Der Titel deutet bereits auf die Thematik dieses Gedichtbandes hin: "Blues in Schwarz Weiß" sind nachdenkliche Gedichte über "schwarz" und "weiß". May Ayim entführt uns die Welt ihrer Wahrnehmung und Gedanken: Sie erzählt in den meisten ihrer Gedichte, was geschieht, wenn Menschen verschiedener ethnischer Herkunft in Deutschland aufeinandertreffen. "Afro-Deutsch I." und "Afro-Deutsch II. beispielsweise konfrontieren uns mit typisch deutschen Vorurteilen gegenüber afro-deutschen Mitbürgern. Diese beiden Gedichte sind als Dialog geschrieben, in denen der Sprecher sein Gegenüber kaum zu Wort kommen läßt und sich als oberflächlicher Alleswisser aufbauscht. Wir finden uns als Leser in der Rolle des stummen Gegenübers wieder und beginnen, die zwischen-etnischen und multikulturellen Verhältnisse in Deutschland aus einem neuen Blickwinkel zu sehen. Mehr gegenseitiges Verständnis wird einfacher, wenn man versucht, sich in die Lage des anderen zu versetzen. Gerade diese Aufgabe ist es, die May Ayim in ihren Gedichten brillant umsetzt. Viele der Gedichte scheinen aus ihrer unmittelbaren persönlichen Erfahrung geschrieben zu sein und wirken daher so bewegend. Sie scheinen die direkte Transformation ihrer Gedanken und Gefühle zu sein, die ihre innerliche Zerrissenheit ausdrücken. Ganz besonders empfehlen kann ich das Gedicht "gegen leberwurstgrau - für eine bunte Republik", da es eins der wenigen Gedichte ist, die einen gewissen hoffnungsvollen oder zumindest auffordernden Anklang haben. Themen wie Freundschaft, Politik, Liebe sind ebenfalls in den Gedichten vertreten. Was sie so besonders macht, ist ihr sozialkritischer, nachdenklicher Charakter. Wer lernen möchte, unsere Gesellschaft unter einem ganz anderen Licht zu betrachten und gleichzeitig eine neue Generation von Gedichten kennenlernen möchte, sollte May Ayims Gedichte unbedingt lesen! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)