Zunächst einmal ist es zu begrüßen, dass sich wieder ein Romanautor an das Thema "Mongolensturm" herangewagt hat. Vergleichbare Werke von Hayduk oder Bartsch sind heute doch schon etwas angestaubt und entsprechen nicht mehr unseren Lesegewohnheiten.
Die Story handelt von einem fiktiven Ritter Kunz zu Wiesenstein, der eine Nichte des Herzogs von Schlesien aus Krakau abholt, um sie vor den vordringenden Mongolen in Sicherheit zu bringen. Parallel dazu werden die Erlebnisse eines polnischen und eines anderen deutschen Ritters in mongolischer Gefangenschaft erzählt.
Leider ist der Ton oft schulmeisterlich und der Roman wird stellenweise zum Lehrbuch. Ein ganzes Kapitel widmet der Autor dem Thema "Todesstrafen im Mittelalter". Das 54. Kapitel liest sich wie eine technische Anleitung zur Eroberung einer Burg, sowie zur Herstellung von Schießpulver und Bomben. Eine Lektion in Sachen Liebe und Werbeverhalten bekommt man in Kapitel 55. All das gehört wohl eher in ein Sachbuch und stört nur den Erzählfluss. Seitenlange historische Exkurse sind ebenfalls nicht selten.
Die Sympathien des Autors sind recht eindeutig verteilt. Wenn es um die Mongolen geht, spricht aus jeder Zeile Bewunderung. Ihre Vertreter erscheinen geradezu als unverwundbare Übermenschen. Die ganze Verachtung Erlings gilt hingegen der christlichen Kirche und ihren Exponenten. Mönche, Priester, Prediger etc. sind meist nur lächerliche Jammerlappen, wunderlich, feige oder zumindest nutzlos. Auch Juden und Kaufleute (Krämerseelen) kommen nicht gut weg, da sie als üble Fluchthelfer und Kriegsgewinnler aus der Not Geschäfte machen.
Der strahlende Held des Romans ist folgerichtig nicht etwa Herzog Heinrich oder einer seiner Ritter, wie man es aus älteren Romanen kennt, sondern ein fränkischer Überläufer, der im Heer des Prinzen Kaidu dient. Es fiel mir allerdings schwer, mich mit dieser Gestalt zu identifizieren, da er zur Überheblichkeit neigt und nicht müde wird, die grenzenlose Überlegenheit des Mongolenheeres und der fernöstlichen Kultur gegenüber der des Westens hervorzuheben.
Während das Verhältnis zwischen den Mongolen von gegenseitiger Achtung und Kameradschaft bestimmt ist, herrscht bei den Schlesiern und Polen übler Kadavergehorsam, Borniertheit und "abendländische Arroganz", die den Westen zwangsläufig zu Fall bringen muss. So hat denn auch das Heer des schlesischen Herzogs Heinrich nicht den Hauch einer Chance und wird bei Liegnitz bis auf den letzten Mann gnadenlos niedergemacht. Genüsslich inszeniert Erling den Untergang des christlichen Heeres und die Schändung der Leiche des Fürsten. Mongolensäbel schlitzen, Köpfe rollen, Därme quellen aus den Bäuchen... Die mongolischen Übermenschen sind schier unverwundbar und erringen einen grandiosen Sieg.
Ritter Kunz zu Wiesenstein, der andere Held des Romans, schafft es mit seiner Schutzbefohlenen nicht mehr rechtzeitig zum Herzog durchzustoßen. Immerhin rettet er ihr Leben. Die Liebe bekommt eine Chance und der Roman seine Lovestory.
Am Ende des Buches weiß man, dass die Mongolen alles andere als eine wilde und grausame Horde waren und ganz Europa okkupiert hätten, sofern sie nicht der Tod des Groß-Khans im fernen Karakorum zur Umkehr gezwungen hätte.
Das hehrere Bild des edlen Wilden bekommt nur manchmal einen Dämpfer, wenn z.B. Flüchtlingstrecks überfallen werden und nach Herzenslust vergewaltigt wird. All das wird höchst realistisch und detailliert beschrieben.
Trotz einiger Schwachpunkte ist der Roman leidlich spannend.
Lesern, die sich für Schlesien oder den Mongolensturm im 13. Jahrhundert interessieren, ist das Buch nur bedingt zu empfehlen. Mongolenfans und Kirchengegner werden allerdings voll auf ihre Kosten kommen.