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Blutiges Erwachen
 
 
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Blutiges Erwachen [Gebundene Ausgabe]

Roger Smith , Jürgen Bürger , Peter Torberg
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (25 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Solche Wucht spürte man in der aktuellen Krimiszene schon lange nicht mehr." (Zeit-Online)

Kurzbeschreibung

Der neue Südafrika-Thriller von Roger Smith

Eine Frau erschießt ihren Mann und gerät ins Fadenkreuz rivalisierender Gangster. Es kommt zu einer brutalen Irrfahrt durch die Ghettos von Kapstadt - eine gnadenlose Welt aus Fressen und Gefressenwerden. Niemand versteht es so eindringlich wie Roger Smith, die dunklen Seiten des heutigen Südafrika zu schildern.

Klappentext

Ein höllisch heißer Sommer in Kapstadt. Das amerikanische Ex-Model Roxy und ihr Mann Joe, ein zwielichtiger Waffenhändler, werden überfallen. Joe wird verwundet, und als die schwarzen Gangster mit seinem Wagen verschwunden sind, handelt Roxy kurz entschlossen und erschießt ihren Mann. Die beiden Gangster, die plötzlich unter Mordverdacht stehen, schwören auf Rache. Doch unverhofft findet Roxy einen Beschützer, den farbigen Billy Afrika, der allerdings seine ganz eigenen Ziele verfolgt. Und sie alle haben Piper im Nacken, einen liebesbesessenen Psychopathen, der brutal entschlossen ist, sich das zu holen, was er für sein Eigentum hält ...

»An dem Abend, als sie ausgeraubt wurden, speisten Roxy Palmer und ihr Mann Joe mit einem afrikanischen Kannibalen und seiner ukrainischen Hure.«

Über den Autor

Roger Smith, 1960 in Johannesburg geboren, ist Drehbuchautor, Regisseur und Produzent, lebt und arbeitet in Kapstadt. Während der südafrikanischen Apartheidjahre hat er das erste hautfarbenübergreifende Filmkollektiv gegründet. Daraus ist eine Reihe von wichtigen, international erfolgreichen Protestfilmen hervorgegangen. Sein Debüt »Kap der Finsternis« war ein großer internationaler Erfolg und wird in Hollywood verfilmt. Smith schreibt derzeit an seinem dritten Roman.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

