Ich bin der Autor des Buches "Michl Pössinger - Lebensbilder eines Gebirgsjägers" und möchte zum "Blutigen Edelweiß" wie folgt Stellung nehmen, bzw. Herrn Meyer Vorwürfe machen.
1. Er bezeichnet Herrn Pössinger auf Seite 461 als "Kriegsverbrecher". Als einzigen "Beweis" für diese ungeheure Behauptung dient ihm die Tatsache, dass Pössingers Kompanie in der Nähe eines Dorfes, in dem Geiselerschießungen stattgefunden haben, Quartier bezogen hatte.
2. Als Herr Meyer vor vielen Jahren in dieser Sache recherchiert, wandte er sich auch an mich mit der Bitte um Hilfe. Ich war ihm dienlich mit Fotos und einigen Informationen und stellte auch den Kontakt her mit Funktionsträgern in der 1. Geb.Div. (Pössiner, Starl). Er suchte diese Zeitzeugen auf, war äußerst freundlich und zuvorkommend zu ihnen und befragte sie zu den damaligen Geschehnissen.
Am 27.02.2009 verwahrte ich mich im Namen des inzwischen verstorbenen Michl Pössinger schriftlich gegen den Vorwurf und bemerkte dazu auch Folgendes: "Ich empfinde es als gelinde gesagt höchst merkwürdig", bzw. auf bayerisch hinterfotzig", dass sie erst eine ganze Reihe von Gebirgsjägern in ihrer Gutgläubigkeit für Ihre Zwecke abkassiert" haben, ihr Buch aber erst erschienen ist, als alle gestorben waren und sich gegen Vorwürfe nicht mehr wehren konnten. Schämen Sie sich!
Es folgte ein Antwortschreiben mit dem Hinweis, ich könnte mich ja mal in Griechenland erkundigen, worauf ich ihm am 18. März 2009 erneut schrieb:
"...deutet darauf hin, dass Sie Rechtsgrundsätze durcheinanderbringen. Nicht der Beschuldigte muss nachweisen, dass der Kläger Recht hat, sondern der Kläger, dass der Beklagte Unrecht hat - dürfte Ihnen schwer fallen.
Ich möchte an dieser Stelle aber nicht unerwähnt lassen, dass Michl Pössinger, nachdem das Buch bereits gedruckt war (Michl Pössinger - Lebensbilder...), mir gegenüber erwähnt hat, dass er - wenn mich meine Erinnerung nicht trügt in Korfu - den Auftrag bekam, Italiener erschießen zu lassen. Er hat, wie er sagte, diesen Befehl abgelehnt -wie auch andere. Die Erschießung hat aber dann offenbar doch stattgefunden, aber nicht unter seinem Kommando. (...)
Diese unerfreulichen Vorkommnisse sind wohl unbestritten, doch auch von Binder, der alles andere als ein Nazi war, kein Hinweis, dass der Sunnyboy Pössinger", wie ihn Binder (Anmerkung: Mischling 2. Grades und als Leutnant Untergebener Pössingers) bezeichnete, daran mitgewirkt war.
Sie wissen, dass Sie die ehrenrührige Behauptung Kriegsverbrecher" beweisen müssten, sollte die Sache vor Gericht gehen. Ich werde keine Schritte einleiten - der Michl hätte es wohl getan, hätte er Gelegenheit dazu gehabt.
Es ist mir aber eine Herzensangelegenheit, diesen posthum gegen ihn erhobenen Vorwurf, da er es selbst nicht mehr kann und er auch keine Kinder hat, zurückzuweisen. Zu diesem letzten Dienst an ihm fühle ich mich verpflichtet.
Nun aber noch zu einem Punkt, den ich nicht verstehe: Bei aller Hochachtung für ihre umfangreiche, akribische Recherchearbeit, was treibt Sie an - wie schon erwähnt zu einem Zeitpunkt, an dem keine Gegenwehr mehr zu erwarten ist, das Edelweiß in Blut zu tränken"? Seien Sie froh, dass Sie das Schicksal davor bewahrt hat, in solche Situationen zu geraten wie die damaligen Jager" auf dem Balkan.
Ich weiß auch nicht, in welchem Zusammenhang Sie zu den antifaschistischen" Kreisen stehen, die am Brendten alljährlich ihr Unwesen treiben und vor ein paar Jahren die Garmischer Krieger-Gedächtniskapelle verwüstet haben. Ob Sie sich der geistigen Brandstiftung schuldig gemacht haben, müssen Sie mit sich selber ausmachen.
Ich habe mir diese Sauerei am nächsten Tag angeschaut. Schmierereien und jede Menge aus der Verankerung gerissene und zerdepperte Gedenk-Marterl für blutjung gefallene Burschen, überwiegend Gebirgsjäger im Rgt.98.
Sie hätten sicher lieber ein so friedliches Leben geführt wie Sie und ich und haben ein Anrecht auf ein trauerndes Gedenken.
Den Text eines zersplittert am Boden liegenden Marterls habe ich mir aufgeschrieben. Ich hoffe, Sie haben mit Ihrem segensreichen Wirken" nicht zu diesem Vandalismus beigetragen und ich kann mir gut vorstellen, zu welchen Heldentaten" solche fanatisierte Idioten vor über 65 Jahren in Griechenland im Stande gewesen wären.
Für Martin Buchwieser, am 22.10.43 in Russland vermisst:
Von allem was geschrieben ward,
kein Wort so bös', kein Wort so hart.
Von allem was geschehen ist,
so bitter nichts als wie Vermisst!"
Ein Grab, ein Kreuz ist Ziel dem Schmerz.
Hier findet Ruh' ein trauernd Herz.
Doch ruhlos in der Seele frisst
das grauenvolle Wort Vermisst!"
Mit deinem ganzen Fragenschmerz,
mein liebes teures Mutterherz,
geh' zu ihm, der allwissend ist.
Bei ihm ist kein Soldat vermisst.
Mit freundlichen Grüßen
P.S.: Kann mir vorstellen, dass der Michl Pössinger mit aufgekrempelten Ärmeln auf Sie wartet, wenn Sie einmal das Zeitliche segnen und in der selben Abteilung landen!