Spätestens seit dem geradezu phänomenalen Erfolg von John Lee Hookers "The Healer" ist das Konzept nicht gerade neu: Man nehme einen alternden Bluesstar, bringe ihn mit seinen jüngeren, selbst erfolgreichen Bewunderern zusammen und nehme eine Platte auf. Daß diese Methode auch gründlich schiefgehen kann, bewies BB King 1997 mit seiner in jeder Beziehung mißlungenen CD "Deuces Wild". Drei Jahre zuvor jedoch ging das Konzept voll auf und als Produkt entsand mit "Blues Summit" ein äußerst empfehlenswertes Album. Wie der Name schon erahnen läßt, trifft der Meister auf "Blues Summit" auf allerlei Blues Stars, welche anders als bei den Hooker-Scheiben schwarzer Hautfarbe sind. Die Liste der klangvollen Namen ist lang: Albert Collins, Buddy Guy, Ruth Brown, Robert Cray, Lowell Fulson, Etta James, Koko Taylor, Irma Thomas, John Lee Hooker und Katie Webster sind alle mit von der Partie - durchweg erstklassige Künstler, die selbst auf lange, erfolgreiche Karrieren zurückblicken können. Zu dieser Konstellation paßt dann auch die Auswahl an mehr oder minder gängigen Bluesklassikern, die man einer no-name Bluesveröffentlichung nicht durchgehen lassen könnte. Aus den eigentlich durchgängig hochwertigen Umsetzungen des wohlbekannten Materials ragen besonders Kings Duette mit den Bluesladies hervor. Die beschwingte Version von Little Miltons Klassiker "We're Gonna Make It" dürfte dabei sogar die mitreißendste Interpretation sein, die ich bislang von diesem Soul-Blues-Standard gehört habe. Ein besonderes Lob verdient auch der im Duett mit Robert Cray gespielte (und von dem Soul-Blueser eigens für diesen Anlaß verfaßte) Song "Playing With My Friends".
Insgesamt ist das Album in jeder Beziehung gelungen - Produktion, Sound, Aufmachung des Booklets - "Blues Summit" ist abwechslungsreich und toll gespielt, ein Produkt, welches sowohl Bluesfreaks als auch ein in dem Genre nur wenig bewandertes Publikum anspricht. Absolut empfehlenswert!