KAPITEL 1 An dem Abend, als sie ausgeraubt wurden, speisten Roxy Palmer und ihr Mann Joe mit einem afrikanischen Kannibalen und seiner ukrainischen Hure. Die Hautfarbe des lässig eleganten, in einen maßgeschneiderten Seidenanzug gekleideten Afrikaners war schwarzblau, und auf den Wangen trug er Stammesnarben. Er sprach ein hervorragendes Englisch mit französischem Akzent, und selbst wenn er aus dem Telefonbuch von Kapstadt vorgelesen hätte, wäre es noch Poesie gewesen. Die Hure hatte blonde Zöpfe, deren dunkle Wurzeln ihre Kopfhaut schraffierten wie Obduktionsnähte einen Leichnam. Sie sprach nicht viel und war während des Essens die meiste Zeit damit beschäftigt, Roxy wegen ihres naturblonden Haares und ihres perfekten amerikanischen Gebisses zu hassen. Wenn der Kannibale seinen Monolog unterbrach, um zu essen oder zu trinken, versuchte Joe Palmer ein paar Worte einzuschieben. Nach der frankophonen Eloquenz klang der südafrikanische Joe wie ein Lastwagen ohne Kupplung, der mit Zwischengas gefahren wurde. Sie waren im Blues in Camps Bay mit Blick aufs Meer, und obwohl es bereits fast neun war, als sie sich zum Essen setzten, waren der Strand und die Hänge des Tafelbergs immer noch in die letzten goldenen Sonnenstrahlen getaucht. Kapstadt und Nizza sind Partnerstädte, und an einem Abend wie diesem verstand Roxy auch, warum. Irgendwann während der Mahlzeit driftete sie ab. Pickte an ihrem Zackenbarsch herum, trank ein Glas Kap-Weißwein mehr, als sie sich normalerweise erlaubte, und ließ sich vom Rhythmus der Stimme des Afrikaners einlullen, ohne wirklich auf seine Worte zu achten. Eine Fertigkeit, die sie sich im Laufe der Jahre mit Joe angeeignet hatte. Allerdings nagte etwas an ihr, ein Erinnerungssplitter, der ihre hart erworbene Distanziertheit durchbohrte. Dann fiel es ihr wieder ein. Der Mann, der ihr jetzt hier gegenübersaß und kleine Häppchen Ente à l'orange verspeiste, war während eines der endlosen Bürgerkriege seines zentralafrikanischen Heimatlandes von der Kamera eines Nachrichtenteams gefilmt worden. Er hatte einem Feind bei lebendigem Leib das Herz herausgeschnitten, hatte das noch schlagende Organ aus der Brust des Mannes gezogen und es gegessen. Hatte beim Kauen in die Kamera gegrinst. Kein französischer Akzent der Welt konnte dieses Bild tilgen. Roxy legte Messer und Gabel aus der Hand, trank einen Schluck Wein und schaute hinaus zum Mond, der über den Wellen aufstieg. Dann warf Joe ihr einen Blick zu, unsichtbar für alle anderen, und sie wusste, dass die Männer ein paar Minuten allein brauchten, um ungestört über Geschäfte zu reden. Waffen oder Söldner. Oder beides. Roxy stand auf. »Kommen Sie, wir gehen uns mal frisch machen.« »Ich muss aber nicht«, erwiderte die Hure, der dieser Teil des Spiels ganz offensichtlich neu war. Der Kannibale stieß ihr den Ellbogen unter die Silikontitten. »Geh pissen.« Aus seinem Mund klang es fast wie ein Segensspruch: Geh in Frieden. Die Wasserstoffblondine rappelte sich mühsam auf in ihrer brutal engen gefakten Diesel-Jeans und auf den fünfzehn Zentimeter hohen Absätzen. Roxy schob sich elegant zwischen den Tischen durch, besetzt mit Kapstadts reichen, sonnengebräunten und vorwiegend weißen Restaurantgästen. Die Ukrainerin taumelte hinter ihr her. Alle Blicke waren nur auf Roxy gerichtet. Das konnte sie immer noch - sämtliche Blicke auf sich ziehen -, auch wenn die Dreißig nur noch Erinnerung war. Sie betraten die geflieste und wohlriechende Damentoilette. Aus den Deckenlautsprechern rieselte leise Musik von Michael Bolton. Roxy verschwand in eine Kabine, schloss die Tür und setzte sich. Sie musste nicht pinkeln, aber sie brauchte ein oder zwei Minuten für sich allein. Um cool zu bleiben und fokussiert, wie man sagt. Als sie wieder herauskam, zog die andere Frau an den Waschbecken eine Line weg. »Willste auch?« Roxy schüttelte den Kopf, während sie sich die Hände wusch. Sie hatte seit Jahren kein Koks mehr angerührt. »Wo hast du ihn kennengelernt?