Pressestimmen
"Roanne, das `Blue Girl, der frühreife, hellwache, sensible, rotzfreche Teenager, bricht auf aus Oregon und klappert die paar Adressen an der Westküste ab, die sie kennt, und trudelt in haarsträubende, wilde und wunderschöne Situationen. Ein Hauch früher Tom Robins, ein wenig Generation X, aber besser, wärmer, direkter." (Jens- Uwe Sommerschuh)
"Diese Reise eines tapferen, aber sehr verletzlichen jungen Mädchens wird Sie zum Lachen und zum Weinen bringen." (Norman Jewson, Regisseur)
"Roannes Hunger nach Leben, Liebe, Bindung und Erfahrung bringt ihr ein paar wunderbare Erinnerungen und Beziehungen." (Publishers Weekly)
"Diese Reise eines tapferen, aber sehr verletzlichen jungen Mädchens wird Sie zum Lachen und zum Weinen bringen." (Norman Jewson, Regisseur)
"Roannes Hunger nach Leben, Liebe, Bindung und Erfahrung bringt ihr ein paar wunderbare Erinnerungen und Beziehungen." (Publishers Weekly)
Kurzbeschreibung
Roanne ist vierzehn, doch wer ihre ausgeprägten Formen sieht, hält sie für älter. Sie weiß viel über Kunst, denn ihre Mutter Dell malt, bildhauert und ist für ihre Plattencover berühmt. Dell war nie verheiratet, aber selten allein in ihrem Leben. Unglücklicherweise hat es Marcus mit den schönen großen Händen auf Mutter und Tochter abgesehen. Als Roanne ihn mit Dell im Bett erwischt, verläßt sie fluchtartig die Szene. Ohnehin haben die Sommerferien gerade begonnen. Roannes erste Schritte ins eigene Leben führen sie, die selbst wunderbare Cartoons zeichnet, zu allerlei supernetten und superausgeflippten Leuten an der Westküste. Sie findet Freunde, die sie so akzeptieren, wie sie ist, und erlebt ihre erste große Liebe.
Über den Autor
G. Zoë Garnett, geb. in Auckland/Neuseeland, kam mit elf Jahren nach Kanada. Seit ihrem dreizehnten Lebensjahr beschäftigt sie sich mit der Schauspielerei und dem Schreiben. Sie hat an den verschiedensten Orten der Welt in mehr als 150 Theaterstücken und 67 Filmen und Fernsehfilmen mitgespielt (oft in Hauptrollen) und war an acht Feature-Filmen beteiligt. Daneben schreibt sie Artikel, Essays und Buchrezensionen für verschiedene kanadische Zeitungen und Zeitschriften. 150 Songs entstammen ihrer Feder, von denen einige sehr erfolgreich waren. Sie verfaßte zwei Einpersonen-Shows, die von ihr in eigener Regie aufgeführt wurden. Das vorliegende Buch ist ihr erster Roman. Die Autorin lebt sie in Toronto. Zur Zeit arbeitet sie an einem Band Kurzgeschichten.
