Aus der Amazon.de-Redaktion
Maximale Funkyness bei minimaler Instrumentierung! Tausend Tage Sex in einem japanischen Steingarten. Ein Festgelage in einer buddistischen Mönchszelle. Ella Fitzgerald auf orchestraler Abmagerungskur, im Zeitlupen-Remix eines James-Brown-Grooves, von William Orbit höchstpersönlich durch den Wolf gedreht -- all das sind spontane Assoziationen zu einem Album, das so vertraut und doch so unbekannt klingt.
Ein Album, das sich sofort in Herz und Hirn festsetzt und dennoch eine so schwer zu bewältigende Herausforderung an die persönlichen Wahrnehmungsgewohnheiten darstellt, dass man sich nicht eine Sekunde lang wundert, warum Jo Laundy (Vocals), Paul Cullen (Electronics) und Simon Lovejoy (Programming) vier Jahre benötigt haben, um diese Platte zu veröffentlichen.
Das Trio aus dem englischen Norwich hat sich ganz offensichtlich vier Jahre lang darauf konzentriert seinen Sound auf die absolut notwendigen Ingredienzen zu reduzieren, ohne den Soul zu verlieren, sich selbst die größtmögliche Zahl an Einflussquellen offen zu halten, ohne im Endergebnis beliebig zu werden.
Dabei sind echte Songs entstanden, die sich an den Spannungsbögen von Pop-Tracks, Soul-Hymnen und Jazz-Balladen orientieren. Zugleich verweisen die reduzierten Beats und das distanziert gespielte E-Piano in Richtung Club. Two-Step, Deep House, Downtempo, vielleicht sogar Triphop finden sich als Referenzen wieder, doch ist das nur die Oberfläche von zwölf Wunderwerken, deren eigentliche Orientierungsmarken Otis Redding, Curtis Mayfield, Ella Fitzgerald oder Marvin Gaye heißen. Großartig. --Björn Döring
INTRO
Meine Bekanntschaft mit diesem Projekt liegt schon zwei Jahre zurück. Der damalige Samplerbeitrag Livin` On A Wire machte mich äußerst gespannt auf das Debüt. Auch um folgende Frage zu beantworten: Sind Taxi eine TripHop Band? Vor einigen Jahren hätte ich dies mit einem eindeutigen Jein beantwortet. Mangels Qualifizierungsalternativen. Nicht, dass es mittlerweile einfacher geworden wäre: Das ist Headz, sicher auch NuJazz oder Acoustic Music in Digital Times doch wird in der Retrospektive der vergangenen Jahre eines deutlich: Die elektronischen Formen des irgendwie Jazz sind ein emanzipierter, mindestens gleichwertiger Bestandteil der urbanen Clubkultur geworden. Niemals zuvor gab es einen Output von dieser Qualität und Dichte, bzw. wurde dieser von der Masse auch so wahrgenommen. Taxi sind Paul Cullen und Simon Lovejoy, zwei wirklich einfallsreiche Samplefreaks, die mit der Sänger- und Texterin Jo Laundy ein Stimmkuriosum gefunden haben, die irgendwo zwischen Holliday, Fitzgerald und einer Frau ihres Vertrauens ein Plätzchen findet. Sprich: In guten Momenten (People Come Running, Rely On Me, Want) wird Intimität vermittelt, in schlechteren diese durch zu vordergründige Stimmakrobatik wieder zerstört. Hinzu gesellen sich Beats und Samples, die vorgenannten Eindruck unterstützen. Immer dann, wenn es allzu aufgeregt klingen soll, zerrt nicht nur die Stimme, sondern auch das Beatprogramming am Nervenkostüm. In den eindringlichen, ruhigen Passagen liegen die Stärken von Taxi und die gibts nicht zu knapp. Ganz wunderbar lassen sich dazu in einem rauchigen Kellerclub bei einem Gläschen Martini Geschichten zwischen Liebe, Lust und Leidenschaft erzählen. Die Grooves und Remixe kann man ja anderen überlassen. Bestes Beispiel: der Remix zu People Come Running aus dem Hause Needs.
Burkhard Welz / Intro - Musik & so
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