Ein kurzes Vorwort von mir:
Es gibt Bücher, die sind so besonders, dass man ihnen mit ein paar Worten einfach nicht gerecht werden kann. Blutbraut ist eines davon.
Ich habe manchmal Probleme, meine Gedanken in Worte zu fassen. In meinem Kopf machen die Sätze noch Sinn, sobald ich sie dann aber niederschreiben will, hören sie sich nicht halb so sinnvoll an und sagen nicht mehr genau das aus was ich wollte. Oder zumindest drücken sie dann eine Empfindung nicht mehr ganz so stark aus.
Ich sage euch also vorher eines: Blutbraut ist wahrscheinlich eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe. Diesem Buch 'nur' 5 Sterne zu geben grenzt schon an Beleidigung. Denkt euch also einfach noch ein paar mehr Sterne dazu, stellt euch vor, wie ich dieses Buch atemlos verschlungen habe, wie ich meinen Tee habe kalt werden lasse, weil ich ihn beim Lesen schlicht weg vergessen habe, wie ich über manche Sätze lache, über manche weine, über manche wild mit den Händen fuchtle und bei den meisten einfach nur ein seliges Grinsen auf dem Gesicht habe. Dann könnt ihr vielleicht verstehen, was dieses Buch mit mir angestellt hat.
Was hat mir an dem Buch gefallen?
Wo fange ich nur an? Atmen, Lisa, atmen!!!
Blutbraut hat einfach alles, was man sich von einem modernen Jugend-Fantasy-Roman nur wünschen kann. Spannung, Romantik, wunderbar gezeichnete Charaktere, eine sehr durchdachte Handlung und einen überaus tollen Schreibstil.
Lucinda Moreira ist eine sehr starke junge Frau, die mit ihren fast 18 Jahren schon viel durchmachen musste und ein Leben auf der Flucht führt. Dennoch ist sie nicht verbittert oder niedergeschlagen, sondern nimmt das Leben wie es gerade kommt. Sie war mir von Anfang an sehr sympathisch und ich konnte mit ihr mitfühlen, mitbangen und habe wie sie das ein oder andere Mal vergessen zu Atmen.
Lynn Raven gibt keine ewig lange Einführung in Lucindas Leben, sondern schmeißt den Leser ziemlich bald ins kalte Wasser. Lucinda wird geschnappt. Von "seinen" Leuten. "Er" ist Lucindas größter Alptraum. Joaquín de Alvaro. Als sie ihm nach vielen Jahren das erste Mal wieder gegenübersteht sagt er:
'Sie hätten dich niemals finden dürfen, mi corazón.'
Das kann einem dann schon mal ein Schauer über den Rücken laufen. In diesem Moment war Joaquín für mich genau dasselbe wie für Lucinda. Ein Monster, der nur Lucindas Blut will und es sich immer dann nehmen wird, wenn er es braucht.
Doch schon in den nächsten Kapiteln wird klar, Joaquín ist nicht das, was Lucinda glaubt. Im Gegenteil. Er trinkt ihr Blut nicht, obwohl er es doch so dringend braucht. Er will ihr nicht wehtun, sondern sie beschützen. Vor den anderen und vor sich selbst. Natürlich versteht Lucindas das anfangs nicht. Für sie war Joaquín Zeit ihres Lebens Er, das Monster, das ihre Tante umgebracht und ihr Blut getrunken hat. Er war schon immer ein Monster. Oder nicht?
Nach und nach erfährt man mehr über Lucindas Vergangenheit; wie sie dazu 'verdammt' wurde, Joaquíns Blutbraut zu werden, wie sie flüchten konnte, warum sie bisher niemand gefunden hat und die Wahrheit über das, was in jener Nacht geschah, als ihre Tante gestorben ist. Zusammen mit Lucinda hält man immer wieder den Atem an und versucht zu verstehen, was Joaquíns wahre Hintergründe sind. Wer Joaquín in Wirklichkeit ist. Das eine ums andere Mal wird Lucinda der Boden unter den Füßen weggezogen und sie weiß nicht mehr, was sie glauben soll. Wem sie glauben soll.
