Für Mick Fleetwood, den Namensgeber der Britblueser Fleetwood Mac, schließt sich mit dieser Scheibe ein Kreis. Nachdem er Jahrzehnte erfolgreich poppige Rockmusik unter dem Fleetwood Mac-Banner gespielt hat, kehrt der Schlagzeuger nach gut 35 Jahren mit der Mick Fleetwood Blues Band zu seinen musikalischen Wurzeln zurück. Wie schreibt Mick im Booklet doch so schön: "Over my career I've been called a pop star and a rock star, yet in my inner heart, I will always be part bluesman". Das Live-Album der Mick Fleetwood Blues Band widmet er seinen ehemaligen Bandkollegen der britischen Blues-Legende Fleetwood Mac Peter Green, John McVie und Jeremy Spencer. Für sein Tribute-Projekt konnte er mit Rick Vito einen renommierten und vielseitigen Gitarristen und Sänger gewinnen. Rick Vito war für Fleetwood übrigens kein unbeschriebenes Blatt. Der Musiker wirkte gegen Ende der 80er Jahre bei der Tango in the Night-Tour von Fleetwood Mac mit. Auf "Blue again!" zeigt er alle Facetten seiner Gitarren-Kunst. Es ist wirklich erstaunlich, wie der Mann sowohl die Slidegitarre im Stil eines Jeremy Spencer als auch Peter Greens einzigartigen Gitarrensound beherrscht. Bei dem von Vito komponierten "Red hot gal" oder dem Elmore James-Klassiker "Shake your moneymaker" glaubt man, Jeremy Spencer in seinen besten Tagen würde auf der Bühne stehen. Aber auch Peter Green-Titel wie das hypnotische "Looking for somebody", den Slow-Blues "Love that burns" und das kraftvolle "Stop messin' around" läßt der Saitenkünstler wieder aufleben. Freilich - und hier setzt meine Kritik an - kann Vito nicht beide Gitarristen des Original-Outfits von Fleetwood Mac gleichzeitig ersetzen. Man vermisst einfach den vollen Sound von zwei Gitarristen, die sich in der Rhythmus- und Lead-Arbeit abwechseln. Am meisten fällt dies beim oft gecoverten Peter Green-Stück "Rattlesnake shake" auf. Bei den Original-Fleetwood Mac waren hier 1969 mit Danny Kirwan sogar drei Gitarristen beteiligt. Kein Wunder also, daß die Version des Songs auf "Blue again!" verglichen mit der Erstaufnahme recht zahnlos klingt. Rick Vito präsentiert auf der Live-CD auch vier Eigenkompositionen. Beste Titel sind hier das bereits erwähnte "Red hot gal" und der flotte "Fleetwood boogie". Das von J. J. Cale beeinflußte "When we do the lucky devil" und vor allem das zydeco-artige "I got a hole in my shoe" fallen demgegenüber deutlich ab. Als Sänger kann Vito zwar Green und Spencer nicht vergessen machen. Gleichwohl passt sein Organ recht gut zum Fleetwood Mac-Sound. Mick Fleetwood leistet an den Drums wie gewohnt Maßarbeit. Mark Johnstone an den Keyboards und Bass-Mann Lenny Castellanos sind solide, jedoch eher unauffällige Sidemen. Zur Live-Scheibe gibt es noch eine Studio-Bonus-CD mit u.a. dem unvermeidlichen "Albatross" und "Supernatural" von Peter Green sowie zwei Vito-Songs. Eine recht blutleere und deshalb mehr oder weniger verzichtbare Dreingabe. Dafür ist das ausführliche Linernotes enthaltende Booklet sehr ansprechend gestaltet. Um nochmals aus ihm zu zitieren: "Mick wasn't seeking to copy his original band, but rather to pay tribute by creating something both historically respectful yet new and reinvigorated". Dieses Vorhaben ist dem alten Kämpen mit seiner Blues Band insgesamt überraschend gut gelungen. Freilich, die alten Fleetwood Mac der ausgehenden 60er Jahre bleiben eine Klasse für sich. Aber das weiß gewiß auch der gute Mick Fleetwood.