Zur Story: "'Der wohl beste operative Fallanalytiker Deutschlands, wird zu einem vermeintlichen Serienmord von Stuttgart nach Köln beordert. Der sonst grundsätzlich allein arbeitende Kommissar Martin Abel, bekommt in diesem Fall aber einen weiblichen "Fallanalytiker-Lehrling" an den Zipfel gehängt, was dem sturen und muckeligen Kotzbrocken ganz prima gefällt, Ironie lässt grüßen. Nebenbei ist sie nicht nur eine prima ausgebildete Polizistin, sondern auch verdammt hübsch, gepaart mit einer Kodderklappe, die selbst den alt eingesessenen Kommissar aus der Bahn bringt. Zusammen machen sie sich auf die Jagd nach dem *Metzger*, der alle seine Opfer aufs Verschiedenste schändet, von Ausweiden bis zum Abtrennen einiger Körperteile ist alles vertreten. Innerhalb des letzten halben Jahres hat er nun das fünfte Mal zugeschlagen und langsam sitzen der Polizei die Stadt und die Bevölkerung im Nacken. Es dauert nicht lange, bis die beiden Ermittler selbst auf dem Radar des Täters auftauchen, denn das Profil des Mörders, dass sie erstellen, ist äusserst präzise..."
Nach "Schnitt" von Marc Raabe, habe ich nun mit "Blutsommer" von Rainer Löffler das zweite gelungene Debüt innerhalb kürzester Zeit gelesen. Zwei Autoren, die sich - wenn sie ihrem Stil und ihrer Art zu Schreiben treu bleiben - an die Fersen unserer 3 ganz großen Schriftsteller in Deutschland heften werden.
Blutsommer ist ein Thriller, in dem die operative Fallanalyse eine ganz entscheidende Rolle spielt, und dem Leser die Arbeit dieser Ermittler ein Stück weit näher gebracht wird. Wer jetzt aber denkt, gähn - langweilige Polizeiarbeit, einen Stein hier umdrehen, dutzende von Zeugen dort befragen, usw usw, der liegt vollends falsch. Auch ich hatte vorher meine Bedenken, wurde aber eines Besseren belehrt, denn die Ausführung ist zwar detailliert, aber keineswegs überzogen oder langatmig. Er versteht es das Lesepublikum in die Arbeit von Martin und Hannah mit einzubeziehen, ihn dazu zu bringen, sich seine eigenen Gedanken über die Taten zu machen und eigene Lösungen zur Aufklärung zu finden. Ein fast 500 Seiten langes Mitfiebern, Nägel kauen und Schmunzeln über diese begnadeten Dialoge, begleiten den Leser.
Die zwischenzeitlichen Rückblenden, angefangen in den frühesten Kindertagen des brutalen und abartigen Mörders, lassen den Leser schwer schlucken, denn derart Erniedrigungen und Folter, die der Junge ertragen musste, gehen an niemanden spurlos vorbei, und wenn es unentdeckt bleibt, sieht man ja was daraus werden kann. Dieser Versuch, ihm den Mörder in seinen Beweggründen ein Stück näher zu bringen, ihn vielleicht sogar einen Hauch zu verstehen ' was irgendwie abartig klingt -, war ein prima Schachzug, denn man stellt sich zwangsläufig die Frage, ab welchen Punkt nimmt das Leben solch eine katastrophale Wende, und wie würde man selbst auf solch eine physische- und psychische Belastung reagieren.
*Auch in diesem Roman wird deutlich, dass kein Mensch böse auf die Welt kommt, kein frisch geborenes Baby einen Stempel mit dem Abdruck "'BÖSE"auf der Stirn hat.*
In Blutsommer wird viel Wert auf die Beschreibung der Handlung gelegt, zusätzlich werden aber auch die Figuren und deren Psyche sehr stark betont, und somit ist es schon fast eine Mischung aus Psycho- und 'normalem' Thriller. Martin Abel und Hannah Christ sind Paradebeispiele dafür, wie eine Figur in einem Roman auszusehen hat, damit sie Eindruck hinterlassen, sich ins Gehirn einbrennen und geliebt werden. Sie sind authentisch, haben enorm viel Farbe und bei allem was recht ist, sie sind 'Menschen', mit allen Stärken und Schwächen die es braucht. Auffällig ist es in den Phasen, wo sich die Hauptfigur Martin Abel gegen moralische, seelische und physische Gewalteinwirkung durch seinen Gegenspieler behaupten muss. Da zeigt sich erst wie normal seine Figuren sind.
Natürlich darf aufgrund der von Rainer Löffler gewählten Konstellation, ein sturer und verbohrter Bock von Ermittler, in Zusammenarbeit mit einer jungen hübschen Polizisten, die sich ihm als "Lehrling" aufdrängt, die Liebe nicht fehlen. Der weibliche Charme, gepaart mit ihrer kessen Art lassen jeden alten Knochen weich werden, und die daraus resultierenden Dialoge zwischen den beiden sind göttlich, und ziehen einem die Mundwinkel in Richtung Ohren. Die Figuren in diesem Roman sind genial stark, und verbreiten einen unglaublichen Lesespaß.
Mein Fazit: "Blutsommer ist ein Roman, der vom Anfang bis zum Ende überzeugt, fesselt und den Leser an der Story teilhaben lässt. Starke authentische Figuren, gepaart mit einer guten Geschichte und einem mal etwas anderen Polizeithema, sorgen für eine Spannungskurve, die eigentlich keine ist, denn sie ist durchweg zum Zerreißen straff. Wer mal wieder einen Thriller aus dem deutschen Raum lesen möchte, dem sei gesagt - sofort zugreifen, es lohnt sich."