Nachdem die Beschreibung recht interessant klang, habe ich mich an dieses Buch gewagt und mich anschließend über eine lange, lange Zeit...durchgequält.
Zunächst zu den Figuren:
Für mich allesamt flach gezeichnet. Keiner Person wurde wirklicher Tiefgang vermittelt, so dass man sich beim besten Willen nicht "hineinfühlen" kann. Da wird in ein, zwei Sätzen eine kurze "Vorgeschichte" angedeutet, aber man begleitet die Personen über das gesamte Buch, ohne sie im Entferntesten kennenzulernen. Was wissen wir über Mangold? Getrennt, trinkt abends mal einen über den Durst und äh...das war es dann schon. Kaja Winterstein ist - Mutter. Weitz ist - extrem nervig. Hensen - daraus hätte man doch was machen können. Aber der Typ wirkt recht gut gelaunt angesichts seiner Kriegserfahrungen?
So gesehen ist "begleiten" falsch gewählt, denn bis auf kurze Nachbarin- und Umzugskartonsausflüge erleben wir die Figuren ausschließlich beim im Dunkeln tappen und Ermittlungsfehler machen.
Der Schreibstil:
Auch diesen empfand ich als flach und farblos, vor allem aber oberflächlich und detailarm. Die Dialoge wirken oft hölzern und wenig durchdacht, da kommt schnell Langeweile auf. Und, für mich als Star Trek affinen Menschen wirklich gänzlich unfassbar: "Borg" mit k geschrieben! Wie kann sowas passieren??
Die Story:
Gut gemeint, hätte spannend werden können, wenn es auch nicht wirklich was Neues ist. Geklappt hat es aber leider nicht im Mindesten, für meinen Geschmack.
Die Beschreibung des Autisten wirkt oft lächerlich und schon sehr klischeehaft.
Richtig nervig und ärgerlich sind aber die ganzen Fehler/Versäumnisse (Vorsicht, Spoiler!)
- Da bekommt ein Handlanger eine Überweisung, aber niemand schaut mal so nebenbei, woher und von wem. Klar, der Bösewicht hat sicher nicht von seinem Sparkassenkonto aus überwiesen, aber der Vollständigkeit und Logik halber MUSS sowas erwähnt werden.
- Der Autist bekommt das Handy und kommuniziert in aller Ruhe weiter, dem wird aber nicht mehr nachgegangen.
- Wer wurde im Umfeld des letzten Opfers (A.A.) befragt? Und wieso kommt keiner auf die Idee, dass eine Diplomarbeit irgendwann einmal an einer Universität abgegeben werden musste? Und seit wann werden die Interviewten in solch einer Arbeit namentlich (!) erwähnt, besonders in solch heiklen Fällen?
- Wer der Täter ist, weiß/erahnt man leider schon sehr früh...
- Jan? Wurde der gute nicht als "indisch aussehend" beschrieben?
- Wie sie denn nun letztendlich auf die Lösung kamen, scheint dem Autor evtl. selbst nicht ganz klar zu sein. In meinen Augen wirklich sehr, sehr weit hergeholt! Aber zum Glück betont der Mörder das Wort "Zwilling" im gleichen Atemzug, so dass der Leser auch schön Zustimmen kann.
- Das Ende: plötzlich und überstürzt. Was war denn das bitte? Mitfiebern unerwünscht?
Fazit: 2 Sterne gibt es, weil ich schon wesentlich Schlechteres gelesen habe und hier zumindest nicht der Kommissar am Ende das Mädchen bekommt.