Dieses Buch war eines der ersten, welches ich mir zulegte, als ich mit der Haltung von Riesenschlangen begann. Es enthält Ausführungen über grundlegende Anforderungen der Haltung und Zucht von Riesenschlangen, schilderte mögliche Probleme und Krankheiten und enthält einen umfangreichen Artenteil mit überwiegend guten und aussagekräftigen Fotos. Heute blicke auch ich auf mehrjährige Erfahrung in der Haltung unterschiedlicher Arten von Riesenschlangen zurück und kann dieses Buch aus meiner Sicht auch dem Anfänger nicht empfehlen.
Bereits am Beginn des Buches werden umfunktionierte Aquarien als geeignete Unterbringung für viele Arten empfohlen. Diese sind wegen nicht realisierbarer Luftzirkulation für eigentlich alle Arten ungeeignet. Eine Abbildung zeigt ein Plastikterrarium mit einem Tigerpython, welcher mindesten 3 mal so lang ist wie der Behälter, kommentiert mit "moderner Behälter, heute von vielen Züchtern verwendet". Ein so untergebrachter Tigerpython müßte in Deutschland vom Amtstierarzt beschlagnahmt werden. Zum Töten von Futternagern erklären die Autoren, dass sie die Methode des lebendigen Einfrierens praktizieren,- eine unsagbare Tierquälerei und zudem Verstoß gegen geltendes Tierschutzgesetz. Bei Heizmatten und Heizkabel hätte ich gerne etwas über die Verbrennungsgefahr für die Tiere (nicht nur Jungschlangen!) und die allg. Schwelbrandgefahr gelesen, die diese darstellen. Der Teil "Gesundheitsprobleme" scheint eher dazu aufzufordern, sich als Hobbyveterinär zu probieren, als bei schwereren Problemen den Gang zum Tierarzt zu empfehlen.
Der Artenteil geht wenig auf individuelle Anforderungen der beschriebenen Spezies ein, auch nicht auf wirkliche wichtige wie die Neigung zu Kannibalismus oder zu (im Terrarium) gefährlichen Rivalenkämpfen unter Männchen bei den betreffenden Arten. Quellenangaben (außer bei Fotos) fehlen, dafür ist die Begriffserklärung fast etwas übertrieben,- da sie mir u.a. erklärt, was Glühbirnen, Leuchtstoffröhren u.ä. sind.
Matthias Kuhn