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Blumenberg: Roman
 
 
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Blumenberg: Roman [Gebundene Ausgabe]

Sibylle Lewitscharoff
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (13 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

Leseprobe Jetzt reinlesen [PDF]
  • Gebundene Ausgabe: 220 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 4 (12. September 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518422448
  • ISBN-13: 978-3518422441
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 12,8 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (13 Kundenrezensionen)
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Sibylle Lewitscharoff
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Enorme Sprachkunst, feiner Witz und metaphorische Vertracktheit  könnten den Roman zu einem Star des Herbstes werden lassen.«

(Matthias Waha Süddeutsche Zeitung )

»Sibylle Lewitscharoff taucht in die Sprache ein wie eine Schwimmerin in die farbenprächtige Unterwelt der Südsee. So leicht, so vielgestaltig und wortfreudig, sogar worterfinerisch sind zur Zeit nur wenige deutsche Schriftsteller … Sibylle Lewitscharoffs Roman ist eine Hommage an diesen fast verwirrend vielseitigen, genialen Denker, den sie bewundernd ent- und verrätselt. Aber die Schriftstellerin nähert sich seinem Denkgebäude gleichzeitig völlig unbefangen, mit einer so augenzwinkernden Heiterkeit, so einer zauberischen sprachlichen Leichtigkeit, dass man als Leser nicht weiß, was man mehr bewundern soll: ihre Bildung, ihre Intelligenz oder ihre wortschöpferische Kraft.«

(Jutta Duhm-Heitzmann WDR 5 )

»Sibylle Lewitscharoff hat das alte Bündnis von romantischem Roman und Philosophie glänzend erneuert.«

(Lothar Müller Süddeutsche Zeitung )

»So, wie der grandiose Stilist Blumenberg die Literatur und das Fabulieren umarmte, auf deren spezifischer Wahrheit er im Interesse umfassender menschlicher Selbsterkenntnis bestand, umarmt Lewitscharoff mit ihrem Sprachwitz die Philosophie.«

(Gregor Dotzauer Tagesspiegel )

»Man braucht sich in Blumenbergs Werk nicht auszukennen auch nicht in Platons. Man braucht ebenso wenig andere Philosophen zu erkennen, die im Roman umhergeistern. Man benötigt, um in den Genuss dieses blitzgescheiten, fantasieüppigen Romans zu kommen, allein die Bereitschaft, im abgesicherten Denkgebäude ein paar Fenster und Türen zu öffnen.«

(Silvia Hess Aargauer Zeitung )

»Ein großes, geglücktes Ausnahmebuch.«

(Der Spiegel )

»Blumenberg ist ein faszinierender Philosophenroman - im hoch literarischen Löwenpelz.«

(Jutta Person Cicero )

»Vor allem überzeugt diese Blumenberg-Fantasie durch die gewitzte, bildkräftige, präzis-prziöse Sprache, mit der Lewitscharoff ihren Rang als eine der stärksten Stilistinnen der deutschen Gegenwartsliteratur festigt.«

(Wolfgang Schneider Deutschlandradio Kultur )

»... und schon jetzt kann man sagen, dass sie in Berlin lebende Schriftstellerin damit einen der bedeutensten und wohl auch erfolgreichsten Romane in diessem herbst vorgelegt hat.«

(Gerrit Bartels Tagesspiegel )

»Sibylle Lewitscharoff macht schon auf den ersten Seiten klar: Hier wird der Ton von oben angesungen – im mittlerweile berühmten Lewitscharoff-Sound – und: hier geht es um was. Nichts weniger als die Philosophiegeschichte, ein Abrechnen mit scheinbar letzten Gewissheiten und eine neue Demut stehen auf dem Programm dieses phantastischen Romans.«

(Silke Behl radio bremen/ Nordwestradio )

»Sibylle Lewitscharoffs Blumenberg ist ein königliches Lesevergnügen.«

(Patrick Bahners Frankfurter Allgemeine Zeitung )

