Wenn man die erste Mundharmonikaschule durch hat und sich für den Blues entschieden hat, dann braucht man Playalongs. Die gibt es in unendlicher Zahl. Zu den Playalongs braucht man dann Rat und Hilfe, was man dazu spielen könnte. Hier entsteht immer der Widerstreit: Gibt der Autor zu genau vor, was man spielen soll, kann dies den Ehrgeiz selbst zu improvisieren senken. Macht er keine Vorgaben, steht der Schüler hilflos da. Steve Baker geht hier einen Mittelweg, indem er die ersten 12 Takte jeweils ausnotiert und zwar in Notenschrift und in Tabs und zusätzlich in Worten ausführlich beschreibt, worauf beim Spiel zu achten ist. Die weiteren Takte spielt er vor, hat sie aber nicht ausnotiert. Das ermutigt zum Selbst-Improvisieren aber auch zum Zuhören und Nachahmen. Letzteres ist besonders lehrreich. Das ist vom Konzept her nicht schlecht, aber bei den Folgebänden ist Baker dann doch dazu übergegangen, auch die Solos auszunotieren.
Für mich hebt sich dieser Band von der Masse der Playalongs aus zwei Gründen positiv ab: Zum einen ist die Qualität der von Baker eingespielten Songs so gut, dass ich sie mir auch einfach gerne als Musik anhöre. Wie oft ist das anders! Zum anderen sind die Begleittexte von hervorragender Qualität. Da gibt es so manche Perle musiktheoretischer Art zu finden, die quasi kostenlos mitkommt, denn der Preis ist für Noten und CD allein allemal angemessen. Die Summe würde auch einen höheren Preis rechtfertigen.
Die vor meiner Rezension hier stehende schlechte Bewertung kommt wahrscheinlich daher, dass das Buch noch zu anspruchsvoll war. Wer erste Schritte getan hat aber noch nicht technisch versiert genug für dieses hier ist, sollte zwischendurch zunächst Dieter Kropps Blues Harp Songbook spielen und danach dann doch zu diesem Buch hier übergehen.
In der Tat sollte man vier verschiedene Richter-Harmonikas haben, nämlich die Tonarten C, D, A und F jeweils als Dur-Harp. Und das ist auch gut so, denn eine hohe F-Harp spielt sich wesentlich anders als eine tiefe A-Harp und so bereitet Baker uns auf die gesamte Spannbreite vor. Wer Playalongs nur in C sucht, ist wahrscheinlich noch nicht weit genug und sollte zunächst auf das o. g. Werk zurückgreifen.
Fazit: Ein tolles Buch/CD mit dem man sehr lange mit sehr viel Spaß üben kann, wenn man weit genug ist. Irgendwann werde ich die Stücke ausreichend bearbeitet haben und dann bestimmt auch Vol 2 und Vol 3 kaufen. Keine Frage!