"Blutspur" von Kim Harrison hat mich in eien Lese-Rage versetzt, aus der ich erst mehrere Tage später nach dem genuss der bisher nur auf Englisch erhältlichen Folgebände wieder aufgetaucht bin.
In Kim Harrisons Universum hat ein Virus, das ausgerechnet einer genmanipulierten Tomate entstammt, einen großen Teil der Menschheit ausgerottet. Seitdem leben die Menschen nicht nur in ständiger Panik vor Gentechnik und Tomatenketchup, sondern müssen ihre Welt auch mit den so genannten "Inderlandern" teilen. Diese Sagengestalten (Hexen, Vampire, Pixies, Werwölfe...) haben, seit ihnen die Menschen nicht mehr zahlenmäßig überlegen sind, ihre Tarnung aufgegeben und man lebt Tür an Tür...mit all den großen und kleinen Problemen, die das Aufeinanderprallen der untrschiedlichsten Bedürfnisse so mit sich bringt.
Diese Welt bietet den idealen Rahmen für eine literarische Tour de force, die ihresgleichen sucht.
Rachel, eine Erdehexe, quittiert frustriert ihren Dienst bei der Inderlander-Polizei- worauf die werten Vorgesetzten sofort ein Kopfgeld auf sie aussetzen.
Damit wäre sie verloren, wären da nicht ihre Kollegen Ivy und Jenks, die mit ihr zusammen aussteigen und der ebesnos schusseligen wie liebenswerten Heldin entschlossen den Rücken freihalten.
Da wäre zum einen Ivy, eine lebende Vampirin, die als Mündel eines vampirischen Unterweltbosses die halbe Stadt beherrschen könnte, würde sie nicht mit ihrem Gewissen und ihrem Blutdurst hadern. Dass sie ziemlich in Rachel verschossen ist, die sich ihrerseits weder ein Blutsband an einen Vampir noch eine Afäre mit einer Frau vorstellen kann, sorgt über die gesamte Romanreihe immer wieder für Verwicklungen.
Zum anderen ist da der Pixie Jenks, der nicht nur ein anstrengendes, stolzes Plappermaul, sondern auch ein mehrdutzendfacher Familienvater und der perfekte Freund ist.
Dieses Trio, das man anch den ersten Seiten unweigerlich ins Herz geschlossen hat, zieht in eine verlassene Kirche und eröffnet eine Detektei.
Fortan haben sie mit Menschen, Dämonen, Werwölfen und Ex-Affären zu tun, die Romanfiguren wie Leser in Atem halten.
Vor allem Fans von Laurell K. Hamiltons erotischen Mystery-Serien um Anita Blake oder Merry Gentry sollten den Griff ins Bücherregal wagen.
Mit Rachel Morgan betritt eine unglaublich charmante neue Heldin die Bühne.
Im Gegensatz zu Romanfiguren wie einer Anita Blake, die unter ständig neuen Superkräften geradezu verschüttet werden, ist Rachel immer wieder auf die Hilfe ihrer Freunde angewiesen, um aus dem einen Schlamassel herauszukommen, ehe sie unweigerlich in den nächsten hineinstolpert.
Ähnlich wie Laurell K. Hamilton bringt auch Kim Harrison männliche Helden und Schurken ins Spiel, die (nicht nur für Vampire) einfach zum Anbeißen sind.
Zwar knistert jede Seite vor Erotik, im Gegensatz zu Hamiltons Anita Blake- oder Merry Gentry-Serie verkommt die Handlung aber nie zum Softporno. Auch die leckeren Jungs sind eigenständige, starke Charaktere statt gefährlicher Spielzeuge, und der eigentliche Plot der Geschichte steht im Vordergrund.
Wer also weniger Sex und mehr Crime auf dem Nachttisch wünscht- undbedingt zugreifen!