Drei Wochen nach den Ereignissen aus Vektor und seinem Versuch sich den Muur-Talisman anzueignen beordert der Imperator Darth Vader nach Bandomeer wo er einen der zahllosen lokalen Aufstände gegen das imperiale Regime niederschlagen soll. Ist das die Strafe für seinen Versuch Palpatine zu stürzen? Weiß der Imperator denn von seinem versuchten Verrat? Vader zweifelt am Vertrauen das ihm sein Meister entgegenbringt, der ihn nun gegen Minenarbeiter ins Feld schickt, die sich weigern die imperialen Knebelverträge anzunehmen, anstatt die letzten Jedi zu jagen und alle Überreste des Ordens aus der Galaxis zu tilgen.
Anderenorts erfreut sich nämlich einer dieser letzten Jedi noch bester Gesundheit. Dass Jennir hat sich auf das Telerath-Archipel von Noua begeben, um dort einen neuen Auftrag zu erledigen. Einen Auftrag den er nicht bloß wegen des Geldes angenommen hat, sondern auch weil er ihm eine Chance bietet wieder einmal seinen Gerechtigkeitssinn zu befriedigen. Der seit den Mandalorianischen Kriegen in Vergessenheit geratene Planet der sich kurzfristig als Urlaubsparadies etablieren wollte ist längst das Heim diverser Banden geworden. Sklavenhändler und Gewürzschmuggler haben sich breit gemacht und leben mehr oder weniger friedlich nebeneinander. Jennirs Auftraggeberin Ember hat den vermeintlichen Söldner jedoch nur angewiesen gegen eine der beiden Fraktionen vorzugehen, der ehemalige Jedi beginnt jedoch schon bald gegen beide zu arbeiten und muss feststellen dass seine Auftraggeberin nicht ganz ehrlich zu ihm gewesen ist...
Mit Blue Harvest hat Mick Harrison wieder einmal bewiesen warum Dark Times als die bisher düsterste Comicserie innerhalb des Expanded Universe gilt. Blue Harvest, dessen Titel eine Anspielung auf den Produktionstitel von Episode VI und mittlerweile auch das Family Guy-Episode IV-Special ist stößt dabei noch tiefer in die düsteren Zeiten des Untergangs der Republik vor. Und das mit seinen Wasserwegen an Venedig erinnernde Telerath-Archipel ist die Kulisse vor dem Blue Harvest eine Wende im Leben des ehemaligen Jedi-Ritters Dass Jennir inszeniert. Nachdem er vom Weg abgekommen schien will Jennir sich selbst und seinen Idealen gegenüber beweisen dass er immer noch einer der Guten ist, doch das wird ihm in der sprichwörtlichen Höhle des Löwen nicht leicht gemacht. Selbst seine Auftraggeberin ist nicht eine jener unschuldigen Damen, die wie in der Serie A-Team die Hilfe eines gerechten Söldners beansprucht um wieder Frieden und Gerechtigkeit in ihre Heimat zu bringen.
"Embers Feuer", die Absteige in der Jennir Unterkunft findet ist eine Taverne mit Sonderleistungen des Personals und was damit gemeint ist erkennt man bereits am dortigen Dress Code der Angestellten. Selbst der Fischerjunge Dado ist keiner junger Naivling, sondern wäre am liebsten einer der Schurken, denn dann wäre er immerhin jemand. Rückendeckung erhält Jennir nur von seinem Bootstaxifahrer Fish und seinem Droiden H2, dessen Meister er getötet hat. Jennir selbst trägt immer noch jenen dunklen Fleck auf seinem Herzen mit sich, seit der den Mörder von Bomo Greenbarks Tochter kaltblütig hingerichtet hat. Er will die Sklavenhändler unschädlich machen, um Bomos Tochter zu rächen, auch wen der Nosaurier keinen Wert mehr auf die Freundschaft des Ex-Jedi zu legen scheint. Ideal ergänzt wird dieser düstere Tenor von Doug Wheatleys Zeichnungen.
Dass Blue Harvest eine Wendung in Dark Times darstellt wird einem vor allem gegen Ende des Bandes bewusst, allerdings wurde die Serie vorerst auf Eis gelegt und wird erst wohl wieder 2011 fortgesetzt werden. Dabei schreit alles geradezu nach Fortsetzung. Gerade Vaders Reise nach Bandomeer und seine Zweifel an Palpatines Aufrichtigkeit ihm gegenüber kommen kaum zum Durchbruch, ebenso wie hinter Bomo Greenbarks Plot ein großes Fragezeichen steht. Selbst Jennirs tragender Handlungsstrang endet derart offen, dass eine jede Fortsetzung leicht anknüpfen könnte.
Zusammenfassend kann man also sagen Blue Harvest ist mit Abstand eine der düstersten und doch zugleich spannendsten Geschichte im EU die es gibt. Damit haben Autor Mick Harrison und Zeichner Doug Wheatley wieder einmal bewiesen warum Dark Times als erwachsenster Output des EU seit langem gilt. Die Kluft zu The Clone Wars und den auf die jüngste Fangeneration schielenden Star Wars Adventures könnte kaum größer sein, Blue Harvest ist die Versinnbildlichung allen dessen was man als härteres Star Wars bezeichnen würde. Und das ohne banal zu werden. Harrison zeigt mit Dass Jennir einen Mann der seinen Weg verloren hat, aber immer noch so tief von den Jedi-Lehren durchdrungen ist dass er auf diesen zurückfinden will, während er allerdings in einer zutiefst korrumpierten Gesellschaft gelandet ist. Auf der anderen Seite der Galaxis ringt Darth Vader damit selbst dem einzigen Menschen der ihm geblieben ist nicht vertrauen zu können.
Fazit:
Ein Highlight, selbst für Dark Times.