'Ein Albino, jede Menge Gangster, afrikanisches Muti und 2 ungleiche Ermittler'.
Dies sind die Hauptakteure in diesem Thriller, welcher in Südafrika spielt. Das Buch vereint (zu) viele spannende Themen, welche ganz alleine schon für mächtig Zündstoff sorgen - vereint jedoch etwas zu sehr forciert und allzu sehr fiktiv wirken.
Beispielsweise werden in Realität ALBINOS in Afrika noch immer wegen ihrer Hautfarbe gejagt, da ihre Organe besonders für afrikanisches Muti (eine Art voodoo-eskes Ritual) sehr beliebt sind. In 'Blutige Ernte' jedoch, ist es ein Albino, der 'Bösewicht', der sich als mächtiger Hexer sieht und unschuldige Kinder für ihre Organe töten lässt. (Hier eine Doku DVD zum Thema der 'Albino-Jagd': http://www.amazon.com/Albino-Murders/dp/B004FN26XW/ref=sr_1_11?s=movies-tv&ie=UTF8&qid=1335172500&sr=1-11)
VOODOO ist für uns Europäer noch immer mit vielen Vorurteilen verbunden, welche in diesem Thriller nur noch genährt werden. Dass es sich bei Voodoo nicht vordergründig um Schwarze Magie, sondern um eine Religion handelt, welche dem Katholismus entsprang und deren Ursprung in Zentralafrika liegt, als die Ureinwohner von den 'Weissen' versklavt wurden, wird in diesem Buch weder thematisiert, noch erwähnt. Die Thematik wird also nur anhand von Ritualmorden (und dies alles andere als ausführlich) beschrieben.
SÜDAFRIKA kennen wir 'Nordlichter' ebenfalls nur als eine der kriminellsten Regionen der Welt - und auch in diesem Buch werden wir in dieser Annahme scheinbar bestätigt. Viele möchtegern Gangsters treiben ihr Unwesen! Für mich als Leser wirkten diese jedoch allzu eindimensional und überhaupt nicht gefährlich, ob dies nun am Schreibstil oder an der eher erzwungenen Handlung liegt kann ich nicht beurteilen..
Ebenfalls will der gross angekündigte 'Konflikt' der beiden Ermittler in diesem Buch nicht wirklich aufkommen. Der eine ist gebürtiger Afrikaner, dunkelhäutig und mit grosser Ehrfurcht vor Muti und Ritualmorden, der andere ist ein leicht angeknackster Weisser, der die Kinder-Morden ohne Rücksicht auf Verlust aufklären möchte. Wie bereits erwähnt bleibt der grosse Konflikt (und er wurde doch extra auf der Rückseite des Buches gross angekündigt) aus. Viel spannender als der eigentliche Fall fand ich persönlich die Vorgeschichte der beiden ungleichen Ermittler. Der eine wird in seiner Kindheit beinahe von einem 'Hexer' entführt und entwischt somit knapp seinem Tod und der andere lebt in ständiger Faszination und Angst vor anderen 'Ungeheuern'.
Fazit: Für mich ist 'Blutige Ernte' weder Fisch noch Fleisch. Spannende Themen wie Voodoo, Albino's und die Kluft zwischen hell- und dunkelhäutigen Menschen im Süden Afrikas werden nur ansatzweise thematisiert. Wer ohne jegliches (Süd)Afrika/Ritual/Voodoo - Vorwissen einen Thriller lesen möchte, ist mit 'Blutige Ernte' gut bedient. Wer jedoch auf der Suche nach etwas mehr Tiefgang und Erklärung ist, wird mit diesem Buch nicht glücklich werden. Ich als absoluter 'Voodoo'-Junkie kann 'Voodoo' von Nick Stone wärmstens empfehlen. Dieser spielt zwar nicht in Afrika, sondern auf Haiti. Im Gegensatz zu 'Blutige Ernte' ist 'Voodoo' nicht nur ein sehr turbulenter sondern ein sehr informativer und gutrecherchierter Thriller!