Ich las "Blue Highways" vor fünf Jahren am Strand in Barcelona. John Steinbecks "Meine Reise mit Charlie" für die 90er Jahre. James Taylors "Country Road" literarisch. Reiht sich in die modernen Reisebuchklassiker mit Bill Bryson "Strassen der Erinnerung". Amerika vom Hinterhof aus gesehen. So wie ich es selbst sah. Als ich einen Sommer in New York und unterwegs im Land verbrachte. Blue Highways führt uns auf nicht weniger attraktive Abwege, vorbei an massentouristischen Monumenten mitten ins wirkliche Amerika, mitten ins Leben von WLHM und Rosinante. Ein Buch das niemals enden müsste. Amerika von innen. Ein Blick in den unspektakulären Alltag, aus dem die wahren Helden hervorgehen. Ein therapeutisches Werk vielleicht auch, was den Autor betrifft, der sich auf grosse Fahrt begibt, nach dem er geschieden worden ist. Ein Buch um aus dem Getriebe rauszukommen, weil wir nie im Neonlichter-Las Vegas landen und keine Gucci-Läden auf der Fifth Avenue aufsuchen. Gespräche an ruhigen Flecken, am Rand der Blue Highways, Amerikas Nebenstrassen. Begenungen mit einer anderen Welt und einer anderen Zeit. Diners und Motels wie sie in Erinnerung geblieben sind aus alten Filmen. Und Elvis könnte vorfahren, in einem grünen Cadillac, die Gitarre auf dem Rücksitz, und den Kies knirschen lassen. Gefolgt vom nächsten Caddie mit seinen Musikern, Scotty, Bill und D.J. Fontana. Auf dem Weg zur Louisiana Hayride Samstagshow, zu spät dran, aber es reicht für ein Milkshake. Blue Highways hat denselben vorwärtsdrängeden Rhythmus wie Steinbecks Schilderungen auf der Route 66 in "Früchte des Zorns". Wer noch nie draussen auf den Highways war, sollte sich unbedingt von William Least Heat Moon erzählen lassen wie es ist. und dann vielleicht den Grand Canyon links liegen lassen und runter in die staubschluckenden, windgepeitschten Kleinstädte von Westtexas und New Mexiko reisen. Dazu eine CD mit den frühen Woody Guthrie-Songs in die Reisetasche packen und dann kanns losgehn. Peter Hauri, Heilsarmee-Pastor, jetzt in Ecuador, als Leiter einer Guardería (Tages-Kinderheim)der Heilsarmee in Cayambe, nördliche Sierra.