Die gute alte Schauspielregel trifft bei diesem Film exakt zu. Regisseur Mabrouk El Mechri hat ganze Arbeit geleistet, um für Van Damme den Grundstein in eine neue Filmzukunft zu legen.
Ich bin mit Van Damme und seinen Filmen aufgewachsen gehöre aber wahrhaftig nicht zum Kern der Fans, die ihn über all die Jahre "begleitet" haben. Hatte ich mir vor 18-20 Jahren noch seine Filme im Kino angesehen, störten mich die immer wieder gleichen Choreographien und Mimiken. Damals noch in jedem Film einen Spagat vollziehend nutzte sich das für mich persönlich schnell ab, so dass ich um fast alle weiteren Filme einen Bogen machte.
Irgendwie bin ich dann auf den Trailer zu JCVD gestoßen und muss sagen, dass er mich schon sehr neugierig machte, denn im Trailer ist schon zu erkennen, dass die Filmemacher es nicht ganz so ernst nehmen mit Van Dammes Vergangenheit und dabei nichts auslassen. Sorgerechtsstreit, Drogenprobleme, ausbleibende (gute) Filmprojekte, Scheidungen, alles wird in JCVD aufgegriffen und diese ehrliche "Abrechnung" mit der Vergangenheit schien mir interessant zu sein, weshalb ich den Film beim britischen amazon bestellte.
Und ich wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil, ich wage mich mal nach vorne und gebe dem Film 5 Sterne. Mit dieser Wertung gehe ich normalerweise sehr sparsam um, aber dieses Mal würde ich mich freuen, wenn der Film Erfolg hätte, denn für "Van Damme Verhältnisse" ist er sehr gewagt und ich möchte damit diesen Schritt würdigen.
Fans, die Action erwarten, muss ich allerdings enttäuschen, denn auch da gilt die oben genannte Regel. Die Hand- und Fußtechniken in diesem Film kann man an einer Hand abzählen. ;-) Aber genau dieses sparsame Umgehen mit dem sonst Üblichen bereichert den Film und macht ihn authentisch.
In einer Szene wird Van Damme von jemandem mit einer Pistole provoziert, aber er bleibt einfach nur stehen und beide starren sich eine halbe Minute lang an. Anschließend wendet sich Van Damme ab, schiebt es zwar darauf, dass der andere bewaffnet ist, aber er wirkt damit um einiges verletzlicher und menschlicher als in den vorherigen Filmen.
Und solche Momente gibt es sehr oft und genau das macht den Film nachvollziehbar und anders.
Die Kernszene ist ein fast 7 minütiger Monolog von Van Damme zu seinem Leben, bei der er geschickt inszeniert, von den anderen Schauspielern isoliert wird, um dann wieder nahtlos in die ablaufende Szene eingebunden zu werden (ohne Schnitt). Toll.
Insgesamt gibt es sehr viele lange Einstellungen und die tragen auf subtile Art und Weise zur Gesamtatmospäre bei.
Daran sind natürlich auch die anderen Schauspieler "schuld", die ihre Charaktere sehr gut verkörpern. Insgesamt haben die Filmemacher um Regisseur Mabrouk El Mechri eine sehr gute Wahl mit dem übrigen Ensemble getroffen.
Bitte nicht vom DVD Cover in die Irre führen lassen, es ist kein Actionfilm.
Diese Version des Films enthält englische Untertitel nur an den Stellen, an denen französisch gesprochen wird. Englische Sprache wird nicht untertitelt und ein Untertitelmenü fehlt komplett. Es wird überwiegend französisch gesprochen, was dem ganzen eine zusätzliche Note gibt.
Technisch meckern muss ich ein bisschen über die Musikspur, die anscheinend nicht richtig konvertiert wurde und manchmal etwas leiert.
Die Bonus DVD zeigt "Making Of" und ein langes Interview mit Van Damme während eines Tages in Brüssel. Dort bekommt man ein Gespür für die Unsicherheiten des Schauspielers, der offen über seine Vergangenheit und sein Leben spricht. Schade, dass nicht die zusätzlichen Trailer und Teaser den Weg auf die DVD geschafft haben. Es gibt zum Beispiel einen rund 10-minütigen Kurzfilm, in dem Van Damme in das Casting zu seinem eigenen Film kommt. Witzig, aber leider nicht auf der DVD.
Insgesamt jedoch ein sehr abgerundetes Werk, was eventuell nicht interessant ist für jemanden, der mit Van Dammes Werdegang nichts anfangen kann.
Für mich war es eine Überraschung und damit möchte ich den Film all denen empfehlen, die auch an einer filmischen Entwicklung Van Dammes interessiert sind.