Kurzbeschreibung

Groß, gelb, gelassen: mit berückender Selbstverständlichkeit liegt eines Nachts ein Löwe im Arbeitszimmer des angesehenen Philosophen Blumenberg. Die Glieder bequem auf dem Bucharateppich ausgestreckt, die Augen ruhig auf den Hausherrn gerichtet. Der gerät, mit einiger Mühe, nicht aus der Fassung, auch nicht, als der Löwe am nächsten Tag in seiner Vorlesung den Mittelgang herabtrottet, sich hin und her wiegend nach Raubkatzenart. Die Bänke sind voll besetzt, aber keiner der Zuhörer scheint ihn zu sehen. Ein raffinierter Studentenulk? Oder nicht doch viel eher eine Auszeichnung von höchster Stelle – für den letzten Philosophen, der diesen Löwen zu würdigen versteht? Das Auftauchen des Tieres wirkt in mehrerlei Leben hinein, nicht nur in das Leben Blumenbergs. Ohne es zu merken, gerät auch eine Handvoll Studenten in seinen Bann, unter ihnen der fadendünne Gerhard Optatus Baur, ein glühender Blumenbergianer, und die zarte, hochfahrende Isa, die sich mit vollen Segeln in den Falschen verliebt. »Blumenberg« ist nur nebenbei eine Hommage an einen großen Philosophen, vor allem ist es ein Roman voll mitreißendem Sprachwitz, ein Roman über einen hochsympathischen Weltbenenner, dem das Unbenennbare in Gestalt eines umgänglichen Löwen begegnet.

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48 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Der Löwe auf dem Teppich 20. September 2011
Von Sarah O. TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Sibylle Lewitscharoffs Roman "Blumenberg" beginnt im Mai 1982.
Eines Nachts - der Philosoph und Münsteraner Universitätsprofessor Blumenberg geht seiner allabendlichen Arbeitsroutine nach - liegt plötzlich ein Löwe mitten auf dem Teppich seines Arbeitszimmers. Nicht mehr der Jüngste, aber dennoch majestätisch und imposant, wird der Löwe ein ständiger Begleiter Blumenbergs, gibt ihm Kraft, besucht ihn jeden Abend in seinem Arbeitszimmer, fährt auf der Rückbank seines Autos mit und taucht in seiner Vorlesung zum Thema "Trost" auf. Keiner der Studenten kann den Löwen sehen, doch vier scheinen seine Anwesenheit zu spüren.
Isa, die junge Frau aus der ersten Reihe, die sich in einer an Besessenheit heranreichenden Verliebtheit in Phantasien mit ihrem Professor flüchtet, Gerhard, ihr Freund und der wohl begabteste Student Blumenbergs,durch den frühen Tod beider Eltern ein Waise, Richard, der von Südamerika träumt anstatt vom Abschluss seines Studiums und Hansi, ein Poet, den keiner versteht und fast alle für schwachsinnig halten.

Sibylle Lewitscharoff webt in ihrem Roman eine Geschichte um Blumenberg und diese vier Studenten. Schnell wird klar, dass jeder seine Probleme hat und einen Unterstützer wie den Löwen gebrauchen könnte. Der Philisoph Blumenberg ist in seinen biographischen Daten mit dem realen Philosophen Hans Blumenberg identisch, der Romanheld und auch seine Familienmitglieder lassen aber den Vornamen vermissen, die Handlung ist rein fiktiv.

Charmant und melodisch wirkte auf mich der Stil dieses Romans. Die Sprache ist mutig, nicht alltäglich und um keine Neuschöpfung verlegen. Hinzu kommt eine ordentliche Portion Witz, ein wenig Ernsthaftigkeit in den Schicksalen der Protagonisten und ein fulminantes, der Realität entgültig entflohenes Ende.

Sehr gelungen finde ich auch die Einschübe des "Erzählers", in welchen "er" auf sehr unterhaltsame Weise sein oft grausames Vorgehen mit seinen Figuren rechtfertigt oder seine Wissenslücken und dichterischen Freiheiten eingesteht.