« Schniefend und sich die Nasenflügel reibend warf sie Roxy im Spiegel einen Blick zu. »Deinen Mann?« »In einem Lokal wie diesem.« Roxy trocknete sich die Hände ab und machte mit ihren Haaren eine dieser völlig sinnfreien Übungen, wie es Frauen vor Toilettenspiegeln eben so tun. Die Hure versuchte zu lächeln und gab dabei den Blick auf Meisterwerke der Zahntechnik aus der Vor-Glasnost-Ära frei. »Vielleicht hab ich ja auch mal Glück. Wenn du's geschafft hast, kann ich's auch.« »Klar«, meinte Roxy. Und dachte: Einen Scheißdreck wirst du, Tschernobyl-Fresse. Aber war sie denn so anders als diese Frau? Richtig auf den Strich gegangen war sie nie, aber während ihrer Jahre als Model hatte es zahllose reiche Männer gegeben, die für ihre Zeit und Zuneigung bezahlt hatten. Genau wie Joe jetzt. Sie ließ diese Gedanken auf der Damentoilette zurück. Disco De Lillys Fluch war, dass er gottverdammt gut aussah. Das sagte ihm jeder, als Kind schon und noch heute. Seine Schönheit hatte ihm - wie Schönheit das eben so macht - Türen geöffnet. Aber gleichzeitig hatte er sich damit auch ohne Ende Ärger eingehandelt. Wie er da auf dem Beifahrersitz des gestohlenen Nissan saß, verkrampften sich bei der Erinnerung an die erste Nacht im Pollsmoor Prison unwillkürlich seine Arschmuskeln. Ein Martyrium, nach dem er zerrissen und total verängstigt war, bis er seinen Beschützer fand. Der ihm dann wirklich zeigte, was die Hölle auf Erden war. »Willste nochma?« Godwynn MacIntosh hielt ihm die kleine Glaspfeife hin, die immer noch von der Hitze der Flamme seines Feuerzeugs blubberte. Disco nahm einen Zug, behielt das Crystal in der Lunge und hustete den Rauch dann aus. Er brauchte es, um die Nerven zu beruhigen, das Bild des Gefängnisses aus dem Kopf zu verbannen und sich auf den anstehenden Job konzentrieren zu können. Godwynn nahm die Pfeife zurück, und während er den letzten Rest des Meth inhalierte, war das tick-tick ende Geräusch zu hören, von dem die Droge in der hiesigen Szene ihren Namen hatte. Während Disco groß und schlank war, war Godwynn stämmig und gedrungen. Und dunkelhäutig. Nichts, worauf man unbedingt stolz sein konnte auf den bezüglich Hautfarbe selbstbewussten Cape Flats, wo die Geburt eines dunkelhäutigen Kindes kein Grund war, eine Kiste Wein zu knacken und zu feiern. Mit einem leichten Surren im Schädel stellte sich Disco amüsiert vor, wenn er und Godwynn Kaffee wären, dann würde er ein Cappuccino sein und Goddy ein doppelter Espresso. Er lachte. » Ja? Was ist so scheißwitzig?«, fragte Goddy. Disco schüttelte den Kopf, behielt die Augen fest auf den Benz geheftet, der in der Kurve drei Autos vor dem Nissan parkte. Vor zwei Stunden war Goddy in Discos Hinterhof-Hütte aufgekreuzt. Erzählte ihm, Manson, der Boss der Para dise-Park-Americans-Gang - Goddys Boss -, hätte gesagt, er solle sich gottverdammt besser erst dann wieder blicken lassen, wenn er am Steuer eines Mercedes-Benz 500 SLC säße. Das aktuelle Modell. Also waren sie rüber nach Camps Bay mit seinen Straßencafés und Abzock-Restaurants. Die schicken Schüsseln wurden von der noblen Strandpromenade angezogen wie Zecken vom Arschloch eines streunenden Hundes. Goddy setzte sich gerade hin. »Sieh dir das an!« Disco beobachtete das Pärchen, das sich dem Benz näherte. Der Mann, kräftig, schwabbelig und weiß, trug eine schwarze Hose und ein helles Hemd - keine Krawatte. Die Anzugjacke lässig über dem linken Arm. Die Frau war blond, und irgendwas an ihrem Gang erinnerte an diese spindeldürren Mädels im Fashion Channel. Nur, sie war nicht spindeldürr; sie war verdammt gut gebaut. »Glaubste, der hat 'ne Wumme?«, fragte Goddy. Disco sah, dass der Mann seine Fettrollen in das enge Hemd gezwängt hatte wie in eine Wurstpelle. Da war kein Platz für eine Kanone. Er schüttelte den Kopf. Goddy tauchte unter das Armaturenbrett, fummelte an den Drähten, die lose von der Lenk säule herunterhingen, und versuchte, den Nissan zu starten. Disco beobachtete, wie der Fettsack dem Typen, der auf die...

