Anne Rice sollte eigentlich mal nach Deutschland kommen. Denn nirgendwo hat sie so fanatische Fans wie hier. Egal, was Anne schreibt, alles MUSS supertoll sein und wehe, es wagt einer auch nur ganz vorsichtig anzumerken, dass doch irgendwie mal Zeit für etwas wirklich Neues wäre. So wie damals der Schritt vom ersten Band "Gespräch mit dem Vampir" zu "Fürst der Finsternis" etwas ganz Neues brachte. Lestat hätte auch einfach den ersten Roman nochmal erzählen können...
Denn genau das geschieht, wenn man einmal kritisch hinschaut, in den meisten neueren Bänden der Reihe: Anne Rice erzählt immer wieder die gleiche Geschichte. Mögen auch mal ein paar neue Charaktere auftreten, so wiederholt sich doch soviel an schon Erzähltem, dass es einem Leser, der mehr von Büchern erwartet als schöne Beschreibungen von Innenausstattungen und Kleidung, doch zu langweilen beginnt.
Das gesagt, finde ich allerdings "Blut und Gold" noch den besten Roman der zuletzt erschienen. Was vor allem darin liegt, dass mit Marius endlich auch ein ganz neuer Ich-Erzähler Typ auftritt. Marius ist nicht so introspektiv wie Rices sonstige Vampire, er ist ein eher ernster und sachlicher Charakter, der seine Probleme nicht lange begrübelt, sondern tatkräftig angeht.
Am interessantesten fand ich daher auch Marius' Zeit mit Mael und Avicus, wie er mit den beiden an seinen Fähigkeiten arbeitet und über sich selbst etwas lernt. Marius' Sicht von Armand als Charakter war sicher auch interessant, doch zuviele, schon aus "Fürst der Finsternis","Der Vampir Armand" und "Pandora" bekannte Dinge wurden einfach nochmal erzählt.
Fazit: Fünf Punkte für Marius als Charakter, 2 Punkt Abzug für die leider nur zur Hälfte originelle Story.
Und bitte - jedem ist es frei gestellt, eine eigene Meinung zu bilden. Auch, ob man das Buch lesen will. Dazu sind Rezensionen ja da, nicht? ;)