Einst vorweg, die negativen Kritiken sind für mich nachvollziehbar, auch wenn ich ihnen nicht zustimmen kann. ---- Harding verknüpft diesmal zwei Kriminalfälle geschickt miteinander. (Hinzu kommt noch eine - nicht sonderlich interessante - Liebesgeschichte mit hinderlichen Verwandtschaftsverhältnissen, die allerdings mit beiden Handlungen nur lose verbunden ist.) ------ In beiden Kriminalfällen setzt er traditionelle Techniken ein. Im Fall 1, auf den sich der Titel bezieht, geht es um die klassische Suche nach dem (Doppel-)Mörder. (Dieser ist gut plaziert, er hat ein - für einen Kriminalroman - plausibles Motiv und ist wirklich unverdächtig.) Durch die Kombination mit einer - für die Leser/innen trotz belastender Indizien - unschuldig Verdächtigen, die nur knapp der Hinrichtung entgeht, entsteht die eigentliche Spannung. Denn Bruder Athelstan ist diesmal keineswegs daran interessiert, den Fall aufzuklären, da er mit einem weiteren Mordfall beschäftigt ist, von dessen Aufklärung das Schicksal seiner Pfarrgemeinde abhängig ist. (Hier verwendet Harding eine andere traditionelle Methode, die Täterfiguren stehen für Athelstan fest, es gilt sie zu überführen und den Tathergang zu klären.) Harding setzt diesmal mehr auf psychologisch aufgebaute Spannung. Die spektakulären Elemente sind daher (im Gegensatz zu anderen Romanen aus dieser Serie) zurückgedrängt, auch eine Hofintrige fehlt. Ob die historischen Rechtsdetails authentisch sind, habe ich nicht überprüfen können, immerhin geben sie dem historischen Hintergrund exotisches Kolorit.-------- FAZIT: Insgesamt ist „Blutacker" ein gelungener Kriminalroman. [Als Schwäche empfinde ich allerdings, dass Harding sämtliche Figuren aus anderen Romanen, z.B. den Vikar der Hölle aus „Tödliche Rätsel" auftreten lässt. (So gerne ich die Auftritte alter Bekannter in Hardings Romanen sonst genieße, diesmal hat er es übertrieben.)] Für Fans dürfte dieser Roman allerdings kein uneingeschränktes Lesevergnügen sein. Gewöhnlich liegt die eigentliche Ausstrahlung dieser Kriminalserie nämlich nicht aus den - oft interessant gestalteten - Kriminalfällen und deren Aufklärung, sondern entsteht durch die beiden Detektivfiguren und ihr Umfeld. Und gerade die unterhaltsame Figur des Coroners hat diesmal kaum einen für sie typischen Auftritt.