Wie füllt man 130 Seiten, wenn die Aufgabe darin besteht, Leben und Werk von Bob Dylan zu vermitteln? Und das noch vor einem Publikum, das heterogener nicht sein könnte. Denn geschrieben hat Tino Markworth dieses Buch für die monographie-Reihe des Rowohlt Verlags. Und diese meist schmalen Büchlein gehören eben auch zur wichtigsten Informationsquelle von jungen Menschen, wenn sie einen Vortrag über eine berühmte Person halten müssen. Aber auch bei erwachsenen Lesern sind diese Monographien äußerst beliebt. Es geht also darum, einen Mittelweg zwischen dem Allgemeinen und Besonderen zu finden, Und genau das ist dem Autor so gut gelungen, dass ich sein Werk gerne weiterempfehle.
'Und die Presse? Ich war zu dem Schluss gekommen, dass man ihr am besten nur Lügenmärchen auftischt.' Was Bob Dylan in seiner Autobiographie 'Chronicles' über sein Verhältnis zu den Medien schreibt, macht es auch jedem schwer, der sich auf die Suche nach den Lebensspuren einer Persönlichkeit macht, deren Songs und Texte unzählige Musiker beeinflusste und mehr als eine Generation bewegte. Im Vergleich zu Bob Dylan ist Max Frisch geradezu glasklar, wenn es um Erfindungen von Identitäten geht.
Über die psychologischen Hintergründe von Dylans Identitäts-Achterbahn erfährt man in diesem Buch ziemlich wenig. Aber was einige Leser bedauern mögen, betrachte ich als eine der Qualitäten dieser Annäherung an ein Phänomen. Tino Markworth ist angenehm zurückhaltend, wenn sich biografischen Lücken nur spekulativ füllen lassen. Und es gibt ja kaum ein Weltstar dieses Formats, über den man so wenig aus seinem Privatleben weiss, wie dies bei Bob Dylan der Fall ist. Wer etwas über sein Liebesleben, seine Ängste, Sehnsüchte und Verletzungen erfahren will, kommt nicht darum herum, Dylans Songtexten zu folgen. Und selbst die können ihn mit Leichtigkeit in die Irre führen.
Tino Markworth stellt die interessante These auf, dass sich Dylan letztlich treuer blieb, als dies die meisten seiner Interpreten und Biografen sehen wollen. Die Geringschätzung der zeitgenössischen Musikszene zieht sich wie ein roter Faden durch Dylans Leben. Und mit bewussten Anlehnungen an traditionelle musikalische Überlieferungen wehrte sich Dylan auch künstlerisch gegen die Vereinnahmung durch Ideologen, egal welcher Art.
Beim Bildmaterial zapfte Tino Markworth verschiedenste Quellen an. Und obwohl es sich nicht vermeiden ließ, oft gesehene Aufnahmen ins Buch aufzunehmen, werden dem Leser auch selten veröffentlichte Fotografien gezeigt. Im Anhang finden sich Erklärungen zu den 287 Anmerkungen, eine Zeittafel, Aussagen von Prominenten wie Brice Springsteen, Paul McCarthney oder Joni Mitchell, ein ausführliches Werkverzeichnis, die in sinnvolle Kategorien geordnete Bibliographie und ein Namensregister.
Mein Fazit: Es ist gut, dass diese Originalausgabe in der Reihe von Rowohlts Monografien erschienen ist. Denn Tino Markworth hat Dylans Leben und Werk in einer Weise auf 130 Seiten zusammengefasst, wie es ein gemischtes Publikum erwartet. Und dass der Autor zum Thema etwas zu sagen hat, beweist schon, dass er 1998 die erste internationale Konferenz über Bob Dylan in den USA organisierte.