Auszug aus Blue Girl von G. Z. Garnett, Ulrike Seeberger. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
»Zizi, diese junge Dame ist Roanne Ghappell. Eine liebe Freundin von Didier und mir. Eine ziemlich gefeierte kanadische Karikaturistin. Didi hatte schon einen ihrer Cartoons gerahmt und an die Wand gehängt, ehe sich die beiden überhaupt kennenlernten. Wie heißt der Cartoon noch mal, Prowlet?« »Moose Factory.« »Ja, genau. >Moose FactoryZizanie< Douglas-Hyde.« »Das reicht jetzt aber wirklich, Pascal. Du jagst ihr Angst ein. Hallo, meine Liebe.« Die Augen musterten, musterten, musterten mich. Gaben keinen Millimeter nach. Dels berühmtes »Eis im Winter«. Der Mund vollführte eine verkniffene, an den Seiten hochgebogene Bewegung. Lächelähnlich. Das hatte aber nicht das geringste mit Fröhlichkeit zu tun. Oder mit Freundlichkeit. SO hat die Königin kurz vor dem giftigen Apfel Schneewittchen angelächelt. Wenn ich Angst habe, purzelt mir der seltsamste Scheiß aus dem Mund. Immer schon. Wahrscheinlich bleibt das auch so. »Sie sind also mit Pascals Vater verheiratet, was?« »Nein, eigentlich nicht, meine Liebe. Nicht mehr. Mein gegenwärtiger Gatte heißt Joop VanderHayden.« »Joop?« »VanderHayden. « »Van Der. Das ist holländisch, was? Ich bin mal mit einer Nancy VanderLinden in eine Klasse gegangen. Die war aus Holland. Deswegen weiß ich, daß Van Der holländisch ist.« »Aha.« »Sie hatte eine Nase wie eine ganze Knoblauchknolle. Nancy, meine ich.« Pascal spazierte von uns weg in die große Küche, die irgendwie Teil des riesigen Wohnzimmers war. »Haben Sie mit dem auch einen Sohn? Mit Mr. VanderHayden?« »Nun, natürlich nicht, meine Liebe. Wir hätten ... gern ein Kind gehabt, natürlich, aber mein Mann hat...« »... immer nur Platzpatronen abgeschossen?« Als ich das sagte, ließ Pascal, der mit einer Schale Knabbernüsse auf uns zuging, die Schüssel auf den lockigen weißen Fellteppich fallen. Nüsse überall. Selbst wenn er das nicht gemacht hätte, ich wußte ohnehin, daß »Platzpatronen verschießen« so weit von »angebrachtem Vokabular« weg war wie nur irgend möglich. Ich wußte das sogar schon, als es mir vom Hirn in den Mund und von da in die Welt rutschte, aber da war ich ja so zum Bersten voll mit Blödgeplapper, daß ich den Rückwärtsgang einfach nicht mehr reinkriegte. Ich versuchte, mich aus dem Schlamassel rauszuschaufeln. »Das ist ein Ausdruck, den meine Mutter immer gebraucht, wenn ein Typ ...« »Prowlet, könntest du mir helfen, diese Nüsse hier wieder einzusammeln?« Er hockte am Boden, hatte mir den Rücken zugewandt, und der Jeansstoff spannte sich straff über seinen breiten Rücken. Ich tauchte praktisch in dem Fellteppich unter, schnappte mir Hände voll Nüsse, schaufelte sie in die Schale, mit Fell und allem. Wir schauten einander in die Augen. Pascals ganzes großes Gesicht strahlte mich an. »Ist schon okay, Prowlet. Besser als okay, es ist verdammt hinreißend!« flüsterte er mir zu. Inzwischen war die Schale voller Nüsse und Teppichfusseln. Er stand auf. Ich auch. Ein bißchen zu schnell. Mir wurde schwindelig. (Das passiert mir immer, wenn ich zu schnell aufstehe.) Ich verlor das Gleichgewicht. Fiel ärschlings wieder auf den Teppich zurück. Pascal lachte. Es war kein gemeines Lachen. Draußen hupte jemand. »Nun, da ist dein Taxi zum Flughafen, Zizi. Roanne, ich bringe meine Mutter noch raus zum Taxi, und dann bereiten wir alles für die Party vor.