Wer den im Jahr 2009 erschienenen Krimi "Herzlos" von Franz Zeller gelesen hat, wird sich bestimmt an Franco Moll erinnern, allein erziehender Ermittler bei der Mordkommission in Salzburg mit seinem 8-jährigen Sohn Felix, der mit Notrucksack zum Ticktack-Opa verfrachtet wird, wenn mal wieder ein dringender Fall den Papa bis in die Nacht hinein beansprucht. Auch der etwas beleibtere Kollege Oberhollenzer und die schlagfertige Praktikantin Pelegrini sind wieder mit dabei. Insgesamt eine überaus sympathische kleine Gesellschaft, die man gerne wiedertrifft. Private Verwicklungen sind natürlich inklusive in Form der neuen Nachbarin, die ihren interessanten Kern anscheinend hinter ihren biederen Bankerkostümen vor den Kollegen verborgen hält.
Molls neuester Fall: Die 18-jährige Schülerin Julia Frei und ihr Stiefvater sind seit fünf Tagen spurlos verschwunden. Die Mutter, vielbeschäftigte Assistenz der Geschäftsführung, hat vor fünf Jahren neu geheiratet. Die Tochter habe den neuen Mann an ihrer Seite nie akzeptiert, sie leide sehr unter der Scheidung, erklärt sie. Moll und Oberhollenzer kommt in dieser Familie einiges seltsam vor. In einer Schublade in Julias Zimmer finden die Polizisten zum Beispiel zwei Perrücken. Schließlich taucht noch eine Botschaft an die Mutter auf: Diese werde ihren Mann entweder gar nicht oder nur sehr verändert wieder zu Gesicht bekommen. Der Stiefvater dagegen hat am Tag des Verschwindens 22.000 Euro von seinem Konto abgehoben.
Als schließlich zwei russische Hobbyangler einen abgetrennten Kopf aus dem Leopoldskroner Weiher ziehen, stellt sich natürlich als Erstes die Frage, ob es sich um Julia oder ihren Stiefvater handelt. Die Presse stürzt sich auf den grausigen Fund, der Polizeichef befürchtet eine allgemeine Panik der Anwohner.
Hier erfährt der Leser mal wieder etwas mehr als die Ermittler. In Rückblenden wird erzählt, wie der Kopf in den Weiher kam, zumindest, wer ihn wie abgetrennt und entsorgt hat - leider ist der Kopf dabei ungeplant abhanden gekommen. Weiter wird die Geschichte von zwei moldawischen Schwestern erzählt, die nach Österreich gekommen sind, um hier ein besseres Leben zu beginnen.
Wie hängen die drei Erzählstränge zusammen? Der Leser hat Spaß daran, selbst seine Vermutungen anzustellen, ein Teil des Rätsels ist für ihn dabei schon der Titel: Blutsbande.
Ein interessanter und vielschichtiger Fall, und Franco Moll beobachtet man stets mit Vergnügen bei seinen Ermittlungen - und beim Anbändeln mit der Nachbarin.