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

KAPITEL 1

An dem Abend, als sie ausgeraubt wurden, speisten Roxy Palmer und ihr Mann Joe mit einem afrikanischen Kannibalen und seiner ukrainischen Hure.

Die Hautfarbe des lässig eleganten, in einen maßgeschneiderten Seidenanzug gekleideten Afrikaners war schwarzblau, und auf den Wangen trug er Stammesnarben. Er sprach ein hervorragendes Englisch mit französischem Akzent, und selbst wenn er aus dem Telefonbuch von Kapstadt vorgelesen hätte, wäre es noch Poesie gewesen. Die Hure hatte blonde Zöpfe, deren dunkle Wurzeln ihre Kopfhaut schraffierten wie Obduktionsnähte einen Leichnam. Sie sprach nicht viel und war während des Essens die meiste Zeit damit beschäftigt, Roxy wegen ihres naturblonden Haares und ihres perfekten amerikanischen Gebisses zu hassen.

Wenn der Kannibale seinen Monolog unterbrach, um zu essen oder zu trinken, versuchte Joe Palmer ein paar Worte einzuschieben. Nach der frankophonen Eloquenz klang der südafrikanische Joe wie ein Lastwagen ohne Kupplung, der mit Zwischengas gefahren wurde.

Sie waren im Blues in Camps Bay mit Blick aufs Meer, und obwohl es bereits fast neun war, als sie sich zum Essen setzten, waren der Strand und die Hänge des Tafelbergs immer noch in die letzten goldenen Sonnenstrahlen getaucht. Kapstadt und Nizza sind Partnerstädte, und an einem Abend wie diesem verstand Roxy auch, warum.

Irgendwann während der Mahlzeit driftete sie ab. Pickte an ihrem Zackenbarsch herum, trank ein Glas Kap-Weißwein mehr, als sie sich normalerweise erlaubte, und ließ sich vom Rhythmus der Stimme des Afrikaners einlullen, ohne wirklich auf seine Worte zu achten. Eine Fertigkeit, die sie sich im Laufe der Jahre mit Joe angeeignet hatte. Allerdings nagte etwas an ihr, ein Erinnerungssplitter, der ihre hart erworbene Distanziertheit durchbohrte.

Dann fiel es ihr wieder ein.

Der Mann, der ihr jetzt hier gegenübersaß und kleine Häppchen Ente à l'orange verspeiste, war während eines der endlosen Bürgerkriege seines zentralafrikanischen Heimatlandes von der Kamera eines Nachrichtenteams gefilmt worden. Er hatte einem Feind bei lebendigem Leib das Herz herausgeschnitten, hatte das noch schlagende Organ aus der Brust des Mannes gezogen und es gegessen. Hatte beim Kauen in die Kamera gegrinst.

Kein französischer Akzent der Welt konnte dieses Bild tilgen. Roxy legte Messer und Gabel aus der Hand, trank einen Schluck Wein und schaute hinaus zum Mond, der über den Wellen aufstieg. Dann warf Joe ihr einen Blick zu, unsichtbar für alle anderen, und sie wusste, dass die Männer ein paar Minuten allein brauchten, um ungestört über Geschäfte zu reden. Waffen oder Söldner. Oder beides.

Roxy stand auf. »Kommen Sie, wir gehen uns mal frisch machen.«

»Ich muss aber nicht«, erwiderte die Hure, der dieser Teil des Spiels ganz offensichtlich neu war.

Der Kannibale stieß ihr den Ellbogen unter die Silikontitten. »Geh pissen.« Aus seinem Mund klang es fast wie ein Segensspruch: Geh in Frieden.

Die Wasserstoffblondine rappelte sich mühsam auf in ihrer brutal engen gefakten Diesel-Jeans und auf den fünfzehn Zentimeter hohen Absätzen. Roxy schob sich elegant zwischen den Tischen durch, besetzt mit Kapstadts reichen, sonnengebräunten und vorwiegend weißen Restaurantgästen. Die Ukrainerin taumelte hinter ihr her. Alle Blicke waren nur auf Roxy gerichtet. Das konnte sie immer noch - sämtliche Blicke auf sich ziehen -, auch wenn die Dreißig nur noch Erinnerung war.

Sie betraten die geflieste und wohlriechende Damentoilette. Aus den Deckenlautsprechern rieselte leise Musik von Michael Bolton. Roxy verschwand in eine Kabine, schloss die Tür und setzte sich. Sie musste nicht pinkeln, aber sie brauchte ein oder zwei Minuten für sich allein. Um cool zu bleiben und fokussiert, wie man sagt.

Als sie wieder herauskam, zog die andere Frau an den Waschbecken eine Line weg. »Willste auch?«

Roxy schüttelte den Kopf, während sie sich die Hände wusch. Sie hatte seit Jahren kein Koks mehr angerührt.

