Bevor ich auf den Film „Blue Sky" eingehe, möchte ich noch auf die andere Rezension bezug nehmen, in der behauptet wird, Jessica Lange habe zweimal ungerechterweise einen Oscar gewonnen.
Anfang der 80er Jahre war Jessica Lange keineswegs ein großer Star. Ihre erste große Rolle in dem Remake des Klassikers „King Kong" erntete ihr nur Spot und Hohn und niemand nahm sie als Schauspielerin ernst. Erst längere Zeit später konnte sie wieder im Filmgeschäft Fuß fassen und bekam kleinere Nebenrollen. Mit dem Film „Wenn der Postmann zweimal klingelt" bekam sie an der Seite von Jack Nicholson erstmals gute Kritiken. Doch der wahre Durchbruch gelang Jessica Lange in dem Film „Frances". In diesem spielte sie die Hollywoodschauspielerin Frances Farmer, deren rebellisches Verhalten im Hollywood der dreißiger Jahre sie in eine Nervenheilanstalt brachte.
Jessica Langes Darstellung in „Frances" gilt heute als eine der besten schauspielerischen Leistungen aller Zeiten. Doch damals konnte Jessica nur die Kritiker begeistern, dem Publikum blieb sie weiterhin unbekannt. Das änderte sich, als Jessica die weibliche Hauptrolle in „Tootsie" übernahm. Der Film wurde zu einem der damals erfolgreichsten Filme aller Zeiten und machte Jessica Lange zu einem Megastar. Innerhalb eines Jahres wurde aus der verspotteten Schauspielerin der begehrteste Star in Hollywood. Doch trotz ihrer zwei gefeierten Hauptrollen war es für Jessica Lange unmöglich, irgendwelche Auszeichnungen zu gewinnen. Denn in diesem Jahr erschien auch „Sophies Entscheidung" mit Meryl Streep. Diese erhielt für ihre Darstellung einer Holocaust-Überlebenden jeden erdenklichen Filmpreis. Doch viele Leute fanden, dass auch Jessica für ihre Rollen mehr Aufmerksamkeit von den Preisgebern verdiente. Schließlich kam man auf eine Lösung: man entschied, dass Jessica Lange in „Tootsie" eine Nebendarstellerin war und so konnte auch Jessica Lange die Filmpreise absahnen. Bei der Oscarverleihung 1983 wurde Jessica Lange als erste Darstellerin seit 40 Jahren sowohl für einen Oscar als Beste Hauptdarstellerin als auch als Beste Nebendarstellerin nominiert. Während Meryl Streep als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde, erhielt Jessica den Preis für die beste Nebenrolle. Dieser Preis gilt heute sowohl als Auszeichnung für „Tootsie" als auch „Frances".
In den folgenden Jahren erhielt Jessica Lange weitere Oscarnominierungen, jedoch keine weitere Auszeichnung. Anfang der Neunziger Jahre übernahm sie die Hauptrolle in „Blue Sky". Kurz nach Beendigung der Dreharbeiten geriet die Produktionsfirma Orion jedoch in starke finanzielle Schwierigkeiten und hielt die Veröffentlichung des Film zurück. Erst 1994 wurde der Film für zwei Wochen in Los Angeles und New York gezeigt um sich für den Oscar zu qualifizieren. Der Film selbst erhielt wenig Beachtung aber Jessica Lange erhielt für ihre Darstellung einer geistig labilen Ehefrau einige Kritikerpreise und den begehrten Golden Globe, was überraschend war Eine Oscarnominierung folgte. 1994 gilt heute als das schlechteste Jahr für weibliche Schauspielerinnen. Die Academy hatte sichtliche Mühe überhaupt fünf Frauen zu finden, die für eine Auszeichnung in Frage kamen. Man fand schließlich fünf Nominierte jedoch galt keine als besonders preiswürdig. Die einzige Favoriten neben Jessica Lange war Jodie Foster für „Nell". Diese hatte jedoch bereits zwei Oscars in ihrem Regal stehen und es wahr unwahrscheinlich, dass sie in ihrem jungen Alter bereits einen dritten bekommen würde. Außerdem schien der Film „Nell" nur aus dem Grund gedreht worden zu sein um einen Oscar zu gewinnen, etwas, was manchmal eher abschreckend wirkt. So erhielt Jessica Lange ihren zweiten Oscar, diesmal in der richtigen Kategorie. Die Tatsache, dass der Gewinn heute kontrovers erscheint ist nur, das keine der nominierten Frauen als besonders preiswürdig galt. Man muss auch sagen, dass Jessica Lange den Oscar für Blue Sky auch als eine Art „Lebenswerk"-Oscar galt. Den Jessica Lange gilt heute neben Meryl Streep und Susan Sarandon als beste Schauspielerin ihrer Generation.
Und jetzt die Frage: waren die zwei Oscars für Jessica Lange verdient? Die Antwort ist eindeutig: JA!
Und nun zu „Blue Sky": Der Film handelt von einem Millitäroffizier, der über einen Unfall bei einem Atomwaffentest berichten möchte. Um Unannehmlichkeiten zu vermeiden, wird er in ein Krankenhaus eingewiesen. Nun liegt es seiner labilen Ehefrau, ihn zu retten...
Der Film selber hat sicher seine Schwächen und wirkt manchmal wie ein „Fernsehfilm der Woche", aber Jessica Lange und Tommy Lee Jones heben den Film über den Durchschnitt. Erzählt werden zwei Handlungsstränge: die Vertuschungsaktion des Militärs und das Privatleben des Majors. Vor allem letzteres steht im Mittelpunkt: man erfährt das Leid der Familie, die immer wieder umziehen muss, man erkennt, wie sehr die beiden jungen Töchter des Ehepaares unter dem Verhalten der Mutter leiden. Wer hier einen spannenden Thriller erleidet, liegt falsch, es handelt sich eher um ein Familiendrama.
Fazit: Toller Schauspieler (besonders Jessica Lange und Tommy Lee Jones) machen den Film zu einem Erlebnis!