Aus der Amazon.de-Redaktion
Schillernde Hauptfigur ist Ivory Pearl, eine junge Frau, die es vom flüchtenden Waisenkind im Zweiten Weltkrieg zur weltbekannten Fotografin gebracht hat. Diese Karriere hat sie nicht zuletzt ihrem reichen Gönner Samuel Farakhan zu verdanken, den sie pflichtschuldigst jeden ersten Januar in seinem abgelegenen Landhaus besucht. Während eines dieser Besuche gesteht sie ihm, dass sie unbedingt aussteigen will, da sie die Menschen satt hat. Und so zieht sie sich auf Samuels Vorschlag hin einige Zeit später mit einem Zelt und Vorräten in das kubanische Hochland zurück. Als sie dort auf einen in der Wildnis lebenden Mann und ein kleines Mädchen trifft, ahnt sie noch nicht, dass sie in eine Geschichte hineingezogen wird, an der nicht nur ein mächtiger Waffenhändler, sondern auch diverse Geheimdienste interessiert sind.
In den Jahren vor und während seiner Arbeit an dem vorliegenden Roman übersetzte Manchette mehrere Bücher des amerikanischen Thrillerautors Ross Thomas, eine Arbeit, die ihn nachhaltig beeinflusste. Hatte er sich bisher auf Frankreich beschränkt, wurde jetzt die ganze Welt zum Schauplatz seiner Handlung. Die Blutprinzessin zeigt, dass er dieser Herausforderung mehr als gewachsen war. Hätte er die Zeit gehabt, weitere Romane von diesem Kaliber zu schreiben, würden wir Jean-Patrick Manchette heute sicherlich zu den ganz großen Thriller-Autoren zählen. So müssen wir uns mit einem halben Roman zufrieden geben, der von Arbeitsnotizen -- trocken, aber immerhin -- zu Ende erzählt wird.
Manchette-Fans sollten sich dadurch jedoch auf keinen Fall abschrecken lassen. Die Blutprinzessin ist ein Juwel; wie alle seine Romane innerhalb der Série Noire. --Hannes Riffel
Pressestimmen
"Nichts in dieser Geschichte ist, was es zunächst zu sein scheint. Alle Charaktere sind doppelbödig, alle Motivationen nur fadenscheinig, Gründe nur vorgeschoben, Verwicklungen doppelt und dreifach kompliziert. Kurzum: es handelt sich um einen perfekt konstruierten politischen Roman. Nur merkt man das zunächst nicht. Das Buch beginnt wie ein amerikanischer Trashkrimi, wandelt sich in eine Erzählung über moderne Abenteuer und entwickelt sich dann allmählich zu einem großen Roman ... Und das alles im scheinheiligen Gewand eines billigen Actionthrillers. Verblüffend." (taz - die tageszeitung)
"Eng vernetzt wirft der Roman seine Schlingen aus, wechselt in Form harter Schnitte rasant die Erzählebene ... 'Blutprinzessin' markiert einen letzten finsteren Höhepunkt im Werk des Jean-Patrick Manchette - und einen Höhepunkt innerhalb des Noir-Genres überhaupt ... Kurz: Neo-Polar in Reinkultur..." (Die Weltwoche)
"Ach! Schön ist der Tod. Virtuos choreographiert ist die Prosa des französischen Krimiautors Jean-Patrick Manchette. Mit dem Auge einer Hochgeschwindigkeitskamera verfolgt der Leser das Gemetzel oder das Eindringen einer Kugel in einen Menschenkörper ... Aber wenn er den Leser wie einen Kurzsichtigen übertrieben nah an die Details der Gewaltverbrechen heranführt, so erhalten die brutalsten Actionszenen etwas Parodistisches ..." (Die Zeit)
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Auszug aus Blutprinzessin. von Jean-Patrick Manchette. Copyright © 2001. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Im Krieg gibt es Leichen, und sie hat sie immer gern fotografiert. «Der Vampir wird sich noch bis zum Jahresende ausruhen», verkündete sie, als sie ihre Zigarette zu Ende geaucht hatte und, keinesfalls betrunken, sondern nur etwas verrückt, sich wieder schlafen legte. Am Hang des Turquino hatte jemand aus einem Kilometer Entfernung mit einem leistungsstarken Infrarot-Nachtsichtgerät das nackte Mädchen beobachtet.