Schon im Jahre 1985 (in Dtl. 1988) veröffentlicht, legt Greg Bear hier einen Roman vor, der zwischen Einfällen und deren Ausführung nicht unterschiedlicher sein könnte.
Erzählt wird "Blutmusik" in zwei großen Abschnitten.
Der erste handelt von Vergil Ulam, einem Biochemiker, der gegen die Grundsätze seiner Forschungseinrichtung Genetron handelt und nach mehreren Verwarnungen endgültig seine Kündigung entgegen nimmt. Sein eigenes Projekt in Gefahr sehend, injiziert er sich kurzerhand seine entwickelten "intelligenten Lymphozyten". Während er sich um einen neuen Job bemüht, um seine Entwicklung schnell zu Geld zu machen, bemerken er und seine neue Freundin schnell die Veränderungen an Vergil's Körper. Diese allmähliche Verwandlung zu einer neuen Lebensform löst weitere tragische Umstände aus, welche schließlich zu seinem "Tod" führen.
Im zweiten Abschnitt, hat sich aus den "intelligenten Lymphozyten" eine alles verschlingene Lebensform heraus gebildet, die ganz Nordamerika "verzehrt" hat. Einige Überlebene, darunter die Zwillingsbrüder Jerry und John, die New Yorkerin Suzy McKenzie und Vergil's Mutter April, versuchen nach besten Möglichkeiten mit der Katastrophe umzugehen.
Extrem spannend beginnt diese Geschichte, um die sich langsam in den Vordergrund drängelnde neu entwickelte Lebensform. So ist Greg Bear's Charakterzeichnung des rücksichtslosen Vergil's so effektiv, das man diesen nach seinem "Ableben" (nach ca. 130 Seiten) nicht wirklich vermisst. Jedoch ist es ihm auch dann nicht wirklich gelungen, unter den neu eingefügten Charakteren auch nur eine halbwegs sympathische Person zu formen. Auch durch ein ständiges Hin- und Herspringen zwischen den Überlebendengeschichten, wird der Leser immer wieder aus der Gewöhnungsphase heraus gerissen.
Diese unbeständige Darstellung zieht sich bedauerlicher Weise durch die gesamte weitere Geschichte.
Beschreiben die noch lebenden und forschenden Figuren gerade wortgewaltig die Zustände auf dem nordamerikanischen Kontinent, schwenkt Bear kurz darauf in genetische Fachtermini um.
Die Idee, das die neue Lebensform mit den Infizierten Kontakt aufnimmt, ist sensationell. Aber warum geschieht dies in dieser nervig abgehackten, bedeutungsschwangeren Art und Weise? Vielleicht ist daran der Übersetzer der von mir gelesenen deutschen Erstausgabe schuld!
Neben diesem Auf und Ab gelang es dem Autoren jedoch, eine sehr beeindruckende Endzeitszenerie zu erschaffen, welche nicht nur durch die Verbreitung der alles verzehrenden Organismen die Fantasie beflügelt, sondern auch durch die Tatsache, das im noch herrschenden Kalten Krieg die Sowjetunion ihre Stunde gekommen sieht, den ewigen amerikanischen Feind endlich überrumpeln zu können.
Wer sich am Ende mit den genannten Schwächen und einigen unbeantworteten Fragen (wie zum Beispiel die unterschiedlich langen Inkubationszeiten zu erklären sind), nicht um seine Freizeit gebracht sieht, dem wird hier zumindest eine sehr abwechselungsreiche und vor Ideen sprudelne Geschichte geboten, die zum Schluss hin sogar noch etwas stärker ins Fantasygenre abschweift.