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Pressestimmen
Katri A. Wessel, Jahrbuch für finnisch-deutsche Literaturbeziehungen Dezember 2008
»Trotz des Gut und Böse-Klischees setzt Remes auf eine ausgewogene Charakterdarstellung, indem er die Taten seiner Protagonisten sensibel motiviert. Sie tun nichts unbegründet, auch wenn wir ihnen oft nicht folgen wollen.«
Lausitzer Rundschau 14.01.2008
»In ›Blutglocke‹ beschreibt Ilkka Remes ein haarsträubendes Szenario, das so unwahrscheinlich gar nicht ist. Ein brutaler, russischer Mafia-Nachkömmling plant großenwahnsinnig, die Herrschaft über Deutschland zu erlangen.«
Ruhr Nachrichten 08.11.2007
»›Blutglocke‹ ist ein hervorragender Thriller auf internationalem Niveau. Mit Deutschland in der Hauptrolle.«
Bild am Sonntag 29.07.2007
»Remes` vierter ins Deutsche übersetzter Krimi ist etwas vom Besten, was verwöhnten Liebhabern des Genres passieren kann.«
Anzeiger Luzern 06.07.2007
»Illka Remes neuer Thriller ›Blutglocke‹ ist ebenso mitreißend wie unterhaltsam.«
gelbeseiten.de 19.06.2007
»Remes' verbrecherisches Imaginations- und Fabuliervermögen ist selbst in Skandinavien, das im Kriminalroman-Genre wiederholt Blutrunst-Maßstäbe gesetzt hat, unerreicht (...) Der Autor spielt virtuos und vor allem überraschend glaubhaft auf der Klaviatur menschlicher Urängste. Was wie eine Räuberpistole klingen mag, ist durchaus nahe einer vorstellbaren Realität angesiedelt. Das liegt vor allem an seiner Protagonistin Johanna Vahtera. Starke Frauenfiguren wie sie braucht auch der Lesestandort Deutschland. Und jemanden, der so phantasievolle Geschichten zu spinnen vermag, dass er der internationalen Spannungsliteratur zu ungeahnten Höhen verhilft.«
Die Welt
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Auszug aus Blutglocke. von Ilkka Remes, Stefan Moster. Copyright © 2007. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
scheppernd eine verrostete Mülltonne hinter ihm umwarf. Er blickte
vorsichtig um die Ecke eines grauen Gebäudes, zog aber sofort den Kopf
zurück.
Der alte Mercedes, den er nur allzu gut kannte, glitt langsam über die
verlassene Dorfstraße.
Nick rannte an der Mauer entlang hinter ein hellblau gestrichenes Haus und
blieb hinter einem der Nebengebäude stehen. Mit den Augen folgte er der
Telefonleitung von einem schiefen Pfosten zum nächsten und versicherte
sich, dass ein Kabel zu dem Haus abzweigte. Er schaute auf die Straße, um
sicherzugehen, dass ihn niemand sah. Dann ging er die Stufen zur Haustür
hinauf.
Der Wind pfiff an den Telefonleitungen. Nick klopfte energisch. Drinnen
hörte man jemanden rufen. Sogleich schlüpfte Nick in einen halb dunklen
Flur, in dem es stechend roch, und ging, ohne zu zögern, weiter ins Haus
hinein. In der Ecke eines kleinen Zimmers saß ein unförmig verfetteter
Mann, der einen rockähnlichen braunen Umhang trug. Er starrte Nick an und
knurrte: »Kto ty takoi?«
Nicks Blick flog auf der Suche nach einem Telefon über die bescheidene
Einrichtung. Er vollführte eine Geste, die an die Bedienung eines Telefons
erinnerte, und machte: »Telephone... ¬telephone... prrrr...«
Die Miene des Mannes hellte sich auf. »Ah... telefon...« Er deutete auf den
Nebenraum und rieb vielsagend den Daumen über Mittel- und Zeigefinger.
Nick nahm seine Omega vom Handgelenk und gab sie dem Mann. Dann lief er ins
Nebenzimmer. An der Wand war ein graues Telefon mit Wählscheibe
angebracht.
