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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Elling-Tetralogie
OT Utsikt til paradiset, Fugledansen, Brødre Blod, Elsk meg i morgen OA 1993, 1995, 1996, 1999DE Ausblick auf das Paradies, 1995; Ententanz, 1996; Blutsbrüder, 1997; Lieb mich morgen, 2000Form Roman-Tetralogie Epoche Moderne
Ingvar Ambjørnsens Figuren sind bevorzugt Randexistenzen, Havarierte in der Glitzerwelt des Konsums oder Verweigerer, die dem Getöse der beschleunigten Gesellschaft zu entkommen versuchen. Die Tetralogie um den Eigenbrötler Elling, der versucht, in einer Welt, die ihm über den Kopf gewachsen ist, nicht unterzugehen, bietet das präzise beobachtete Porträt eines Sonderlings und ist zugleich von tiefer menschlicher Komik.
Inhalt: Elling, 32 Jahre alt und Frührentner, sammelt leidenschaftlich Zeitungsfotos von Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland. Mit seiner Mutter lebt er in einer Wohnblocksied-lung drei Zimmer, Küche, Bad an der Peripherie von Oslo; während sie sich um »das Praktische« kümmert, ist er für die »familiäre Ideologie« zuständig. Als die Mutter zu Beginn des ersten Romans, Ausblick auf das Paradies, stirbt, bricht dieses System zusammen, doch dank der Errungenschaften sozialdemokratischer Stadtplanung aus den 1950er Jahren ist Elling nun keinesfalls allein: Vom Ostzimmer aus hat er den Blick auf acht weitere Blocks und die »Fenster, die zu den Menschen führten«. Elling, dem die Menschen aus sicherer Distanz am liebsten sind, kauft sich ein Fernrohr und dokumentiert in einem Journal seine Einblicke in das Leben seiner Nachbarn, von deren Fernsehgewohnheiten bis zum Zustand ihrer Topfpflanzen.
Da Elling aber angeblich »wie ein Tier« lebt und bald »im ganzen Treppenhaus der Gestank zu riechen« ist, findet er sich im zweiten Roman Ententanz in einer Anstalt auf dem Land wieder. Hier muss er ein Zimmer mit Kjell Bjarne teilen, einem bäuerlichen Hünen mit ausgeprägtem Sexualtrieb, dem es jedoch schwer fällt, Frauen kennen zu lernen.
In Blutsbrüder beziehen die beiden Männer eine betreute Wohnung in Oslo und sollen langsam lernen, wieder »in die Wirklichkeit einzusteigen«. Kjell Bjarne lernt die schwangere Nachbarin Reidun Nordsletten kennen und verliebt sich. Elling freundet sich mit dem alten und längst vergessenen Lyriker Alfons Jørgensen an und beginnt selbst zu schreiben. Den Weg in die stets gemiedene Öffentlichkeit findet er, indem er seine Gedichte im Supermarkt heimlich in Sauerkrautpackungen versteckt als mysteriöser »Sauerkraut-Poet« schafft er es so schließlich sogar in die Zeitung.
Im letzten Band, Lieb mich morgen, verliebt sich Elling. Ambjørnsen vermeidet allerdings ein süßliches Happyend und lässt bei allen Versuchen seines Helden, die Würstchenverkäuferin Lone für sich zu interessieren, immer wieder dessen düstere und beängstigende Züge zu Tage treten.
Wirkung: »Elling« ist in Norwegen inzwischen zum Synonym für »leicht weggetreten« geworden; seinen Autor hat der liebenswert schrullige Antiheld in dessen Heimat »so bekannt wie Henrik Ibsen« (Erik Fosnes Hansen) gemacht. Blutsbrüder wurde 1999 in Oslo mit großem Erfolg als Theaterstück aufgeführt und 2001 von Petter Næss verfilmt: Elling zog in Norwegen 800 000 Besucher in die Kinos, knapp ein Fünftel der Gesamtbevölkerung, und erhielt 2002 eine Oscar-Nominierung in der Kategorie »Bester fremdsprachiger Film«. A. C. K.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Elling, ein liebenswerter Kerl mit einer kleinen, aber wundervollen Macke, zieht mit Kjell Bjarne in eine eigene Dreizimmer-Wohnung. Zaghaft wagen sie die ersten Schritte in die Selbständigkeit, nachdem sie die Psychiatrie verlassen haben. Zu ihrem Leben gehört auch Frank, der zuständige Sozialarbeiter, den Elling nicht ausstehen kann, weil er so ein "Gemeindeschnüffler" ist. Dramatik kommt ins Geschehen, als sie eines Tages auf der Treppe ihres Hauses Reidun Nordsletten kennenlernen, in die sich Kjell auf der Stelle verliebt. Sie werden eine richtige kleine Familie . . .