...zu den alten Werten.
Auch wenn "Blutskönigin" weit weniger brutal ist, als es die ersten drei Bände der "Schwarzen Juwelen" waren, ist es dasjenige der Nachfolgebände, welches der ursprünglichen Trilogie im Unterhaltungswert am nähesten verwandt ist.
(Band 5 kann ich dabei allerdings nicht beurteilen, da nicht gelesen)
Zu Handlung und Aufbau:
der Kriegprinz Theran sucht zwei Jahre nach dem grossen Hexensturm für das fast vernichtete Terreille-Territorium Dena Nehele eine Königin, welche die Alten Traditionen kennt, und bittet dafür Daemon Sadi um Hilfe.
So kommt es, dass die junge, wenig attraktive und nur mit Rose-Juwelen ausgestattete Kaeleer-Königin Cassidy in einem Territorium einen Hof gründen soll, dessen Bewohner keine Ahnung vom Protokoll haben und - schlimmer noch - jahrthundertelang unter schlechten Königinnen gelitten haben und dementsprechend misstrauisch und enttäuscht sind, als sie ihre neue glanzlose Königin zu Gesicht bekommen.
Die Gründung des Hofes und die ersten Schritte auf dem Weg, Dena Nehele wieder aufzubauen, bilden fortan die Handlung des Buches.
Immer wieder wechselt dieser Erzählstrang mit einem zweiten um die alten Bekannten Lucivar, Daemon, Jaenelle und Saetan, die alle mit ihren Vergangenheiten zu kämpfen haben. Dieser zweite Strang verflicht sich an mehreren Stellen mit dem ersten, sowohl durch die Handlung (Lucivar besucht Cassidy, etc.) als auch thematisch.
Was ich davon gehalten habe:
Die Autorin macht in diesem Band nicht mehr den Fehler, den mächtigen Hauptfiguren einen lächerlichen Gegner entgegenzusetzen und ihn mit viel Wortkunst zur Bedrohung aufzuplustern, wie es in den beiden bisherigen Fortsetzungen (eine der Geschichten aus Band 4 sowie Band 6) unglücklicherweise geschehen ist.
Stattdessen gibt es einfach keinen Gegner. Cassidy trifft auf Kontrahenden, denen man als Leser Verständnis, wenn auch nicht unbedingt Sympathie entgegenbringen kann. Abgrundtiefe Bosheit und überheblicher Wahnsinn, bisher stets hervorstechende Merkmale der "Bösewichte" bei Anne Bishop, sucht man vergeblich.
Unter diesem Umstand leidet einerseits manchmal die Spannung, da kaum je wirkliche Bedrohung fühlbar wird.
Andererseits aber habe ich mich während dieser Lektüre sehr gut unterhalten gefühlt, denn im Gegensatz zu früheren Bänden verhalten sich die Protagonisten in "Blutskönigin" realistisch, die neuen Charakteren bringen frischen Wind, und die Beziehungen zwischen den Figuren zu beobachten macht Spass und bietet weitere Einblicke in das Leben der Blutleute.
Besonders gut gezeichnet ist hierbei Theran, der Nachfahre der Grauen Lady, denn im Gegensatz zu anderen Mitgliedern des Hofes dient er der neuen Königin nur aus Verpflichtung, nicht aber mit Hingabe - was zu einigen Konflikten führt.
Auch die Handlung um Daemon und Jaenelle erschien mir diesmal weit gelungener als in "Zwielicht" und "Nacht", denn diesmal wirken die Narben, die jede der Figuren mit sich herumträgt, und die Probleme, die sich daraus ergeben, echter, weniger konstruiert.
Fazit:
Cassidy bringt frischen Wind in die Welt der "Schwarzen Juwelen". Daher kaufenswert (im Gegensatz zum Vorgänger "Nacht"), auch wenn die Intensität der ersten drei Bände bei weitem nicht erreicht wird.
Die Bände 1-4 sollte man vorher gelesen haben, während 5 und 6 nicht relevant sind (obwohl Band 5 eine Art Vorgeschichte beschreibt, ist diese zum Verständnis der Handlung in Band 7 nicht notwendig, evt. mal den Klappentext lesen genügt)