Pressestimmen
Nach dem Anschlag auf einen israelischen Busbahnhof kann eine Leiche nicht identifiziert werden. Das Mädchen Numi fürchtet, dass der Tote ihr Freund Gabriel sein könnte, Gabriels Sohn, Taxifahrer Kobi, hat sich vor Jahren mit seinem Vater überworfen. Gemeinsam recherchieren Numi und Kobi die Identität des Toten und kommen sich dabei näher. Die israelische Comiczeichnerin Rutu Modan entwirft in "Blutspuren" einen konventionellen Krimiplot, den sie auf der formalen Ebene mit detailgenauen Ligne-Claire-Zeichnungen illustriert. In Wahrheit aber ist die vordergründige Handlung gar kein Thema für Modan, es geht ihr um die Entfremdung ihrer Protagonisten: Numi ist nicht zu Hause in ihrer großbürgerlichen Familie, Kobi zeigt sich extrem gleichgültig gegenüber seiner Umgebung, nicht zuletzt der Staat Israel ist bei Modan ein ungemütlicher Nicht-Ort, bestehend aus verregneten Autobahnen, grauen Küsten und gesichtslosen Vorstädten. So wie Familie oder Staat diesen Figuren keinen Halt geben, so sind auch Politik und Geschichte nur unsichere Strukturen: Zwar ist ein Anschlag Auslöser der Handlung, alle Hintergründe aber bleiben abstrakt, Nahostkonflikt oder Palästinenser werden nicht einmal erwähnt. Dass die Krimihandlung am Ende aufgelöst wird, hinterlässt ein leicht unbefriedigtes Gefühl: Eigentlich interessierte sie längst nicht mehr, angesichts der himmelschreienden Einsamkeit der Figuren. (fis) --
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Über den Autor
Rutu Modan, geboren 1966 in Tel Aviv, wo sie lebt und arbeitet. Sie ist Mitbegründerin von Actus Tragicus, einer israelischen Künstlergruppe, die mit ihren englischen Anthologien einen ausgezeichneten Ruf erworben hat.