Insgesamt ist "Blumenberg" besonders durch das intelligente Sprachtalent der Autorin für mich ein Roman, der in der heutigen Literatur seinesgleichen sucht.
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36 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
zu nah, zu fern 11. Oktober 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Sieben Jahre lang, bis zu seiner Emeritierung, habe ich nahezu jede Vorlesung Hans Blumenbergs (1920-1996) gehört - Blumenberg hielt zu meiner Zeit nur noch Vorlesungen, eine war als "Kolloquium" getarnt, das hieß, im Prinzip war es möglich, Fragen zu stellen, allerdings mußten sie mindestens eine Woche vorher schriftlich eingereicht werden. Ihre Beantwortung stand in den Sternen der kopernikanischen Welt, und manches Mal glomm sie auf und erlosch wie ein Meteor. Frage: "Wie ist Ihr Verhältnis zu Habermas?" Blumenberg: "Gut." Sprechstunden hielt er nur "nach Voranmeldung", und es brauchte Mut, sich voranzumelden. Dennoch, an einem dunklen Herbstabend des Jahres 1979 war ich in Blumenbergs Sprechstunde. Er empfahl mir Platon, riet entschieden von Aristoteles ab, band mein Fortkommen als Philosph aber daran, daß ich Kants "Kritik der reinen Vernunft" zu lesen habe. "Seite für Seite, auch die Fußnoten", dazu solle ich Notizen erstellen, diese "in einem Schuhkarton" sammeln und im folgenden Jahr mit ebendiesem Schuhkarton wieder bei ihm erscheinen. Das tat ich, zwei Jahre später. Blumenberg sah am Schuhkarton vorbei und empfahl mir als Anschlußlektüre Georg Simmels "Philosophie des Geldes". Ich las stattdessen Blumenbergs Schriften; heute steht alles, was zu Lebzeiten und nach seinem Tode von ihm und über ihn erschienen ist, hinter mir im Regal.
Und dann, aus solcher Nähe, einen Roman über ihn lesen, geschrieben von einer Autorin, die Hans Blumenberg womöglich gar nicht gekannt, nie gesehen, nie gehört hat? Ich habe ein paar Wochen lang gezögert, das Buch dann aber doch gekauft, aus Sammlertrieb, wie ich gestehe, um meine Blumenbergiana lückenlos zu lassen.
Konzeptionell ist "Blumenberg" kein guter Roman; die selbstreflexiven Autoreinschübe wirken unmotiviert, nach zwei Dritteln des Buches gehen Lewitscharoff die Ideen aus, der Rest ist zusammengestückt. Die Nebenfiguren bleiben weitgehend uninteressant, daß sie allesamt sterben, mag angehen, am Leben bleiben könnten sie auch. Vor allem aber: Lewitscharoff findet nicht den rechten Abstand. Minutiöse biographische Nähe auf der einen Seite, die sich Auskünften von Blumenbergs Tochter Bettina verdankt, erstaunliche Ferne zum Denker Blumenberg auf der anderen. Seine Philosophie, deren zentrale Stücke griffig genug sind - "Säkularisierung als Selbstbehauptung", "Arbeit am Mythos", "der Absolutismus der Wirklichkeit" -, tropft durch die Seiten wie dünner Kaffee durch einen Filter.
Und doch, trotz allem, habe ich das Buch gerne gelesen, weil Lewitscharoff klassisch schöne Prosa schreibt, und weil der Löwe da ist. Ein emblematischer Einfall, der selbst Blumenberg gefallen hätte (vgl. Hans Blumenberg, Löwen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2010).
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
"Man geht zu Grunde, wenn man immer zu den Gründen geht."
(Friedrich Nietzsche, KSA 13)

Auf dieser sehr klaren Basis Nietzsches lässt sich Blumenberg verstehen, der selbst einmal schrieb: "Mein Resultat ... ist, daß die Philosophie etwas von ihrem lebensweltlichen Ursprung aus der Nachdenklichkeit zu bewahren, wenn nicht zu erneuern hat. Kultur ist auch Respektierung der Fragen, die wir nicht beantworten können." Ihm, dem großen Philosophen Hans Blumenberg (1920-1996), eine Hommage zu erweisen, ist das gelungene Anliegen dieser brillanten Autorin. Sie möchte ich einordnen in die moderne Reihe von jungen Schriftstellern, die sich reale Personen als Anlass nehmen, biographische Real-Fiktion zu schreiben. Alissa Walsers Am Anfang war die Nacht Musik ist so ein Beispiel, in dem der Magnetismus Mesmers beleuchtet wird und ebenso die wunderbare Schopenhauer Replik von Poschenrieder: Die Welt ist im Kopf ist hier zu nennen.

