Aus der Amazon.de-Redaktion
Es geht das Gerücht, daß Steve Klink einmal Oscar Peterson beerben könnte. Immerhin hat der in Köln lebende Pianist, Komponist und Kosmopolit einiges von dem, was einst auch den jungen Genius des Modern Swing auszeichnete. Da ist das sichere Gespür für die nötige Portion Pathos oder auch Reduktion am rechten Platz. Da findet sich die nonchalente Art, das Idiom des modernen Blues zu verinnerlichen und in perlende Läufe zu integrieren. Doch mehr noch als die spieltechnisch erstaunliche und interpretatorisch sichere Kompetenz am Instrument fasziniert Klinks nachvollziehbar gestalteter Enthusiasmus für seine Musik. Er verhilft ihm zu einer immensen Energie, die sich in funky groovenden und fröhlich swingenden Phrasierungen wiederfindet, aber auch zu einer ungemein hippen Lässigkeit, die traditionelle Klangbausteine von den Block Chords der Shearing-Schule bis zu den Blues-Ornamenten nach Art von Bobby Timmons präsentiert, als wären sie eben erst erfunden worden.
Steve Klinks CD-Debüt Blue Suit im Trio mit dem Kontrabassisten Henning Gailing und dem Schlagzeuger Gregory Hutchinson ist daher mehr als der souveräne Einstand eines begabten Newcomers. Das im Oktober 1997 entstandene Album demonstriert beiläufig und überzeugend, daß musikalische Qualität vor allem im gemeinsamen Spaß begründet ist, den die Beteiligten an ihren Instrumenten haben. Da beginnt sogar die Tradition wieder, lustvoll zu leben. --Ralf Dombrowski
Jazz thing (09/99)
"If You Won't See Wynton" heißt der Schlußtitel dieser CD. Wer bei den vorhergehenden acht aufmerksam zuhört, ahnt wohl, wie Steve Klink den Satz hinter den ominösen drei Pünktchen weiterführen würde: "...you could probably hear him." Während sich Jazzpianisten nämlich um der Profilierung Willen oft gewaltsam etwas möglichst Innovatives abringen, huldigt der in Köln lebende Amerikaner lieber seinem großen Vorbild Wynton Kelly. Ein kalkulierter Trip in die Vergangenheit: Klink spielt extrem funky, kombiniert vehementen Drive, perlenden Anschlag und hellen Sound zu einer gelungenen Reminiszenz an Kelly, Bobby Timmons, Elmo Hope und die anderen Heroen des Hardbopklaviers. Gerade eine Platte wie "Blue Suit" (mit Henning Gailing, b, sowie Gregory Hutchinson, ds) trägt diesen feinen, lockeren Swing-Kick aus den lichten Tagen des Jazz, der den kopflastigen Gegenwartsproduktion oft gänzlich abhanden geht. Mit dem Genörgel, sein Stil sei zu populistisch, kann Klink gut leben. Wer musikalisch derart zu überzeugen weiß und trotzdem den Nerv des Publikums trifft, der bestimmt irgendwann mal selbst den Trend.
© Jazz thing - Reinhard Köchl