Max Cabanes hat in diesem Comic ein Romanfragment von Jean-Patrick Manchette adaptiert. Die Handlung setzt 1950 ein, als Alba Black, die siebenjährige Nichte eines Waffenhändlers, von Entführern in ein abgelegenes Haus verbracht wird. Die Entführer werden bereits von anderen Männern erwartet. Nach einem heftigen Kampf überlebt offenbar nur einer der Entführer und das Mädchen. Der Überlebende macht sich mit Alba davon. Sechs Jahre später. Ivory Pearl, weltbekannte Fotojournalistin, nimmt sich eine einjährige Auszeit im kubanischen Hinterland. Eingefädelt von einem sehr guten Freund, ex Offizier des Royal Air Force, wird Sie die zentrale Figur in einem ausgeklügeltem Spiel des französischen und amerikanischen Geheimdienstes. Aber innerhalb des involvierten Waffenschieberrings gibt es ebenfalls unterschiedliche Interessen. Ein mörderische Intrige und Verfolgungsjagd entwickelt sich bis zu einem blutigen Ende.
Innerhalb dieser Hauptgeschichte erfahren wir Hintergründe zu Ivory und ihrer Beziehung zu Robert Messenger, dem RAF Offizier. Angerissen werden auch die Konflikte die sich im kalten Krieg entwickeln. Algerienkonflikt und Aufstand in Ungarn sind hier die Hauptelemente.
Die Handlung ist komplex und konzentriertes Lesen ist erforderlich um die Zusammenhänge zu erfassen. Die Romanvorlage,so das zweiseitige Hintergrundmaterial am Ende des Comics, orientiert sich am Noir Stil Chandlers und Hammets. Demzufolge wird weniger das Innenleben der Figuren beleuchtet, nur die Taten sprechen für sich. Die Darstellung der Gewalt durch die Mächtigen, oder einfach derer die am längeren Hebel sitzen, ist zentrales Element und wird zur Sozialkritik. Diese Sozialkritik und auch die skrupellose Interessenpolitik der Mächte im kalten Krieg transportiert der Comic nur zum Teil. Gerade die Hintergründe zum Algerienkonflikt die hier ein entscheidendes Thema sind, sind schwer aus der Handlung und den wenigen Kommentaren der Figuren zu entnehmen. Sicherlich für französische Leser der Originalversion weniger schwierig, dort dürfte das Thema wesentlich besser bekannt sein als für deutsche Leser. So wirken einige kritische Aspekte bzw. politische Anspielungen ein wenig aufgesetzt und nicht wirklich zwingend für die Handlung. Eher so als ob sie der Geschichte etwas Farbe geben sollen. Chandler und Hammet, dem Realismus verpflichtet, hätten vermutlich mit mehr als nur einer Augenbraue gezuckt, wenn man einige der Abenteuerelemente der Handlung auf Kuba liest. Im Rahmen des Comics funktionieren diese Elemente aber durchaus.
Über jeden Zweifel erhaben ist jedoch die graphische Umsetzung. Cabanes zeichnet mit ungemein sicherem Strich. Die Figurengestaltung, deren Haltung in Ruhe und Bewegung ist faszinierend real, ohne in bloßen Hyperrealismus abzugleiten. Seine Hintergründe sind detailreich ohne überladen zu wirken. Die Farbgebung und Farbverläufe sind großartig. Nie knallig, immer wieder den Licht und Umgebungsverhältnissen angepasst. Die Seitenaufteilung in oft schmale, die ganze Breite einer Seite einnehmende Panels und kleine, Details zeigende Bilder ist Abwechslungsreich und dynamisch. Ganz große franko belgische Schule. Kein Wunder das er damit Preise gewann.
Die Aufmachung des Bandes mit solidem Einband, sehr gutem Papier und Druck ist ohne Fehl und Tadel. Aber bei dieser graphischen Pracht hätte man sich doch das Albenformat gewünscht, indem die Zeichnungen noch besser zur Geltung gekommen wären.
Insgesamt ein überdurchschnittlicher Comic Krimi mit großartiger Gestaltung.