So gelingt es auch Sibylle Lewitscharoff (1954- ) mit Sprache, Gefühl und Verstand sich dem Münsteraner Professor zu nähern, dem in seiner Philosophie die "absolute Metapher" von besonderer Bedeutung war. Und tatsächlich scheint hier deutlich zu werden, dass all dem Anschaubaren etwas Begriffliches gegenübersteht, allen Begriffen jedoch nicht immer eine Anschauung, ja nicht einmal eine Imagination zu Hilfe kommt. Diesen Dingen, Begriffen, die sich jeder Anschauung entziehen, ein anschauliches Bild zu geben, ist eben jene absolute Metapher, die auch hier entwickelt wird.

Diesem Blumenberg erscheint ein Löwe, mal ist er da, mal nicht. Sich ihm zu nähern scheint sicher, ihn zu erreichen fast unmöglich. Zumindest ist er so etwas wie ein alter ego, der die Besonderheiten anderer Seiten spiegelt. Dass in der Universität unterschiedliche Studenten ihn "bemerken", ist nicht verwunderlich. Es sind vier, denen es gelingt. Sie sitzen so verstreut im Hörsaal, als wenn sie aus den vier Himmelsrichtungen ihn beobachten, wenn man will aus der Perspektive der Welt. Und so wie Blumenberg aus der Sprache Ideen, Zusammenhängen und Philosophie entwickelt, so auch diese Autorin. Sie verfolgt im Grunde ihre Ideen in der typischen Art Blumenbergs und führt und verführt den Leser so, teilzunehmen an einer bildhaften und ebenso themenhaften Genese seiner Wissenschaft. Die Betrachtung von allen Seiten ist eine Entwicklung, die zu dieser "Lesbarkeit der Welt" führt, in der ein Gedanke den anderen beflügelt; und über sich hinaus in eine höhere Welt wächst.

Und so lesen Sie von Wahrheit, von Trost, von der Tiefe der Fragen und spüren auch den Sarkasmus oder eine sanfte Ironie, wenn mit spitzen Fingern, Flaschen entsorgt werden und dabei das Trostbedürfnis im Verhältnis zur Trostunfähigkeit behandelt wird. Und alles was erzählt wird, ist eben auch endlich. Denn es gilt zu wissen, wo die Zuständigkeiten eben enden und sonstiges beginnt. Es beginnt dieser Roman mit dem Jahre 1982, Blumenberg als Professor in Münster, wohnhaft im beschaulich münsterländischen Altenberge und er endet über die brennenden Fragen nach Wahrheit, Liebe und Tod mit der zweiten Menschwerdung in Poesie: aus der Verwesung des Adam folgt ein geistlich Auferstehen. Für Blumenberg galt dieses jedoch: "Wir leben nicht lange genug, um zu werden, was wir sein können, weil wir zu lange zu lernen haben, was wir sein müssen, um leben zu können."

Es ist eben ohne Metaphysik nichts zu machen, wenn es um die Nachdenklichkeit gut bestellt ist.

Und der Löwe bleibt in der Vielfalt seiner historisch-philosophisch-literarischen Bedeutungen und erhebt doch durch mystische, gar Nonnen bezeugte Anwesenheit Blumenberg anerkennend in den Himmel der letzten großen Philosophen. Blumenberg erhält diese Ehre mit dieser Hommage jedoch so vollendet, dass das Rätsel des Löwen und den Menschen ihr Ergründen bewahrt bleibt.

Intelligente, sprachlich eindrucksvolle Romangestaltung mit Leseempfehlung.
~~
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