« Er reichte ihr die Hand, an der sie sich von dem großen, kuscheligen weißen Sofa hochzog. »Klar. Schön, Sie kennenzulernen, Mrs. VanderLinden ... äh, Hayden«, sagte ich, während ich immer noch an der Stelle saß, wo ich hingeplumpst war. Sie neigte das Gesicht leicht nach rechts, schloß die Augen, nickte einmal, wandte sich um und machte sich auf den Weg zur Tür, ein elegant gekleidetes Messer mit einem hübschen Hintern. Ich beschloß, daß Zizis Arsch der bei weitem freundlichste, glücklichste Teil ihrer Persönlichkeit sein mußte. Wahrscheinlich, weil er hinter ihr war, wo sie ihn nicht böse anblitzen und ihm sagen konnte, was er zu tun und zu lassen hatte. Sie und Pascal standen vor der Tür und sprachen Französisch. Ich konnte nichts verstehen, außer »ssäh wülGÄHR!« »Wulgähr«, das hatte ich noch nie gehört, aber ich wußte, was es bedeutet, und ich wußte, daß sie damit mich meinte. Pascal stand im Türrahmen, schüttelte den Kopf und grinste. »Die kann nichts und niemand aufhalten. Absolut gar nichts. Sie ist wie ein Superexpress-Schnellzug. Aber du hast es geschafft. Du hast sie auf ihren glänzenden Silberschienen zur absoluten Vollbremsung gebracht. Das war fantastisch. Das war einfach superfantastisch!« Während er mich so überschwenglich lobte, schloß er mich in eine wunderbare Riesenumarmung ein. Er duftete nach Limonen, und ich dachte nur: Bitte, laß mich auf immer hierbleiben. In Pascals Umarmung. Laß mich einfach hierbleiben, dann muß ich nicht alle die Was-Scheiße und Wo-Scheiße und Wie-Scheiße in meinem Leben auseinanderklamüsern. Er ließ mich los. Wuschelte mir durch die Haare, grinste immer noch. »Party?« »Hm?« »Du hast was von einer Party gesagt.« »Ah ja, habe ich. Zufällig ist heute abend hier eine Party. Für eine junge Freundin von mir. Eine Sweet-Sixteen-Geburtstagsparty. Der eigentliche Geburtstag war irgendwann letzte Woche, aber heute war der beste Tag, hier eine Party zu veranstalten.« »Oh, ich werde nächste Woche sechzehn.« (Langsam fing ich selber an, daran zu glauben, daß ich im September 16 und nicht im Dezember 15 wurde.) Ich schaute aufmerksam auf sein Gesicht, um rauszufinden, ob Didi ihm mein wirkliches Alter verraten hatte. Sah nicht so aus. Er nickte. »Paßt ja prächtig. Dann machen wir gleich auch noch eine Party für dich draus. Ich bin sicher, Gilbey hätte nichts dagegen. Sie ist eine sehr großzügige Person auf ihre Art.« »Ist sie deine Freundin, diese Gilbey?« »Großer Gott, nein. Sie ist ein Kumpel, unsere Gilbey. Arbeitet ab und zu als Fotomodell für mich. Und benutzt dieses Haus als Notlandeplatz. Ich glaube, du wirst sie mögen. Sie hat massig Energie. Und ist anscheinend kein bißchen eifersüchtig auf andere Frauen. Das ist in dieser Stadt was ganz Besonderes. Sehr. Und höchst lobenswert.« Während er mir das ganze »Gilbey-Zeug« erzählte, mixte Pascal Zutaten aus einem riesigen schwarzen Kühlschrank zu allen möglichen leckeren Sachen zusammen. Dann sortierte er die Flaschen mit Alk an der schwarz-weißen Bar, die schräg in der Ecke stand, gleich neben einer Glastür, die direkt zum Strand hinunterführte. Das Ganze war ein großer, durch keine Wände aufgeteilter Raum. Kanadier haben Zimmer. Kalifornier dagegen, zumindest die, die ich bisher kennengelernt hatte, die haben »Räume«. Wie in Kunstmuseen. Oder Flughäfen. Oder Wartezimmern. Überall in Kalifornien gab es so riesige, teuer aussehende Wartezimmer. In Farben, die auf der Stelle dreckig würden, wenn sie mir gehörten. Oder Del. Pascal zündete sich eine von seinen kurzen, dicken französischen Zigeunerzigaretten an. »Ich hatte noch gar keine Gelegenheit, dich zu fragen, Prowlet, was du genau hier machst, in Los Angeles?« »Hm. Ich warte. Auf meine Mutter.«