Es gibt Dinge, die verbieten sich. Eigentlich. Zum Beispiel: eine Fortsetzung eines Klassikers wie 'High Noon' zu drehen, sie
'High Noon II - The Return of Will Kane' zu nennen und die männliche Hauptrolle mit Lee Majors zu besetzen. Oder 'Casablanca' nachträglich zu kolorieren. Oder ein Remake von Alfred Hitchcocks 'Psycho' zu drehen. Da Neues unter der
Sonne nun aber einmal von jeher selten gewesen ist, hat es all das schon gegeben - und also kann es nicht überraschen, wenn auch die 'Blues Brothers' sich einen Neuaufguss gefallen lassen müssen.
Und dass der nicht 'Blues Brothers - Teil II' oder 'Die Rückkehr der Blues Brothers', sondern schlicht 'Blues Brothers 2000'
heißt, spricht, nomen est omen, bereits Bände: zwar knüpft 'Blues Brothers 2000' inhaltlich dort an, wo 'Blues Brothers' endete - aber abgesehen davon, dass die Handlung von 'Blues Brothers 2000' zeitlich 18 Jahre nach der des Originals angesiedelt ist, bietet 'Blues Brothers 2000' nicht wirklich Neues. Aretha Franklin darf wieder 'Freedom' zum Besten geben, James 'Godfather of Soul' Brown darf den Kirchenmann geben und natürlich richten Elwood Blues (Dan Aykroyd), an dessen Seite John Goodman als schwergewichtiger Ersatz für den allzu früh verstorbenen John Belushi einspringen darf, wieder so
manchen Blechschaden an - denn auch Verfolgungsjagden mit Gesetzeshütern und bösen Buben (hier springt die russische
Mafia für die Nazis ein), die sich auf die Spur der Brüder Blues setzen, dürfen selbstredend nicht fehlen. Was also ist neu an
'Blues Brothers 2000'?
Einem ehernen Gesetz gehorchend, demzufolge Kinder und Tiere ein Garant für Kassengeklingel sind, wird den Blues Brothers ein junger Erdenbürger (J. Evan Bonifant als Jake Blues' Sohn 'Buster Blues') zugesellt - und somit findet in 'Blues Brothers 2000' auch die Erkenntnis ihren Niederschlag, dass man Kids von heute, an deren Taschengeld man gelangen möchte, im Gegenzug tunlichst auch eine altersgemäße Identifikationsfigur bieten sollte (das hat George Lucas schließlich schon mit 'Star Wars - Episode I' vorgemacht).
Summa summarum hinterlässt 'Blues Brothers 2000' den Eindruck, als hätte sich diejenigen Darsteller aus 'Blues Brothers',
die noch am Leben sind, zu einer Art filmischer Jam Session zusammengefunden, die munter all das zitiert, was das
Original 'Blues Brothers' bei Fans zum Evergreen gemacht hat - dazu gehören natürlich nicht zuletzt die Gastauftritte
diverser Blues-Größen. Als Vehikel für die Cameos von B.B. King, James Brown, Blues Traveller, Erykah Baduh, Eric Clapton
und Co. funktioniert 'Blues Brothers 2000' allemal - und, man höre und staune, auch der Vortrag von John Goodman überzeugt durchaus. Wer die Kröte zu schlucken bereit ist, dass 'Blues Brothers 2000' weniger die Züge einer Fortsetzung als eines 'Remake' trägt, dem bietet der Film gut zwei Stunden lang Inspiration für den nächsten Tonträger-Kauf - und in einer
Handlung, die die Gastauftritte locker miteinander verknüpft, auch manches, das zumindest schmunzeln lässt: Wer träumte
wohl nicht davon, seinen Wagen einmal so einzuparken, wie es in 'Blues Brothers 2000' zu sehen ist ... ?
Fazit: Natürlich muss 'Blues Brothers 2000' sich den Vergleich mit 'Blues Brothers' gefallen lassen - und dass der Vergleich in
keinem Fall zugunsten der Neuauflage ausfallen würde, muss auch John Landis geahnt haben: 'Blues Brothers 2000' ist ein Zwerg, der auf den Schultern eines Riesen steht. Dass John Landis der geistige Vater beider ist - macht den Film dabei ungleich sympathischer als manch anderes 'Sequel', das im Fahrwasser ähnlich erfolgreicher Filme produziert wird; und so hat die Unverhohlenheit, mit der Landis bei sich selbst abkupfert und seiner Ikone herumspielt, schon wieder etwas Charmantes. Frechheit siegt, gut geklaut ist manchmal besser, als schlecht erfunden. Wer sich auf Landis' Déjà Blues-Session einzulassen bereit ist, dem beschert das Survival-Revival, das der Vorspann John Belushi, Cab Calloway und John Lee Hooker widmet, ein Wiedersehen mit guten, alten Bekannten - und eben auch mit Altbekanntem. Das kann man gutheißen oder auch nicht; wer die Erwartungen an die Rückkehr von John Landis' 'Men in Black' nicht allzu hoch schraubt, dürfte sich gut unterhalten fühlen - und darf, wenn dem nicht so sein sollte, Trost im Blues suchen. Der folgt ja schließlich auch immer einem vergleichsweise einfachen, aber bewährten Strickmuster.
Allein, eine weitere Neuauflage möge uns John Landis ersparen: Die könnte dann zwar, in Anlehnung an ein weiteres bereits existierendes Sequel aus dem Bereich der SF, 'Blues Brothers 2010 - Das Jahr, in dem wir den Takt aufnehmen' heißen - wäre aber sicher ein Film, der nur unter Bewieis stellte, dass aller gute Dinge eben nicht immer drei sind.