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Produktinformation
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Auch in seinem zweiten Kriminalroman um Inspektor Simon Polt ist Alfred Komarek auf eindrucksvolle Weise die Beschreibung einer zerfallenden ehemals bäuerlich geprägten Welt gelungen, der Welt des Weinviertels an der Grenze zu Tschechien. "Kleine" Kriminalfälle des Alltags werden zum Gegenstand des Handlung, die durch ihre fast sinnlich wahrnehmbare Atmosphäre in Bann schlägt. Kauzige Figuren, eine unglaublich fein gewobene Liebesgeschichte, die sich auch durch den den zweiten Polt-Roman zieht, und die zurückhaltende, von tiefem Verständnis für die gewachsene dörfliche Gemeinschaft geprägte Ermittlungsarbeit Polts ergeben einen wunderschönen Roman ganz in der Tradition des großen Friedrich Glauser. --Ulrich Deurer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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Im fiktiven Wiesbachtal, haben die Menschen – im landläufigen Milieu – durchaus übliche Begriffe für den behinderten Willi. So bezeichnen sie ihn als seelenloses Wesen, Idioten, oder Lebensunwürdigen – er stört das pseudoidyllische Bild der Gegend. Vom Besitzer der Riede „toter Hengst“, in der er sich so gerne aufhält und wo sich seine Lieblingsplätze zum Träumen befinden, wird er so recht und schlecht gemieden, von den Kindern des Ortes, denen er einen wichtigen, weil geheimen Treffpunkt – die Höhle im Lößabsturz unterhalb der Riede - aufgrund seiner Anwesenheit, streitig macht, wird er verlacht und verspottet. Gegen Ende des Romans stellt sich heraus, dass ihn sogar der eigene Vater für einen Kretin, mit verblödetem, unerträglichem Grinsen hält – er ist es auch, der ihn tötet. Willi’s Tod, wird als eine Verkettung unglücklicher Umstände beschrieben: Vom Weingartenbesitzer erschreckt, stolpert er über die absichtlich ausgesteckten Beine der ihn veralbernden Kinder – er stürzt den Lößabsturz hinunter – und überlebt! Sein Vater, der ihn schon nach der Geburt verstoßen hat, findet – und tötet – ihn!
Willi selbst wird als äußerst gutmütig, ruhig und etwas ängstlich den Menschen gegenüber, die ihm negativ gegenüber treten, beschrieben. Positive Erfahrungen macht er eigentlich nur mit Antonia Raab - die ihn als Findelkind bei sich aufnahm - bzw. mit Simon Polt, die sich als einzige Burgheimer mit ihm so beschäftigen, wie man es als Behindertenbetreuer eigentlich von allen Ansässigen erwarten würde. Raab und Polt sind auch diejenigen, die seine Züge eher als alterndes Kindergesicht, denn als zerfurchte Fratze bezeichnen.
Es handelt sich hier um einen Roman mit fiktiver Handlung – trotzdem beschreibt
ein Artikel, über - den zu diesem Zeitpunkt noch lebenden - Willi, in einer
Lokalzeitung ganz gut, wie Behinderte von ihrer Umwelt oft wahrgenommen
werden – für jeden sozial normaldenkenden Menschen erschütternd. Nach einigen
einleitenden Zeilen, steht geschrieben:
Willi hatte noch Glück. In den grausamen Wirren der Nachkriegszeit blieb sein kaum erwachtes Leben verschont. Von unbekannten Eltern gleichgültig und herzlos weggelegt, fand er Erbarmen. Es ist für ihn gesorgt. Doch kann der mit klarem Verstande gesegnete Betrachter bei diesem gedankenleer verdämmernden Leben von Glück schreiben? Mag sein, dass Willis Eltern längst gestorben sind, doch mit ihren Gebeinen liegt ihre Schuld nicht mit begraben. Aus dem Schweigen ihres unglückseligen Kindes tönt das Fanal bitterer Anklage und ungesühnter Schuld. Sein leeres Gesicht spiegelt die Fratze jener wieder, die ihn verantwortungslos gezeugt und allein gelassen haben. Waren sie womöglich wie er gewesen? Gedankenlos dem dumpfen Drängen tierischer Triebe folgend? Wir werden es wohl nie erfahren.
Komarek ist nicht nur imstande die Landschaft und Bevölkerung des Weinviertels so zu schildern, dass der Leser sich räumlich und emotional in den Roman einleben kann, er dürfte auch engen Kontakt zu Menschen mit geistiger Behinderung, bzw. deren Umfeld gehabt haben – ansonsten wären Beschreibungen wie im Roman gebraucht, wohl kaum möglich.
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