Eine unheimliche Figur namens Bocco Talis und ihr noch gruseligeres Spielzeug, eine "untote Krähe" eröffnen den letzten Teil der Oger - Trilogie. Schon auf den ersten Seiten baut Stephan Russbült damit eben jene Spannung auf, die eingeschworene Mogda-Fans sofort in den Bann zieht und durchaus auch neue Leser begeistern kann.
Es ist nicht unbedingt erforderlich, die ersten beiden Bände der Trilogie gelesen zu haben. Auch für sich genommen funktioniert das Buch, doch erhöht es natürlich den Lesespaß gewaltig, wenn man die vorherigen Abenteuer der Figuren bereits kennt und dadurch auch ein tieferes Verständnis für die auftretenden Charaktere bekommen hat. Außerdem versteht man viele der Anspielungen nur aus der Vorkentnnis heraus und der Wortwitz wird dadurch umso humorvoller.
"Blutiger Winter", 2009 von der Verlagsgruppe Lübbe herausgegeben, ist nach "Die Oger" und "Der Rubin der Oger" (beide im Jahre 2008 erschienen) ein krönender Abschluss für eine Geschichte, welche das Land Nelbor in den Mittelpunkt einer Fantasywelt gerückt hat, die voll von liebenswerten Figuren ist, zu denen man mit jedem Buch wie zu alten Freunden zurückkehrt. Man fühlt sich sofort heimisch und leidet, jubelt und lacht mit ihnen und ist für jedes Abenteuer zu haben und davon gibt es reichlich auch im neusten Buch von Stephan Russbült.
Wieder einmal ist es der Oger Mogda, wie seit dem Buch "Die Oger" bekannt, durch ein Artefakt mit großer Intelligenz ausgestattet, der um das Überleben nicht nur seiner Rasse sondern aller Rassen Nelbors ringt. Denn es werden keine Nachkommen mehr geboren. Durch einen Angriff von einer Handvoll fremder, kampferprobter Barbaren aus seiner selbstgewählten Einsamkeit herausgerissen, kehrt Mogda zurück in eine sich dramatisch verändernde Welt und macht sich auf den Weg, dem Rätsel der ausbleibenden Babies auf die Spur zu kommen.
Erneut mit dabei ist die Hexe Cindil, verliebt in den Sohn des Anführers von eben jenen Klerikern, die die Schuld der Kinderlosigkeit den Kreaturen Tabals zuschreiben und damit zur Jagd auf diese und deren Vernichtung aufrufen.
Die Freunde erfahren von einer uralten Prophezeiung und brechen mit Hilfe des bärbeißigen Kapitäns Londor auf, um ein Land zu erreichen, welches hoch im Norden liegt. Hier begegnen sie den "Bleichen". Dieses Volk, dass schon in den Bänden "Die Oger" und "Der Rubin der Oger" am Rande erwähnt worden ist, spielt dieses Mal eine weit größere Rolle. Erneut zeigt der Autor dabei, wie gut er erzählen kann. Seine Beschreibungen sind fesselnd und vermögen es, die Vorstellungskraft des Lesers zu wecken. Man stapft mit den Gefährten durch Eis und Schnee und ist mitten drin im Geschehen.
Aber auch neue Feinde, weitere Bewohner dieses unwirtlichen Landes, wie Riesen und Barbaren oder die erstaunliche Verkörperung der Göttin Suul und deren Nachkommen treiben die Helden bis an ihre physischen und psychischen Grenzen.
Auch der dritte Band ist angefüllt mit feinem Humor, der die einzelnen Charaktere auszeichnet und sie zu überzeugenden Protagonisten macht. Allerdings legt Stephan Russbült dieses Mal das Hauptaugenmerk auf die actionreiche Handlung, so dass man sich durchaus manchmal wünscht, er würde ein wenig länger bei einzelnen Figuren verweilen und die Situationskomik noch vertiefen, die immer wieder aufblitzt.
Beinahe schon in Vergessenheit geratene kauzige Nebenfiguren bekommen die Möglichkeit, in das Geschehen einzugreifen.
Die 588 Seiten erscheinen am Ende viel zu kurz und man eilt durch die spannungsgeladene Handlung immer in der Hoffnung, man möge die letzte Seite nicht zu schnell erreichen, um noch länger in Nelbor verweilen zu können. Wehmütig nimmt man Abschied von Mogda und seinen Freunden und fragt sich gespannt, was Stephan Russbült als Nächstes schreiben wird.
Bislang von Stephan Russbült erschienen:
1. Die Oger (2008)
2. Der Rubin der Oger (2008)
3. Blutiger Winter (2009)
Fünf Sterne für den großartigen Abschluss einer fantastischen Trilogie, die voll ist von Humor und überraschenden Wendungen, welche den Leser in Atem halten und gebannt Seite um Seite lesen lassen. Wer witzige Fantasy mag, ist mit den Oger-Romanen von Stephan Russbült bestens bedient und liegt goldrichtig.