Das Studioalbum Blueprint erschien im Februar 1973 nach Live in Europe. Meiner Meinung nach unterscheidet es sich irgendwie von anderen mir bekannten Gallagher-Platten. Es scheint mir weniger rauh, obwohl es auch hier an rockigen Stücken nicht fehlt. Die Rory-Gallagher-Band ist von nun an bis etwa 1976 nicht mehr das altbekannte Power-Trio, sondern ein Quartett, indem vor allem dem Piano und den Keyboards von Lou Martin viel Raum gegeben wird.
Die Platte beginnt kraftvoll rockend mit Walk on Hot Coals, das m.E. ein wenig dem etwas späteren Tattoo'd Lady ähnelt.
Es folgt die sehr melodisch swingende Ballade Daughter of the Everglades, ein weiterer Höhepunkt dieser Platte.
Anschließend Big Bill Broonzys Banker's Blues, der uns an den Anfang des 20. Jahrhunderts, in das Ambiente verrauchter Saloons zurückversetzt. Klavier, Akustikgitarre, Mundharmonika. Und eine schöne Geschichte mit einem gut gemeinten Ratschlag:
If you've got money on the bank, don't let your woman draw it out, `cause she'll take all your money and then she'll kick you out.
Hands Off ist eine beherzte Rock&Roll-Nummer. Race The Breeze erfreut den Hörer mit einer feinen Slide-Gitarre und einem wiederum swingenden Piano.
Wahrscheinlich als Höhepunkt der Platte gedacht, erstreckt sich Seventh Son Of A Seventh Son nach einer schön schrägen, fast psychedelischen Einleitung über stramme acht Minuten. Das im Vordergrund stehende Rock-Motiv wird allerdings für meinen Geschmack zu sehr in die Länge gezogen. Ich könnte mir vorstellen, dass etwas mehr Abwechslung dem Stück gut zu Gesicht gestanden hätte, obwohl die wiederholt eingestreuten Piano-Passagen und vor allem am Ende das Gitarrensolo mit Rorys begleitendem Gesang und Saxofon einen nicht zu leugnenden Glanz versprühen.
Der folgende Unmilitary Two Step ist eine akustische Ragtime-Nummer, die erneut Rorys musikalische Versiertheit und Treffsicherheit belegt.
Abgerundet wird das Album von einer fast zu süßen Country-Nummer: If I Had A Reason. Ein Liebeslied, warum nicht? Fast zu schön für diese Welt, dieses Zwiegespräch zwischen Oldtime-Piano und Slide-Gitarre.
Das ursprüngliche Cover der LP (ein Schaltplan von Rorys Verstärker?) finde ich übrigens schöner als die etwas blasse CD-Ausgabe.