Erst da schlug eine traurige Erkenntnis in seinem Kopf ein: Er hatte nicht
die geringste Ahnung, wie man in Russland ein Auslandsgespräch führte.
Musste man es irgendwo anmelden? Wie lautete die Nummer der Zentrale?
Nick hörte Schritte und keuchenden Atem in seinem Rücken. Er drehte sich um
und merkte erst jetzt, dass er nicht allein im Zimmer war. Eine fadendünne,
gebeugte Frau kam aus der hinters¬ten Ecke auf ihn zu.
Nick deutete auf das Telefon. »Deutschland... Germany...« Mit fragender
Miene legte er einen Finger auf die Wählscheibe.
»Wy chotite sakasat meschdunarodny rasgowor?«, sagte die Frau und blieb
unmittelbar vor ihm stehen.
Die Zimmertür fiel zu.
Die Frau nahm den Hörer und steckte ihren zitternden Zeigefinger in ein
Loch der Wählscheibe.
Nick sah aus dem Fenster. Auf der Straße war niemand zu ¬sehen.
Nachdem die Frau drei Nummern gewählt hatte, reichte sie Nick den Hörer.
»Hallo... hello...«, sagte Nick.
»Kuda wy chotite?«
Nick hatte keine Ahnung, was die barsche Frau in der Zentrale wissen
wollte. Er antwortete, so deutlich er konnte: »I would like to phone to
Germany... do you speak English?«
»Of course. What number?«
Eine Welle der Erleichterung durchfuhr Nick. Er nannte langsam die Nummer
von Ninas Handy.
»Wait a moment, please.«
Nick presste den Hörer ans Ohr. Die runzlige Frau sah ihn mit
zusammengekniffenen Augen an. Nick nickte und zog eine Grimasse, die ein
Lächeln darstellen sollte. Er fragte sich, ob die Alte die Frau oder die
Mutter von dem Dicken im Nebenraum war. Draußen hatten Wolken den Himmel
verdunkelt, es war dämmrig im Zimmer und kühl wie in einem Keller.
In dem Moment sah er den schwarzen Mercedes aus der anderen Richtung die
Straße entlangkommen und das Tempo drosseln.
Nicks Atem beschleunigte sich.
Im Hörer war nichts als Rauschen. »Hallo...«, sagte er heiser und starrte
auf das Auto, das vor dem Haus anhielt.
Hatte der Dicke irgendein Zeichen gegeben? Oder war er hi¬nausgegangen?
Nick ließ den Hörer an der Schnur baumeln, machte zwei lange Schritte und
griff nach der Türklinke.
Die Tür war abgeschlossen.
Er nahm wieder den Hörer in die Hand. Die Frau musterte ihn abschätzig.
Nach wie vor rauschte es nur. Zwei Männer stiegen aus dem Mercedes und
gingen auf das Haus zu. Ihre Haare flatterten im Wind.
Jetzt war im Hörer das übliche Freizeichen zu hören. Guter Gott, mach, dass
Nina sich gleich meldet!
Es läutete und läutete. Nicks Herz hämmerte, als würde es jeden Moment
zerbersten. Er begriff, dass er bereit war, sein Leben zu opfern, damit
Nina und Sofia leben konnten. Das gab ihm neue Kraft.
Am anderen Ende der Leitung brach das Tuten ab.
»Nina Boyd«, meldete sich eine Stimme außer Atem. Im Hintergrund hörte Nick
ein Geräusch, das er sofort ihrer Haustür in der Husemannstraße zuordnete.
»Geh nicht in die Wohnung!«, sagte Nick.
Vor der Zimmertür hörte man schwere Schritte.
»Geh zur Polizei, auf der Stelle, und bleibe dort! Hast du verstanden?
JETZT SOFORT!«
Nick ließ den Hörer fallen, sprang ans Fenster und riss es auf.
Die Zimmertür öffnete sich.
Nick schob ein Bein nach draußen, aber noch bevor er das zweite Bein über
die Fensterbank bekommen hatte, kam ein Mann in Lederjacke zur Tür herein,
richtete eine Pistole auf ihn und brüllte: »Halt!«