Die Alex-Delaware-Romane sind für mich eine Garantie für ein gutes Buch. Sie sind intellligent aufgebaut, gut geschrieben und kommen ohne hektische Actionszenen am Ende aus. Alex Delaware ist ein Charakter, der mir gefällt, der glaubwürdig und sympathisch ist. Insofern habe ich auch Blutnacht ohne große Vorüberlegungen gekauft, wird doch auf dem Titel schon angekündigt "Ein Alex-Delaware-Roman". Leider aber ist es eigentlich kein richtiger Alex-Delaware-Roman. Bisher waren die Bücher stets aus der Sicht von Delaware und beschränkten sich idR auf das Gespann Delaware-Sturgis. In "Blutnacht" allerdings kommen nun zahlreiche zusätzliche Ermittler zum Zuge und die Erzählperspektive wechselt ständig. Dies ist ein wenig irritierend und trübt das Lesevergnügen. Da die neuen Ermittler auch noch ihre persönliche Vorgeschichte mit einbringen, bleibt die Geschichte zu oft an ihnen hängen und trübt dadurch den Ablauf des Geschehens. So interessant die neuen Ermittler Petra und Eric sein mögen, sie überfrachten die Geschichte und wären vielleicht mit einer eigenen Reihe besser bedient. In den Alex-Delaware-Romanen interessiert mich höchstens noch der Hintergrund von Alex Delaware und Milo Sturgis, nicht von allen möglichen Nebenermittlern. Zwei weitere Ermittler, die irgendwann auftauchen, verschwinden auch wieder sang- und klanglos, so daß sie eigentlich für die Geschichte nicht notwendig gewesen wären.
Diese Überlastung der Nebenstränge wird noch verstärkt dadurch, daß auch das Privatleben von Alex einen für meinen Geschmack zu großen Raum einnimmt. Seine Freundin, die ich in den vorhergehenden Büchern nie sonderlich sympathisch fand, die aber meistens die Geschichte nicht zu sehr störte, ist nun seine Exfreundin und Alex denkt unablässig an sie und teilt dies dem Leser auch stets mit. Der Leser will aber wissen, wer der Mörder in der Geschichte ist und nicht, ob Alex das Ende seiner Beziehung aufgearbeitet hat oder nicht. Die neue Freundin von Alex mit ihrem seltsamen Drang, ihm stets ihre alten Probleme und den Besitz einer Waffe zu "gestehen" bereichert das Geschehen nicht unbedingt.
Die Mordfälle, um die es geht, sind wie immer gut und intelligent aufgebaut und haben durchaus einige Überraschungen parat. Diese Teile des Buches waren unterhaltsam zu lesen. Interessant waren die zwischenmenschlichen und psychologischen Verwicklungen und Motivationen und der eigentliche Täter kommt auch überraschend daher. Allerdings erfolgt die Auflösung zu früh und im letzten Teil des Buches muß sich der Leser durch eine ausgesprochen lange Beschreibung quälen, wie einer der Ermittler dem Täter bei seiner abendlichen Autofahrt folgt. Die genaue Fahrtroute wird beschrieben und dies zieht sich unwahrscheinlich, wie sich leider der letzte Teil überhaupt etwas zieht.
Fazit: ein durchaus lesenswertes gut aufgebautes Buch, aber definitiv kein Highlight aus der Delaware-Reihe. Weniger Nebenermittler, weniger Privatleben und etwas mehr Spannung hätten dieses Buch noch um Klassen besser gemacht.