Wer diesen Roman im Buchladen zu sehen bekommt, muss rein vom Äußerlichen sowie durch die Kurzbeschreibung zwangsläufig zu der Auffassung gelangen, es würde sich hierbei um eine blutrünstige Rachegeschichte handeln. Und wer mit dieser Erwartung an das Buch herangeht, bei dem ist die Enttäuschung bereits vorprogrammiert.
Wie man den ursprünglichen Titel "Red" (der sich von einem Hundenamen herleitet!) nun zu "Blutrot" verwurschteln kann, bleibt wohl das Geheimnis des Verlages. Genauso wie die Frage, warum eine derartige Geschichte unter dem "Hardcore"-Label erscheint.
Am ehesten könnte man die Geschichte um den bei einem Angelausflug von gelangweilten Jugendlichen mutwillig erschossenen Hund des alten Ladenbesitzers Av Ludlow der Kategorie "Drama" zurechnen. Die darauffolgenden Ereignisse haben absolut nichts mit irgendwelchen Rachegedanken zu tun, sondern bringen dem Leser schlichtweg die Tragik des Verlustes für den alten Mann näher. Schnell wird deutlich, warum ihm die Reue der Täter viel wichtiger ist als jegliche Wiedergutmachung. Man erhält einen Einblick in das Leben eines ruhigen und friedfertigen Mannes, dessen Biographie bereits reich an Schicksalsschlägen war und der dadurch einen Blick für die wirklich bedeutsamen Dinge entwickelt hat.
Wer den Fehler macht, ein ähnlich gelagertes Werk wie die bisherigen auf deutsch erschienenen Bücher des Autors zu erwarten, dürfte diesmal enttäuscht werden. Die Story ist frei von jeglichen Härten und lässt sich keinesfalls in die Psychothriller- oder gar in die Horrorecke einordnen. Wer jedoch bereit ist, von Jack Ketchum zur Abwechslung auch mal etwas Sanfteres, nicht ganz so Pessimistisches zu lesen, der ist mit "Blutrot" vielleicht gar nicht so schlecht bedient.
Die eigentliche Geschichte wäre durchaus 4 Sterne wert, der Betrug am Leser gibt allerdings einen Punkt Abzug.