigenen Begeisterung für den Kopfgeldjäger und seine Abenteuer ist dies auch der erste Omnibus-Band, den ich mir gekauft habe. Die Geschichten sind chronologisch angeordnet und umfassen einen Zeitraum von drei Jahren vor der Schlacht um Yavin IV aus "Eine neue Hoffnung" und zehn Jahre nach diesem Ereignis, also sieben Jahre nach "Die Rückkehr der Jedi-Ritter". Da die Comics von ganz unterschiedlichen Autoren und Zeichnern angefertigt wurden, schwankt die Qualität - oder besser gesagt: der Zeichen-Stil - der Comics ziemlich stark, sodass es sicherlich einige gibt, die dem einzelnen mehr und andere, die weniger gefallen. Die Geschichten an sich sind allerdings jedes Mal absolut spannend und actionreich und zudem auf dem deutschen Markt seit Jahren vergriffen. Eine deutsche Version der Omnibus-Bände ist allerdings nicht geplant... die Geschichten sind jedoch auch auf Englisch sehr verständlich.
Gleichzeitig schafft dieser Omnibus-Band einen Spagat: Die Figur Boba Fett wird zwar näher beleuchtet, jedoch keineswegs entmystifiziert. Niemals nimmt der Kopfgeldjäger seinen Helm ab, nie sieht man sein Gesicht, nie wird man einer ernsthaften Gefühlsregung Gewahr. Boba Fett ist, was er sein soll: Kalt, herzlos, tödlich und absolut effektiv. Einer der bösen Jungs eben. Doch trotz seiner überlegenen Bewaffnung und Fertigkeiten werfen die Autoren und Zeichner ihn doch immer in Situation, in denen Fett stark gefordert und mit harten Gegnern konfrontiert wird, sodass Fett nicht stets als unbesiegbare Kampfmaschine durch Gegnerhorden stiefelt (obwohl auch das vorkommt), sondern eben auch mal in ernsthafte Gefahr gerät.
Im folgenden sei noch einmal etwas zu den 9 Einzelgeschichten, die nicht zusammenhängen und in jeder beliebigen Reihenfolge gelesen werden können. Wer sich die Überraschung bewahren will, kann hier aufhören zu lesen.
1. Boba Fett - Enemy of the Empire: Eines der populärsten Comics der Boba Fett-Reihe lässt Boba Fett einen Auftrag des Dunklen Lords, Darth Vader, annehmen. Ein Offizier namens Abal Karda hat nach der Übernahme des Planeten Vestar mit einem Objekt die Flucht ergriffen und sich seitdem allen Verfolgern entzogen. Nun ist es an Fett, das Artefakt zurückzubringen, da dieses für Vader von höchster Bedeutung ist. Allerdings traut Vader Fett nicht mehr, als dieser ihm und setzt Killer auf den Kopfgeldjäger an, die ihn töten sollen, sobald Fett das Artefakt in Händen hält. Als die Attentäter sich als chancenlos gegen Fett erweisen, greift Vader selbst ein...
Die Zeichnungen sind sehr bunt und grell gehalten und viele Zeichnungen und Figuren wirken sehr kindlich, doch haben die Zeichner vor allem Boba Fett sehr gut getroffen und die Zeichnungen sind allgemein eigentlich recht gut. Auch Darth Vader ist - bis auf ein paar etwas verunglückte Bilder - sehr gut dargestellt. Was mir an diesem Werk besonders gefallen hat, ist, dass hier die wohl gefährlichsten Figuren aus den alten Star Wars-Filmen aufeinanderprallen und sich in einem actiongeladenen Duell bekämpfen. Mandalorianische Rüstung und jahrelange Kampferfahrung gegen ein Lichtschwert und die Macht der Dunklen Seite - wer mag dieses Duell für sich gewinnen? Des Weiteren gewährt Autor John Wagner starken Einblick in Fett ebenso wie in Vader, dessen Streben nach der Stürzung des Imperators bereits hier, 3 Jahre vor "Eine Neue Hoffnung" deutlich wird. Eine sehr gute Geschichte, die ich mit 5 von 5 Pessimisten bewerte.
2. Underworld - The Yavin Vassilika: Die Geschichte spielt unmittelbar vor "Eine Neue Hoffnung" und knüpft an die Geschehnisse der "Han Solo-Trilogie" von Ann C. Crispin an. Jabba der Hutte schließt eine Wette mit zwei anderen Hutts, um zu zeigen, wessen Art, seine Untergebenen zu motivieren, die bessere ist. Ein Artefakt soll gefunden werden: Die legendäre Yavin Vassilika, die erst kürzlich gesichtet worden sein soll. Jeder der Hutts darf drei Untergebene mit der Suche betrauen, Sieger ist, wessen Team die Vassilika zurückbringt. Eine wilde Schatzjagd entbrennt, in der die besten und berühmtesten Kopfgeldjäger und Glücksritter gegeneinander antreten, darunter auch viele alte Bekannte: Dengar, Zuckuss, 4-LOM, IG88, Greedo, Bossk, Han Solo, Chewbacca, Lando Calrissian... und auch Boba Fett mischt kräftig mit. Die Jagd beginnt...
