Das Album "Blues from Laurel Canyon" von John Mayall begleitet mich seit seinem Erscheinen 1968. Der musikalische Bericht einer Reise nach L.A., vom Hinflug bis zum Abflug, ist heute noch genauso faszinierend wie einst. Der Laurel Canyon, ein Teil der Hollywood Hills, war zu jener Zeit das Mekka der Rockstars. Alle die Rang und Namen hatten, waren dort zu finden. Es muss aufregend gewesen sein, wie sie dort alle abhängten und genau das vermittelt diese Suite. Alle Songs fließen ineinander über, es gibt keine Pausen dazwischen.
Es beginnt mit dem Geräusch eines Flugzeugs und der Schilderung des zehn-Stunden Fluges von England ("Vacation"). Nun sind wir in L.A. und spazieren am Sunset Boulevard ("Walking on Sunset"), eine freundliche Atmosphäre. Endlich im Laurel Canyon angekommen, entspannte Stimmung, alles ist wunderbar ("Laurel Canyon Home"). Nun zu Besuch bei einem Idol ("2401" - Zappa's Hausnummer), aufwühlend. Jetzt noch eine Liebschaft finden und alles wäre OK ("Ready to Ride"), voller Erwartung. Kein Glück, viel Pech, der Medizinmann soll's richten ("Medicine Man"). Jemand ist so selbstverliebt, benimmt sich einfach kindisch ("Somebody's Acting Like a Child"). Ich besuche "The Bear", den schwergewichtigen Leadsänger von Canned Heat, Bob Hite, der aalt sich im Schatten. Ich treffe auf "Miss James", die berühmte Catherine James, eine Überraschung. Endlich allein mit dir, so entspannend, so intim, endlich Frieden ("First Time Alone"). Spät nach Mitternacht habe ich Sehnsucht nach meinem Mädchen und ich warte ... ("Long Gone Midnight"). Alles ist vorüber, ich muss packen, morgen fliege ich ("Fly Tomorrow").
Es ist der reine Blues, aber in so vielen Varianten angeboten, einfach zum Staunen. Mal schnell und reißend, dann wieder entspannt und ruhig, fast bis zur Stille. Was hier Mayall und seine Band - Mick Taylor, Gitarre, Stephen Thompson, Bass und Colin Allen, Schlagzeug - in nur drei Tagen gezaubert haben ist beeindruckend. John Mayall ist sowohl textlich wie musikalisch ein genialer Songwriter und lieferte so den Boden für die Entfaltung all dieser Talente.
"Blues from Laurel Canyon" ist ein Superalbum, für mich eines für die Insel. Was hier an spielerischer Raffinesse von den beteiligten Musiker eingebracht wurde und wie sie die verschiedenen Stimmungen von erwartungsvoll, staunend, froh angekommen zu sein, aufgewühlt, enttäuscht, überrascht, besinnlich, etc. umsetzten verdient höchste Anerkennung.
Die Remaster Ausgabe bietet zwei Bonustracks, die eigentlich entbehrlich sind: die Single-Version von "2401" in mono und ein Live-Stück.