Die Beziehung zwischen Lucinda und Joaquín ist sehr kompliziert. Dass er sie liebt und alles für sie tun würde ist einem als Leser schnell klar. Er bedrängt sie nie, hilft ihr, wo er nur kann. Nur eines kann er nicht tun: Sie von Santa Reyada fortgehen lassen. Nicht weil er sie wegen des Blutes braucht, sondern weil es da draußen einfach zu gefährlich für Lucinda ist. Sie ist also in einem goldenen Käfig gefangen. Lucinda will einfach nur weg. Flieht mehrmals, wird aber immer wieder von Joaquín gefunden. Sie kann ihre negative Haltung ihm gegenüber einfach nicht ablegen.
Mit der Zeit allerdings ändern sich Lucindas Gefühle für Joaquín. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander und er ist ihr gegenüber immer sehr zuvorkommend und fürsorglich. Als Leser weiß man natürlich schon vorher, dass ihre Gefühle sich geändert haben und man will ihr ins Ohr flüstern: 'Was soll er noch tun, um dir zu beweisen dass er dich liebt, dass er für dich sterben würde? Und du? Du liebst ihn doch auch. Sieh es endlich ein!' Das macht das Ganze aber umso glaubhafter. Nachdem Joaquín immer nur das Monster war, kann sie ja nicht nach ein paar schönen Stunden mit ihm alle ihre Vorurteile ablegen. Das wäre einfach zu naiv und unrealistisch gewesen.
Freut euch in Blutbraut auf eine Liebesgeschichte, die herzzerreißend schön ist. Sie hat mich zwischenzeitlich immer wieder an de 'Die Schöne und das Biest' erinnert.
Lucinda muss sich allerdings nicht nur mit ihrer größten Angst und ihren anderen Gefühlen auseinander setzten. Sie schwebt in Gefahr, denn auch andere haben es auf sie abgesehen und wollen sie und Joaquín gerne tot sehen. Es kommt zu Kämpfen, aus denen Lucinda und Joaquín zwar lebend, aber schwer verletzt herauskommen. Als Leser weiß man immer vorher schon, dass etwas passieren wird, weil es neben den Kapiteln, die aus der Sicht von Lucinda und Joaquín geschrieben sind, auch Kapitel gibt, die aus der Perspektive einer dritten Person geschildert werden und die Böses erahnen lassen. In Joaquíns Reihen befindet sich ein Verräter, der nach Macht strebt. Dem Leser ist ziemlich bald klar, wer es ist, aber Lucinda und Joaquín haben keine Ahnung. So verfolgt man also die Geschehnisse mit Spannung und man hofft darauf, dass alles bald ein Ende hat, damit Lucinda und Joaquín sich endlich näher kommen. Macht euch auf ein atemberaubend spannendes Finale gefasst!
Auch die vielen Personen um Joaquín hat man bald 'erforscht' und ins Herz geschlossen. Rafael, Joaquíns besten Freund, dann noch Férnan, den Arzt, Soledad, seine Frau und ebenfalls Blutbraut, Rosa, den 'Poltergeist', der nach Lavendeln riecht'. Es gibt so viele tolle Charaktere, die alle sehr tiefgründig und einzigartig sind.
So, jetzt habe ich schon 1000000000 Sachen zu dem Buch geschrieben und ich könnte immer noch weiter machen.
Eine letzte Sache wäre da aber noch.
'Sie hätten dich niemals finden dürfen, mi corazón.'
Dieser Satz, der einem im ersten Kapitel das Blut in den Adern gefrieren lässt, wird am Ende noch einmal wiederholt. Da hat er mich nicht mehr in Angst und Schrecken versetzt, sondern mich zu Tränen gerührt, weil ich endlich verstanden habe, was dieser kleine Satz in Wahrheit bedeutet hat.
Fazit:
Lest es und lasst euch verzaubern!