Vermutlich kennt jeder irgendjemanden, der umso mehr redet, je weniger er zu erzählen hat. Ihm zuzuhören kostet Nerven. Ein Buch, das ebenso verfährt, kostet darüber hinaus Geld.
Eigentlich hat Kellerman eine Geschichte zu erzählen, die neugierig macht: Die Schauspielschüler Michaela und Dylan verschwinden. Nach einigen Tagen findet man sie; sie seien entführt und gefoltert worden, berichten sie, doch dies stellt sich als PR-Aktion heraus. Dann aber wird Michaelas Leiche gefunden; jetzt ist sie tatsächlich misshandelt worden. Zur gleichen Zeit verschwindet Dylan unauffindbar.
Man fragt sich, warum Kellerman daraus nicht das macht, was er erwiesenermaßen kann: Einen spannenden Krimi schreiben. Warum das endlose Geschwafel? Jede Figur, auch wenn sie nur in einer Szene auftaucht und nur dazu dient, ein Opfer zu finden, wird mit komplettem Lebenslauf eingeführt. Jeder Raum bis zur billigen Burger-Bude wird mit Innenausstattung, Beleuchtung und Kellneruniform beschrieben. Ganz zu schweigen von den Verhören und Befragungen, bei denen man sich erst zwei, drei Seiten durch das Sträuben des Zeugen und die Überredungskünste des Fragers lesen muss, um endlich an eine nicht immer relevante Information zu kommen. "Der Tag verstrich mit der geballten Bedeutung eines Korkens, der im Ozean vorbeitreibt" (S. 210), sogar eine solche Bemerkung hindert den Autor nicht, diesen Tag in Einzelheiten zu beschreiben. Und wenn man meint, der Mörder sei bekannt, gefasst und alles aufgeklärt, hat der Autor noch auf weiteren 50 Seiten belangloses Material unterzubringen. Dann hat er endlich seine 500 Seiten geschafft und darf aufhören.
Zu allem Überfluss hat sich für Kellermans Werk ein kongenialer Übersetzer gefunden, in dessen Wörterbuch sich Vokabeln wie "Carjacker", "Informercial" oder "Wilderness Outfitters" anscheinend in der falschen Spalte finden. Ganz zu schweigen, dass nicht einmal die verwegenste Reform der Rechtschreibreform für Phantasie "Fantasy" vorsieht.
Wenn es gegen Ende dann auch noch heißt: "Die nächste Woche war eine emotionale Bouillabaisse" (S. 484), kann selbst einem eingefleischten Fischgourmet die Gräte im Halse stecken bleiben.