Die Zeichnungen hier sind... gewönungsbedürftig, Charaktere sind fast in einer Parodie-Form dargestellt, markante Merkmale übermäßig stark betont. Dazu kommen noch sehr grelle, bunte Farben. Mit der Zeit gewöhnt man sich allerdings an den eigenartigen Stil und lernt ihn zu schätzen - zumal sich die Geschichte selbst auch nicht sonderlich ernst nimmt und durch ihren Witz und das Hin und Her der wilden Schatzjagd beeindruckt. Schatzsuchergruppen treffen aufeinander, legen sich Steine in den Weg und gehen wieder eigene Werke, Allianzen werden geschmiedet und wieder gebrochen, dazu eine Vielzahl an unterschiedlichen Figuren wie der rachsüchtige Dengar, der vertrottelte Greedo usw. - All das macht dieses Comic sehr lesenswert, auch wenn man die Verwendung in einem Sammelband um Boba Fett anzweifeln könnte, da dieser eher eine Nebenrolle spielt. Stattdessen stehen Han Solo, Lando und die anderen Kopfgeldjäger im Mittelpunkt. Allerdings sollte man - um das Gerede über Ylesia, Bria Tharen und die Besadii zu verstehen, auf dem die ganze Geschichte fußt, zu verstehen, dringend die Han Solo-Trilogie von Ann Crispin gelesen haben. Fans der Schmuggler und Kopfgeldjäger sei dieses Werk jedoch sehr ans Herz gelegt. 5 von 5 großen Blumen.
3. Empire 7 - Sacrifice: Kurz nach der Zerstörung des Todessterns wird Boba Fett von einem unbedeutenden imperialen Gouverneur auf einen unbedeutenden Planeten gerufen, damit dieser den lokalen Rebellenführer Yolan Bren, der zudem der Bruder des Gouverneurs ist, dingfest macht. Dieser ist eine Ikone für die Rebellen und sein Tod könnte das Ende des lokalen Widerstands bedeuten...
Es gibt wenig zu sagen zu diesem kurzen Comic der Empire-Reihe, das ebenfalls von John Wagner geschrieben und von dem Zeichner der Dark Empire-Reihe Cam Kennedy gezeichnet wurde, jedoch eine deutlich bessere Farbgebung aufweist. Neben der Darstellungen eines Routine-Jagd-Auftrags für Boba Fett, der im gesamten Werk nicht ein Wort spricht, überzeugt die Geschichte mit der Darstellung, wie lokal - jenseits von den großen Schlachten - mit Rebellenwiderstand umgegangen wird. Und es zeigt deutlich, dass man Boba Fett am besten nicht hereinzulegen versucht, wenn einem sein Leben lieb ist. 4 von 5 wertvollen Halsketten
4. Empire 28 - Wreckage: Ungefähr ein halbes Jahr nach der Zerstörung des Todessterns muss Boba Fett in einen gestrandeten und verlassenen Sternenzerstörer ein Artefakt bergen und zu seinem Besitzer zurückbringen - und das innerhalb von 30 Minuten, bevor der Sternenzerstörer von einem anderen vernichtet wird.
Ein weiteres Werk der Empire-Reihe (diesmal aus der Feder von Ron Marz), das man bequem in 5 bis 10 Minuten beendet kann, da dieses Comic nur am Anfang und am Ende über Text verfügt und der komplette Mittelteil nur aus (sehr gut gezeichneten) Bildern besteht, in denen Boba Fett sich durch den Zerstörer bewegt. Das Ende ist allerdings wirklich sehr gut und ergreifend wie kein anderes Comic in diesem Sammelband. Dafür und für die überragende Zeichung gibt es 5 von 5 Mynocks.
5. Boba Fett - Overkill: Auf dem unbedeutenden Planet Troska, fern ab von den Augen des Imperators, beutet eine kleine imperiale Garnison die lokale Bevölkerung und Oberschicht aus. Dabei stoßen die Imperialen auf den Widerstand der Königsfamilie des Planeten. Ein ambitionierter imperialer Offizier möchte die Zustände auf dem Planeten zu seinen Gunsten ändern - er heuert Boba Fett an, um den Streit mit der Königsfamilie beizulegen. Doch dann droht die Situation zu eskalieren.
Sehr hell kolorierte, dafür aber genaue und detailreiche Zeichnungen präsentieren diese Geschichte von Thomas Andrews, die neun Monate nach "Eine neue Hoffnung" spielt und zeigen und diesen einmal mehr als harten Hund charakterisieren, des Weiteren jedoch auch Verwaltungsstrukturen und Vorgehensweisen des Imperiums auf abseits gelegenen Planeten darlegt.
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