Als Historikerin und Germanistin weiß Heidi Rehn, worüber sie schreibt. In ihrem neuen Roman kämpfen Menschen gegen Ungerechtigkeit, wehren sich gegen unwürdige Arbeitsbedingungen und Hungerlöhne. Es geht ferner um die Anfänge der Gewerkschaften und das Aufkeimen der Frauenbewegung. Hauptschauplatz ist München im Frühsommer 1870. Das alles ist in eine fesselnde Erzählung gepackt, in deren Mittelpunkt die Aufklärung des Mordes an einem Nähmaschinenhändler steht. Die Autorin lässt die Menschen mit ihren Ängsten, Nöten und Leidenschaften lebendig werden. Besonders eindringlich die Milieuschilderungen. Man meint, unmittelbarer Zeuge einer hitzigen Diskussion der Schneider zu sein und spürt beinahe körperlich die Anstrengung der Mutter, die sich des Nachts an die Nähmaschine zwingt, während der schwerkranke Ehemann und die kleinen Kinder im Nebenzimmer schlafen. Spannend uns sozialkritisch zugleich.