Dieses Album drängt einem zwei Begriffe auf: "gefällig" und "geschmeidig". Nun hängt es davon ab, ob man diese Art von leichtem Jazz mag.
Aber der Reihe nach:
Til Brönner mag einer von Deutschlands Vorzeige-Jazzern sein, als Avantgardist gilt er nicht gerade. Mit diesem Album lehnt er sich nun wenigstens ein kleines bißchen über den Zaun und landet mitten im Elektronik-Beet. Was Miles Davis, Herbie Hancock oder Tab Two aus Deutschland schon viel früher und wesentlich wagemutiger versucht haben, kommt hier mit wenig Kohlensäure zum Hörer: Crossover light.
Im Mittelpunkt steht der kühle und schlanke Ton der Trompete, zumeist gestopft und souverän wie meistens. Till Brönner ist ja von jeher eher Meister des Weglassens, so sind auch hier die Soli von spröder Schlichtheit.
Im Hintergrund liegt dazu ein unaufdringlicher Soundteppich. E-Pianos, Scratches, dezente Samples, weiche Flächen. Das Tempo ist durchgehend ausgebremst. Das sorgt ein paar Songs lang für ruhigen Flow, und dann für gepflegte Langeweile. Sogar ein Klassiker wie Billy Joels "Just the way you are" ordnet sich diesem Konzept völlig unter.
Leider fehlt dem Album der Kick, das gewisse Extra. Es stellt sich kein Knistern ein wie bei "Beady Belle", es gibt kein Wagnis wie bei "Towa Tei", es entsteht keine Atmosphäre wie bei "Visit Venus". Es bleibt der Eindruck eines Albums, das auch zum Bügeln geht oder auf dem Laufband, eine weitere Folge der "Lounge classics" zu denen man Martinis trinkt oder im Supermarkt steht. Durch die amorphen Songs mit ähnlichem Schema und Tempo, die nur durch die wenigen Gesangparts von Brönner selbst aufgebrochen werden, entstehen keine Spannungsbögen, ergeben sich keine Höhepunkte. Was z.B bei Eryka Badu aufgrund der unglaublichen Stimme funktioniert verkommt hier zur Instrumentalsspur.
So kann auch die transparent glitzernde Produktion nicht sehr viel tun, die den Trompetensound eher in den Gesamtsound eingliedert, anstatt ihn wirklich zum Solostar zu machen.
Wer entspannte Musik für den Feierabend mag darf einen Stern addieren, wer Musik ohne Brüche und Dynamik für Fahrstuhlbeschallung hält sollte einen Stern abziehen und zu wagemutigeren Crossover-Alben greifen.