Ich muss gestehen: sollten Sie eine völlig unvoreingenommene Rezension zu Mac Miller's Debut Album "Blue Slide Park" suchen, sei Ihnen vielleicht an's Herz gelegt, eine Rezension weiter zu blättern, denn meine Betrachtung des vorliegenden Albums ist von einer ungewöhnlichen Hintergrundgeschichte geprägt:
Im Frühjahr 2009 durchstöberte ich YouTube eines abends auf der Suche nach einem bestimmten Lied. Durch ein paar Klicks, Ecken und Zufälle landete ich schließlich in einem ganz anderen Feld und wurde auf einmal mit einem Mac Miller Remix von "Get it on the floor" von DMX konfrontiert. Ich war eigentlich schon dabei, etwas neues in die Suchzeile einzugeben, als der Remix mir irgendwie doch gefiel und ich mich fragte, wer dieser halbwüchsige Versuchs-Gangster eigentlich sei. Dem Beschreibungsfeld entnahm ich eine Myspace Seite, der ich folgte. Auf dieser Seite waren drei Tracks hochgeladen, ein paar kleine Fotos und der spärliche Versuch, Aufmerksamkeit für ein im Sommer zu erscheinendes Mixtape namens "The Jukebox" zu gewinnen. Weitere YouTube Videos seines Kanals zeigten Amateurvideos von Freestyles, die Mac Miller in Fluren und in Kantinen hielt. Irgendwie interessierte ich mich dennoch für diesen Jungen und merkte mir den Termin für sein Mixtape vor. Von diesem war ich so begeistert, dass ich es wochenlang rauf und runter hörte. Als er dann sein nächstes Mixtape ankündigte, war ich noch gespannter und schlug Monate später beim Release abermals zu. Das gleiche machte ich beim dritten Mixtape, "K.I.D.S.", welches mich derart fesselte, dass ich auf meinem kleinen iPod alte Jay-Z Tracks löschte, um Platz für Mac Miller zu machen, einem Jungen, der erst nach "K.I.D.S." die Leiter der Bekanntheit zu klettern beginnen sollte. Der Rest ist bekannt: Musik Videos auf YouTube mit insgesamt über 180 Mio. Views, über 1 Mio. Fans auf Facebook, Auftritte in ganz Amerika und teilweise sogar Europa. Und heute erschien sein erstes, wahrhaftig in den Läden stehendes Album, welches auf der ganzen Welt verkauft wird. Allein dieser Gedanke versetzt mich in's Staunen.
"Blue Slide Park" ist ein absolut wunderbares, originelles und musikalisch hervorragendes Portrait eines Jungen, der vom Klassen-Clown zum Sprachrohr einer ganzen Generation mutiert ist. Mac Miller's Musik ist verspielt, abwechslungsreich, inspiriert, er spielt selbst mehrere Instrumente und kann Rap-Klassiker zitieren, die noch nichtmal eingefleischte Genre-Fans kennen. Das Album ist eine bunte Mischung aus Chill-Out Songs (PA Nights, Of the Soul), partytauglichen Tracks (Party on 5th, Frick Park Market) und typischen Mac Miller Hymnen (Man in the Hat, Under the Weather). Dabei ist er - das kann ich aus voller Überzeugung sagen - sich selbst über die Jahre in seinem Stil treu geblieben und hat trotz kommerzieller Veröffentlichung keinen Stilbruch eingeläutet. Seine Musik ist einfach ehrlich und glaubwürdig, was man auch an der Tracklist sehen kann: obwohl er inzwischen schon Kontakte zu Größen wie Snoop Dogg, Pharell, Wiz Khalifa (die beiden sind langjährige Freunde und waren auf der gleichen High School in Pittsburgh) und Drake hat, ist kein einziges Feature auf dem Album zu finden. Mac Miller konzentriert sich auf seinem Debut lediglich auf sich selbst und seine eigene Musik, was durchaus sehr beachtlich ist. Und mit seinem kreativen, witzigen und einzigartigen Stil bringt er frischen Wind in die Hip Hop Szene, in die er so senkrecht gestartet ist wie selten ein Künstler zuvor (man bedenke, Mac Miller ist Jahrgang 1992!).
Falls ich Sie also bis hierhin zum Lesen bewegen konnte und Sie sich nun vielleicht auch fragen, wer dieser 19-jährige aufstrebende Star ist, hoffe ich, dass Sie sich für sein Debut Album "Blue Slide Park" entscheiden werden, und - wie ich damals - sich schon jetzt auf seine nächste Veröffentlichung freuen werden, wann auch immer diese sein möge.