Ich muss vorausschicken, dass "Bluttrinker" mein erstes Buch von Stephan R. Bellem war, ich seine anderen Werke also nicht kenne und daher auch keine Bezüge herstellen konnte. Gekauft habe ich das Buch aufgrund des Titels und der sehr spannend klingenden Inhaltsbeschreibung, und die ersten Seiten waren auch durchaus ok. Aber am Ende war ich doch etwas enttäuscht, phasenweise auch sehr genervt. Woran lag's?
Nun, zum einen ist der Titel völlig verfehlt - es gibt im Roman genau einen Charakter, auf den die Bezeichnung "Bluttrinker" passt, und dieser Charakter ist zwar wichtig, aber nicht von so immanenter Bedeutung für die Handlung, als dass der Titel gerechtfertigt wäre. Und seien wir mal ehrlich: Bei diesem Titel erwartet man sich zumindest ein paar Vampire oder dergleichen, und nicht eine Story, die in ihrer Quintessenz (Gut gegen Böse) schon zigmal von anderen Autoren erzählt wurde - allerdings besser. Ebenfalls irreführend: die Behauptung auf der Rückseite des Buches, dass die Schicksale von vier Charakteren verfolgt werden und sich menschliche Abgründe auftun. Die waren in Ansätzen zwar vorhanden, aber wirklich ergründet wurden diese Abgründe nicht. Mitunter hatte ich den Eindruck, dass hier sehr schnell und hastig gearbeitet wurde und sich der Autor im Grunde von einer Kampfszene zur nächsten gehangelt hat. Mit etwas mehr Sorgfalt und meinetwegen aufgeteilt auf mehrere Bände hätte das was werden können, aber so...
Bleiben wir gleich bei den Charakteren: Ich fand sie blass, langweilig, schablonenhaft und austauschbar. Der Bösewicht hat diese Bezeichnung nicht einmal annähernd verdient; es gibt keine Tiefe in der Charakterentwicklung, obwohl sich Bellem durchaus bemüht hat, Konflikte einzuarbeiten und aufzuzeigen. Das ist aber nur bedingt gelungen. Wirklich nervig fand ich den "Helden", Throndimar, der mir zu eindimensional geraten war und der mit seinem zwar verständlichen, aber leicht übertriebenen Rachedurst furchtbar mühsam war. Ich wette, dass ich in spätestens einem Monat nicht mehr weiß, wer die übrigen handelnden Personen überhaupt waren und wodurch sie sich voneinander unterschieden haben. Sie haben einfach zu wenig Eindruck hinterlassen.
Hintergründe wurden viel zu wenig aufgeklärt und aufgeschlüsselt; vieles muss man sich selbst zusammenreimen, manches wird nur angedeutet, und immer, wenn ich mir gedacht hab, ha, jetzt wird's aber spannend, kam - nichts. Dabei würde die Story sehr viel hergeben - da ist durchaus Potenzial vorhanden, aber dieses wurde leider nicht völlig ausgeschöpft.
Vieles wirkte extrem konstruiert - dass z.B. einer der Charaktere für einen Vorfall in der ersten Hälfte des Buches verantwortlich war, hat mich überhaupt nicht überzeugt, sondern war für mich lediglich das Bemühen, diesen Charakter endgültig als böse hinzustellen. Ebenso unglaubwürdig fand ich den Endkampf zwischen Gut und Böse; sowas dauert normalerweise ewig, ist spannend, zerrt an den Nerven. Aber hier? Deus ex machina und fertig. Langweilig.
Was mich auch sehr gestört hat: Die Handlung war sehr vorhersehbar. So war klar, dass es für Throndimar eine Motivation geben musste, um überhaupt in den Kampf zu ziehen; wie das gelöst wurde, hat mich nicht sonderlich überrascht und noch weniger berührt. Dass er dann noch binnen kürzester Zeit zum Überkämpfer avanciert, fand ich auch sehr unglaubwürdig.
Alles in allem nett, aber nicht weiter aufregend; vielleicht hätte mir das Buch mit etwas mehr Hintergrundwissen zur Welt und den Charakteren bzw. mit Kenntnis der vorigen Bücher besser gefallen. So reicht es aber grade mal für zwei Sterne.