»Wo hast du ihn kennengelernt?« Schniefend und sich die Nasenflügel reibend warf sie Roxy im Spiegel einen Blick zu. »Deinen Mann?«

»In einem Lokal wie diesem.« Roxy trocknete sich die Hände ab und machte mit ihren Haaren eine dieser völlig sinnfreien Übungen, wie es Frauen vor Toilettenspiegeln eben so tun.

Die Hure versuchte zu lächeln und gab dabei den Blick auf Meisterwerke der Zahntechnik aus der Vor-Glasnost-Ära frei. »Vielleicht hab ich ja auch mal Glück. Wenn du's geschafft hast, kann ich's auch.«

»Klar«, meinte Roxy.

Und dachte: Einen Scheißdreck wirst du, Tschernobyl-Fresse. Aber war sie denn so anders als diese Frau? Richtig auf den Strich gegangen war sie nie, aber während ihrer Jahre als Model hatte es zahllose reiche Männer gegeben, die für ihre Zeit und Zuneigung bezahlt hatten.

Genau wie Joe jetzt.

Sie ließ diese Gedanken auf der Damentoilette zurück.

Disco De Lillys Fluch war, dass er gottverdammt gut aussah. Das sagte ihm jeder, als Kind schon und noch heute. Seine Schönheit hatte ihm - wie Schönheit das eben so macht - Türen geöffnet. Aber gleichzeitig hatte er sich damit auch ohne Ende Ärger eingehandelt.

Wie er da auf dem Beifahrersitz des gestohlenen Nissan saß, verkrampften sich bei der Erinnerung an die erste Nacht im Pollsmoor Prison unwillkürlich seine Arschmuskeln. Ein Martyrium, nach dem er zerrissen und total verängstigt war, bis er seinen Beschützer fand. Der ihm dann wirklich zeigte, was die Hölle auf Erden war.

»Willste nochma?« Godwynn MacIntosh hielt ihm die kleine Glaspfeife hin, die immer noch von der Hitze der Flamme seines Feuerzeugs blubberte.

Disco nahm einen Zug, behielt das Crystal in der Lunge und hustete den Rauch dann aus. Er brauchte es, um die Nerven zu beruhigen, das Bild des Gefängnisses aus dem Kopf zu verbannen und sich auf den anstehenden Job konzentrieren zu können.

Godwynn nahm die Pfeife zurück, und während er den letzten Rest des Meth inhalierte, war das tick-tick ende Geräusch zu hören, von dem die Droge in der hiesigen Szene ihren Namen hatte. Während Disco groß und schlank war, war Godwynn stämmig und gedrungen. Und dunkelhäutig. Nichts, worauf man unbedingt stolz sein konnte auf den bezüglich Hautfarbe selbstbewussten Cape Flats, wo die Geburt eines dunkelhäutigen Kindes kein Grund war, eine Kiste Wein zu knacken und zu feiern.

Mit einem leichten Surren im Schädel stellte sich Disco amüsiert vor, wenn er und Godwynn Kaffee wären, dann würde er ein Cappuccino sein und Goddy ein doppelter Espresso.

Er lachte.

» Ja? Was ist so scheißwitzig?«, fragte Goddy.

Disco schüttelte den Kopf, behielt die Augen fest auf den Benz geheftet, der in der Kurve drei Autos vor dem Nissan parkte. Vor zwei Stunden war Goddy in Discos Hinterhof-Hütte aufgekreuzt. Erzählte ihm, Manson, der Boss der Para dise-Park-Americans-Gang - Goddys Boss -, hätte gesagt, er solle sich gottverdammt besser erst dann wieder blicken lassen, wenn er am Steuer eines Mercedes-Benz 500 SLC säße. Das aktuelle Modell.

Also waren sie rüber nach Camps Bay mit seinen Straßencafés und Abzock-Restaurants. Die schicken Schüsseln wurden von der noblen Strandpromenade angezogen wie Zecken vom Arschloch eines streunenden Hundes.

Goddy setzte sich gerade hin. »Sieh dir das an!«

Disco beobachtete das Pärchen, das sich dem Benz näherte. Der Mann, kräftig, schwabbelig und weiß, trug eine schwarze Hose und ein helles Hemd - keine Krawatte. Die Anzugjacke lässig über dem linken Arm. Die Frau war blond, und irgendwas an ihrem Gang erinnerte an diese spindeldürren Mädels im Fashion Channel. [...]

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