Mark Billingham hat mit seinem Protagonisten Tom Thorne einen sehr ambivalenten Charakter geschaffen. Einerseits sympathisch und integer, anderseits aufbrausend und zur Selbstüberschätzung neigend.
In "Blutzeichen" glaubt Thorne selbst ein Spieler zu sein, der die Regeln kennt und das Spiel bestimmen kann. Doch zu spät erkennt er, daß auch er nur eine Figur ist und ein doppeltes Spiel mit ihm getrieben wird.
„Blutzeichen" besitzt einen komplexen Plot, ist ohne Zweifel sorgfältig konstruiert, mit vielen falschen Fährten, die den Leser in die Irre führen, und vielen losen Enden, die am Ende logisch verknüpft werden. Jedoch gelingt es Billingham nicht, eine durchgängige unterschwellige, vibrierende Spannung zu erzeugen.
Doch die letzen fünfzig Seiten entschädigen für den Durchhänger. Thorne, in seiner blinden Wut die Hintermänner zu entlarven, greift zum Mittel der Folter und provoziert zwei weitere Morde. Damit hat er seine Unschuld verloren und eine Grenze überschritten, hinter die es kein Zurück mehr gibt. Und Thorne zahlt einen hohen Preis für diese Grenzüberschreitung.